
Die Europäische Zentralbank drückt die Zinsen. Und Italien zahlt weniger. Einen kurzfristigen Kredit hat das Land jetzt so billig bekommen wie seit Jahrzehnten nicht.
Die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) macht sich für den italienischen Staat bereits bezahlt. Für eine einjährige Anleihe musste er am Dienstag so wenig Zinsen zahlen wie noch nie seit der Einführung des Euro. Auch vor der Euro-Einführung hatte Italien nie weniger gezahlt, zumindest nicht seit dem zweiten Weltkrieg. Der Zins fiel auf 0,688 Prozent, wie das Finanzministerium mitteilte. Noch vor einem Monat mussten Investoren mit 0,999 Prozent gelockt werden.
Die EZB hatte den Leitzins in der vergangenen Woche überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Experten erwarten, dass Banken das billige Geld nehmen und zum Teil in europäische Staatsanleihen stecken, die mehr Rendite abwerfen. Die EZB begründete die Zinssenkung damit, dass die Inflation nachlasse. Noch am Montag sagte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny: „Wir müssen ernsthaft die Perspektive sehen, dass die Inflationsraten in nächster Zeit sehr niedrig bleiben.“
Kritiker wie Ifo-Chef Hans-Werner Sinn werfen der EZB vor, dieses Argument sei vorgeschoben. Vielmehr wolle die Notenbank den Krisenstaaten zu billigen Krediten verhelfen. Darunter leide der Anreiz, dringend notwendige Wirtschaftsreformen und staatliche Einsparungen vorzunehmen, lautet der Einwand.
In der Tat hatten vor der Entscheidung víele Stimmen aus Italien eine Zinssenkung gefordert. Nach der Zinssenkung bekam die EZB dafür Lob von Italiens Regierungschef Enrico Letta.
Mit der aktuellen Anleihe nahm Italien 6,5 Milliarden Euro ein. Die Nachfrage war robust: Trotz der geringeren Rendite war das Papier 1,8-fach überzeichnet, vor einem Monat nur 1,7-fach.
