Inland

Kostspieliges Dreikönigstreffen

• Bookmarks: 32


Ausgerechnet die Partei der Marktwirtschaft wird vom Subventionsbetrieb Staatstheater subventioniert. Nun soll die Miete für das Dreikönigstreffen steigen – und die FDP weiß nicht, ob sie sich das noch leisten kann.

Seit 1946 treffen sich die Freien Demokraten zum Dreikönigstreffen in der Stuttgarter Staatsoper. Sie waren nach dem Krieg dorthin umgezogen, weil Stuttgart in Trümmern lag, die Liederhalle zerstört war und das Staatstheater sogar eine Heizung hatte. Holz und Kohlen mussten die geneigten Zuhörer im ersten Nachkriegsjahr allerdings mitbringen. Jetzt liegt die gesamte FDP als außerparlamentarische Kraft in Trümmern, und der baden-württembergische Landesverband weiß nicht, ob er sich die kostspielige, aber medial äußerst wirksame Veranstaltung am 6. Januar künftig noch wird leisten können.

Der geschäftsführende Intendant der Stuttgarter Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, stört sich schon seit Jahren an der Dumping-Miete für die FDP: Nicht aus politischen Gründen, sondern aus pekuniären. 4500 Euro oder zuletzt 10.000 Euro Miete für das Dreikönigstreffen hält Hendriks schon seit Jahren nicht mehr für „marktkonform“. Ausgerechnet die Partei der Marktwirtschaft wird vom Subventionsbetrieb Staatstheater subventioniert? Von einer „absoluten Ausnahme“ und von einer „Quersubventionierung“ war schon häufiger mal die Rede. Die FDP ist in dieser Hinsicht einsichtig. „Wir sagen ja auch immer, dass sich die Spielstätten möglichst selbst finanzieren sollen“, heißt es im Landesverband.

„Wir könnten gutes Geld verdienen“

In diesem Jahr macht Marc-Oliver Hendriks nun ernst, er will aber nicht der Totengräber der FDP sein, er will für sein Haus nur die Einnahmen steigern. „Unsere Forderungen an die FDP haben mit dem Ausgang der Bundestagswahl nichts zu tun, wir sind politisch neutral. Es ist aber unsere Aufgabe, die Einnahmen der Staatstheater zu verbessern“, sagte Hendriks FAZ.NET. „Der Dreikönigstag ist ein Feiertag in den Ferien, ein ’slot‘, an dem wir gutes Geld verdienen können.“

Das Staatstheater könnte mit zwei Opernaufführungen oder (noch besser) mit zwei Ballettaufführungen bis zu 120.000 Euro am Dreikönigstag einnehmen. Wegen der erforderlichen Umbauarbeiten ist nach der FDP-Kundgebung aber nur noch eine Aufführung möglich. „Diese 30.000 Euro sind ein Übergangsangebot“, sagte Hendriks, „wir müssen die Gebühren sukzessive erhöhen. Und was passiert eigentlich, wenn eine rechtsradikale Partei klagt und auch für 5000 Euro ins Staatstheater will?“

Der FDP-Landesverband steht finanziell gut da, sparen muss er trotzdem. Den traditionellen „Dreikönigsball“ in der Stuttgarter Alten Reithalle soll es schon im kommenden Jahr nicht mehr geben. Geplant ist jetzt nur ein Delegiertenabend. Für die Kundgebung in knapp zwei Monaten muss die Landes-FDP wohl den Preis zahlen, den das Staatstheater verlangt, sonst bleibt ihr nur, ins Zelt auszuweichen.

„2014 bleiben wir im Staatstheater. Wir reden allerdings noch einmal über den Preis“, sagte der Landesgeschäftsführer Sebastian Haag. „Über alles andere, was wir 2015 machen, muss im Landesvorstand und Präsidium beraten werden.“

Eine naheliegende Lösung wäre, die Dreikönigskundgebung von 2015 an in der Liederhalle zu veranstalten. Dort wären nur etwa 12.000 Euro Saalmiete fällig, und die Südwest-Liberalen könnten sich auf ihre historischen Ursprünge besinnen: Denn in der Liederhalle trafen sie sich im vergangenen Jahrhundert schon sehr häufig. Zuletzt am 6. Januar 1933. Dann kam Hitlers Parteienverbot mit dem sogenannten Ermächtigungsgesetz.