
Elsie Eiler ist die einzige Einwohnerin von Monowi im Bundesstaat Nebraska, der kleinsten Gemeinde der Vereinigten Staaten. Ein Gespräch über ihr geselliges Leben in der Einsamkeit.
Frau Eiler, Sie sind die einzige Bewohnerin der Gemeinde Monowi. Der nächste Supermarkt liegt fast 13 Kilometer entfernt, bis nach Omaha, der größten Stadt des Bundesstaates Nebraska, fahren Sie fast sechs Stunden. Wird Ihnen nicht langweilig in der kleinsten Gemeinde der Vereinigten Staaten?
Im Gegenteil. Hier ist so viel los, dass ich jeden Tag mindestens zwölf Stunden auf den Beinen bin. Ich betreibe seit mehr als 40 Jahren das Lokal „Monowi Tavern“, das viele Stammgäste hat. Die meisten sind Farmer und Jäger aus der Gegend. Einige wohnen 100 Kilometer entfernt. Gestern habe ich nach einer Beerdigung einen Leichenschmaus für etwa 30 Gäste ausgerichtet. Vom Friedhof sind es ja nur fünf Kilometer.
Monowi hat weder Rathaus noch Polizeistation. Wo haben Sie denn die Schankerlaubnis beantragt?
Die Erlaubnis für den Alkoholverkauf habe ich mir selbst ausgestellt. Ich betreibe nicht nur die einzige Gaststätte, sondern bin auch Bürgermeisterin und Kämmerin des Ortes. Wie jede andere amerikanische Gemeinde erhält Monowi Mittel von der Regierung des Bundesstaates. Ich investiere das Geld vor allem in Wasserleitungen und die vier Straßenlaternen des Ortes.
Seit der Volkszählung im Jahr 2010 sind Sie auch offiziell Monowis einzige Bewohnerin. Wie lange leben Sie schon allein hier?
Mein Mann Rudy ist vor neun Jahren an Krebs gestorben. Vor seinem Tod haben wir einige Jahre zu zweit hier verbracht. In der Zeit haben wir auch die Bücherei geplant. Rudy war ein passionierter Leser. Wer sich eines der 5000 Bücher oder eine Zeitschrift ausleihen möchte, bekommt von mir den Schlüssel zu „Rudy’s Library“.
Die Landflucht der vergangenen 50 Jahre führte zu einer der großen Wanderbewegungen in der Geschichte Amerikas. Besonders in den Great Plains, zu denen auch Nebraska gehört, sind ganze Landstriche verwaist. Wie hat sich Monowi seit Ihrer Kindheit verändert?
Ich habe die meisten meiner 80 Jahre hier verbracht. Früher war Monowi eine typische Stadt in der Prärie mit einer Hauptstraße, einer Schule, Geschäften und gleich mehreren Hufschmieden. Wenn ich heute aus dem Fenster schaue, sehe ich ein paar verfallene Häuser, die Bücherei und den Highway, der Monowi mit den anderen Gemeinden in Boyd County verbindet. Für viele wirkt das vermutlich ein bisschen trostlos.
Wie verbringen Sie denn Ihre Zeit, wenn Sie nicht in der „Monowi Tavern“ Bier zapfen oder Hamburger und Steaks grillen?
Ich lese viel, am liebsten historische Romane. Und ich habe ein Faible für eine Seifenoper, die ich jeden Tag vor dem Fernseher verfolge. Aber meistens sitzen Gäste an der Theke. Ich tausche mich gern mit anderen aus und bin ein geselliger Mensch. Auch wenn das ein wenig merkwürdig klingt bei jemandem, der allein auf weiter Flur lebt.
Die Eisenbahngesellschaft Chicago &- Northwestern Railroad hat die Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschlossen. Damals siedelten sich ein paar hundert Menschen hier an. Im Jahr 1930 hatte die Gemeinde etwa 150 Bewohner, 50 Jahre später lebten in Monowi nur noch 18 Menschen. Haben Sie auch mal an einen Umzug gedacht?
Nein, nie. Es waren ja auch vor allem die jungen Leute, die fortgezogen sind, um in der Stadt zu arbeiten. Die Alten blieben hier und starben weg. Da Rudy bei der Luftwaffe war, haben wir ein paar Jahre in Omaha, Kansas City und Dallas gewohnt. Uns hat es aber immer wieder nach Monowi gezogen, wo wir beide aufgewachsen sind. Mein Zuhause ist hier. Wenn ich mal Abwechslung brauche, besuche ich meine Tochter oder meinen Sohn in Arizona.
Monowi trägt den Beinamen „Der größte Einzelgänger“. Erleben Sie hier auch einsame Momente?
Ich glaube, jeder Mensch hat Augenblicke, in denen er einsam ist. Das hat aber nichts mit dem Wohnort zu tun.
