
Selbst unter den besten global ausgerichteten Rentenfonds mehren sich die Minuszeichen. Neben den Zinsen sollten Anleger auch auf Währungen achten.
Die Zeiten sind für Manager von Anleiheportfolios seit längerem schwer. Nun erreicht die Flaute selbst die Manager globaler Rentenstrategien. Dies ist insofern erstaunlich, als diese doch rund um den Erdball nach aussichtsreichen Anleihen suchen können und genügend Schuldtitel mit attraktiven Renditen finden müssten. Doch selbst unter den 30 besten globalen Rentenfonds, die das Fondsanalysehaus Lipper für unseren wöchentlichen Fondsbericht aus einer Gesamtgruppe von 135 Fonds identifiziert hat, mehren sich die Minuszeichen. 22 der 30 besten globalen Rentenfonds haben in den vergangenen sechs Monaten einen Wertverlust erlitten. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate sind es 17.
Unser Fondsbericht beruht auf der kumulierten Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren und nicht wie in vielen anderen Vergleichen auf dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. So hat der DWS Inter-Renta das Vermögen seiner Anleger in den vergangenen drei Jahren um 12,6 Prozent gemehrt, auch wenn er in den vergangenen zwölf Monaten wie auch in den vergangenen sechs Monaten einen Wertverlust erlitten hat.
Das DWS-Produkt ist typisch für seine Klasse. Der immerhin gut 660 Millionen Euro schwere Rentenfonds hat darunter gelitten, dass zuletzt sowohl die Renditen für Bundesanleihen wie auch die für amerikanische Staatsanleihen gestiegen sind. Zudem litt der Fonds unter schwachen Schwellenmärkten: „In Erwartung weiter leicht steigender Zinsen, vornehmlich in den USA, verloren Emerging-Markets-Währungen zum Teil deutlich“, schreibt Fondsmanager Bernhard Falk in seinem jüngsten Marktkommentar. Schwellenmärkte machen im DWS Inter-Renta mehr als ein Viertel des Fondsvermögens aus, wobei der Fonds in dieser Region noch stärker in Unternehmensanleihen als in staatliche Schuldtitel investiert ist.
Global anlegende Rentenfonds sind auch immer Währungswetten
Anleger, die sich für globale Rentenfonds interessieren, sollten besonders auf die Devisenmärkte achten. So ist der DWS Inter-Renta zwar hauptsächlich in Euro investiert. Falk hält aber auch Positionen in mexikanischen Peso, in russischen Rubel, in australischen Dollar, japanischen Yen, norwegischen Kronen, südkoreanischen Won, Schweizer Franken und britischen Pfund. Kursveränderungen in diesen Währungen können innerhalb kürzester Zeit Renditen in den Anleihen zunichtemachen. Deshalb sind global anlegende Rentenfonds immer auch zu einem guten Teil Währungswetten.
Richard Woolnough, Fondsmanager des Optimal Income der britischen Fondsgesellschaft M&-G, ist dies offenbar gut gelungen. Mit einem Wertzuwachs von knapp 30 Prozent in den vergangenen drei Jahren hat er sich nur an die Spitze unserer aktuellen Lipper-Auswahlliste gesetzt. Mit einem Plus von 3 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten und von 1,8 Prozent in den vergangenen sechs Monaten zählt Woolnough zu den wenigen Managern globaler Rentenfonds, die auch auf kürzere Sicht Wertzuwächse melden können.
Allerdings nennt M&-G in seinen öffentlichen Dokumenten nicht, in welchen Währungen der Fonds investiert ist, sodass Außenstehende kaum nachvollziehen können, wie dieser Wertzuwachs zustande gekommen ist. Diese finden nur einen Hinweis, dass die Referenzwährung für den Fonds das britische Pfund ist. Das wiederum bedeutet, dass in Euro rechnende Anleger beim M&-G Optimal Income einem Wechselkursrisiko gegenüber dem britischen Pfund unterliegen, das sich mal zu ihren Gunsten und mal zu ihrem Nachteil auswirken kann.
Fondsmanager sollte über seine Währungspositionen Auskunft geben
Wie Wechselkursgewinne zu bewerten sind, ist in der Fondswelt umstritten. Manche Branchenvertreter halten Devisenpositionen für zu schwankungsanfällig, weshalb sie diese aus der Wertentwicklung des Fonds herausrechnen, um nur die Rendite des Anleiheteils im Fonds zu berücksichtigen. Andere wiederum halten Wechselkursgewinne für einen ganz normalen Renditebeitrag, auf den ein Fondsmanager auf keinen Fall verzichten sollte.
Auf welche Seite sich ein Anleger auch schlagen will: Unstrittig dürfte sein, dass ein Fondsmanager über seine Währungspositionen Auskunft geben sollte. Auch im jüngsten Marktkommentar zum dritten Quartal berichtet M&-G-Fondsmanager Woolnough ausführlich über das Kreditrisiko, Sektorgewichtungen und selbst die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (Duration). Seine Währungspositionen nennt er nicht. Unser zweitplazierter Fonds, der Templeton Global Total Return, ist auskunftsfreudiger. Fondsmanager Michael Hasenstab nennt sehr detailliert seine Währungspositionen. So ist er viel breiter gestreut als beispielsweise der DWS Inter-Renta: Der amerikanische Dollar macht knapp 50 Prozent aus, gefolgt von hohen Positionen in südkoreanischen Won, malaiischen Ringgit, mexikanischen Peso, schwedischen Kronen und Singapur-Dollar. In japanischen Yen und dem Euro ist er über Termintransaktionen Nettoverkäufer. Allerdings sollten Anleger beachten, dass Hasenstab mit der Dollar-Tranche seines Fonds auf den zweiten Rang gekommen ist und nicht mit der Euro-Tranche. Die Währungen sollten eben bei globalen Rentenfonds nicht übersehen werden.
