Lebensstil

Einladung zum Selbstbedienen

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Hübsch, ziemlich praktisch – und für Diebe ein leichtes Ziel: Zahlreiche Designer nähen in dieser Saison Taschen auf Taschen. Sie haben nicht das Zeug zum Klassiker, aber ein bisschen länger könnten sie schon überdauern.

Steck dein Geld weg.“ Hören Sie das auch öfters? Modeleuten ist der Rat durchaus bekannt, nicht etwa, weil sie öfters Geld ausgeben als andere, sondern weil sie sich ständig in heiklen Situationen wiederfinden. Der Modezirkus zwischen New York und Paris raubt ihnen ja schon viel, aber zusätzlich laufen sie auch noch Gefahr, mal schnell zwischen zwei Schauen wirklich beraubt zu werden, nicht des Schlafes, nicht der Zeit, sondern des Geldes.

Die Fallen lauern überall: an den Eingängen hoch frequentierter U-Bahn-Schächte, im Gedränge zur zehnten Schau am Tag, in den Sitzreihen. Aber die größte Falle stellen sich die Modeleute selbst: Mit ihrem Aufzug ködern sie Taschendiebe geradezu. Im teuren Kleid sehen sie wohlhabender aus, als sie es eigentlich sind. Und schwups, ist das Portemonnaie auch schon weg. Da kann sich der Dieb nach der Tat schön wundern, dass die Frau, die doch Kleidung im Wert von etwas mehr als 5000 Euro trägt, am Ende doch wirklich nur ein bisschen Kleingeld in der Tasche bei sich hat.

Möglich, dass die Designer gerade dieses Image der Modefrau, die so viel besser situiert aussieht, als sie es eigentlich ist, in ihren Taschen auf subtile Weise ironisieren wollten. Hier nähen sie die Geldbörsen einfach direkt auf die Vorderseite der Modelle, für jeden sichtbar, für jeden zum Selbstbedienen. Der junge New Yorker Designer Alexander Wang stellt sich mit diesen Handtaschen gewissermaßen bei Balenciaga vor. Die Modelle in Schwarz und mit Marmordruck sowie mit Karabinerhaken auf der Tasche der Tasche gehören zur Einstands-Kollektion des Modemachers im französischen Traditionshaus.

Oder Miuccia Prada, die ihre Beobachtungen bekanntlich gerne überspitzt darstellt. Sie legt ihre Galleria Bags, einen Klassiker der Marke, neu auf, in Weinrot, Blau, Beige, Schwarz, Petrol, Grau – mit Täschchen auf der Vorderseite. Die Taschen auf den Taschen haben dabei vielleicht nicht das Zeug, zum Klassiker zu werden wie die Galleria Bags. Aber länger als eine Saison könnten die Meta-Taschen schon überdauern. Das zeigt etwa die Kollektion von Viktor &amp- Rolf für das kommende Frühjahr. Auch dort: Taschen auf Taschen, wie ein Brustbeutel auf der eigentlichen Tasche.

Allesamt sind diese Modelle hübsch, allesamt ziemlich praktisch, nur Geld sollten Sie darin besser doch nicht verwahren. So wissen die Diebe ja sofort, wo sie nachschauen müssen. Legen Sie ihnen statt dessen lieber eine falsche Fährte und bewahren Sie in der Vordertasche Ihre U-Bahnkarte auf. So haben Sie die immer griffbereit, und für Diebe ist sie uninteressant. In U-Bahn-Schächten sind die schließlich selbst tätig. Und Monatskarten haben Modeleute meistens nicht.