Europäische Union

Mit Visionen für Europa der Krise trotzen

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Die Schüler der Jugendinitiative „My Europe“ haben konkrete Vorstellungen, wie sich der alte Kontinent in der Zukunft entwickeln soll. Nun präsentierten die jungen Leute aus zehn europäischen Ländern in Frankfurt ihre Visionen mit einem „Manifest für Europa“.

So funktioniert es offenbar nicht, unser Europa. Oder zumindest noch nicht. Die Schüler der Jugendinitiative „My Europe“ haben nicht nur eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wohin sich die Europäische Union in Zukunft entwickeln soll, sie liefern konkrete Lösungen und Vorschläge gleich mit. Am vergangenen Freitag stellten nun 45 Jugendliche aus zehn europäischen Ländern in Frankfurt das „European Youth Manifesto“ (Europäisches Jugendmanifest) vor.

Die Jugend von heute habe keine Lobby, meint Manfred Pohl, Gründer und Vorstand des Frankfurter Zukunftsrats e.V. „Es ist aber gerade diese Gruppe, die bis 2030 in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Kultur sein wird“, sagte Pohl am vergangenen Freitag im Magistratsaal des Frankfurter Römers. Dies sei die entscheidende Motivation für das von ihm initiierte Projekt „My Europe“ gewesen. 45 europäische Schüler zwischen 15 und 22 Jahren stellten anschließen ein „Jugendmanifest für Europa“ vor.

Die zehn Kapitel zu den Bereichen Menschenrechte, Kultur, Bildung, Arbeit, Umweltschutz, Immigration, Sprachen, Energie und Sicherheit lesen sich als eine Art Anleitung dafür, wie das Europa, von dem die jungen Autoren träumen, sich mit Offenheit und Toleranz realisieren ließe.

Die 16 Jahre alte Clara Hachmann glaubt fest an die europäische Integration. Die Krise könne „die Integration sogar noch fördern“, sagte die Schülerin aus München, die dort das private französische Gymnasium „Lycée Jean Renoir“ besucht.

So sei es etwa für viele junge Menschen aus Krisenländern nötig, Arbeit in einem anderen EU-Land zu suchen. Dies ermögliche es aber auch, andere Nationen und Kulturen kennenzulernen und „das ist wichtig“.

Diesem Ziel hat sich auch der Frankfurter Zukunftsrat verschrieben. In Zusammenarbeit mit dem „Institute for Corporate Cultural Affairs“ (ICCA) organisiert er im Rahmen des Projekts „My Europe“ seit knapp drei Jahren zweitägige Workshops für Schüler zwischen 15 und 20 Jahren. Dabei haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit arrivierten Akteuren aus Politik und Wirtschaft über Europa auszutauschen.

Unterstützt von professionellen Redakteuren verfassten sie im Anschluss dieser Workshops Beiträge über Visionen für das „Europa im Jahr 2030“. Die besten Artikel werden prämiert und veröffentlicht. Zur Veranstaltung in Frankfurt kamen nun die bisherigen Gewinner aus Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, der Schweiz und der Türkei. Die Workshops sollen noch in zehn weiteren Ländern stattfinden.

Viviane Reding, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für das Ressort Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, unterstützt das Projekt und zeigt sich im Vorwort des Manifests begeistert von den Visionen der Jugendlichen. „Jugend ist eine Zeit, wo alle Träume erreichbar aussehen“, sagt sie.

Träumen ist diesen jungen Leuten allerdings nicht genug. Deshalb gründeten sie am Freitagabend im Kaisersaal des Römers den „Youth Council for the Future“ (Jugendrat für die Zukunft). Dieser solle den Jugendlichen über die nationalen Parlamente hinaus in Brüssel und in der Welt eine Stimme geben, so Pohl.

Treffen mit Trichet

Angetan vom Projekt ist auch Jean-Claude Trichet, ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei einer Diskussion beantwortete er die Fragen der Schüler zur europäischen Wirtschaftslage und verstand es, sie mit klaren Worten zu begeistern.

„Wenn ich im Jahr 1998 in New York meinen Freunden gesagt hätte, dass wir eine gemeinsame Währung einführen werden, hätten sie mir nicht geglaubt. Wenn ich ihnen gesagt hätte, diese Währung ist stabil und dient 335 Millionen Menschen, sie hätten gefragt, was ich denn rauche. Und wenn ich ihnen gesagt hätte, dass diese Währung auch in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stabil bleibt, hätten sie gesagt das ist nicht Marihuana, das ist Crack“, sagte der 70 Jahre alte Trichet, der 2011 von Mario Draghi an der EZB-Spitze abgelöst wurde.

Er rief dazu auf, auch große, fast undenkbare Veränderungen nicht auszuschließen. Der Euro-Schuldenkrise zum Trotz schwärmte Trichet vom Euro, der nicht die Schuld an der wirtschaftlichen Entwicklung trage. Der Euro sei ideal für ein Land, das gut geführt werde, aber bestimmt „keine Lizenz, um sein Land schlecht zu regieren und in die Misswirtschaft zu treiben“.

Auch sein Rat an die Schüler: „Seid bereit euch zu verändern. Seid bereit Neues zu akzeptieren. Seid bereit Chancen zu packen. Seid intellektuell flexibel. Jene von euch, die bereit dazu sind, euch schnell zu verändern werden gewinnen“.

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit, die einige Heimatländer der Schüler – wie zum Beispiel Spanien, Italien oder Bulgarien – prägt, sowie den politischen und sozialen Missstimmungen zwischen den EU-Ländern, sind einige der Zukunftsprognosen für Europa in den Artikeln der Schüler sehr düster ausgefallen. Andere zeigen sich hoffnungsvoller. Wie sehr sich aber Europa bis 2030 verändert, wollen sie zumindest persönlich mitbeeinflussen.