
Die Abhöraffäre um die Zeitung „News of the World“ zielte auch auf das Königshaus. Nach Angaben des Staatsanwalts Andrew Edis wurde unter anderem die Handy-Mailbox von Prinz Harry während seiner Zeit auf der Offiziersschule angezapft.
Was macht ein Prinz, wenn er bei seinen Hausaufgaben nicht weiterkommt? Er ruft seinen Privatsekretär an und bittet um Hilfe. Und was macht ein Sensationsblatt, das dieser Information auf unlauterem Wege habhaft geworden ist? Es klopft auf den Busch und versucht über offizielle Kanäle eine Bestätigung zu bekommen, damit es einen Exklusivbericht veröffentlichen kann, ohne preiszugeben, wie es die Fährte aufgenommen hat. Über den Anruf von Harry bei dem Privatsekretär, in dem er um Hilfe bat, frotzelte der Hofkorrespondent Clive Goodman gegenüber dem Chefredakteur Andy Coulson von „News of the World“, das sei wie ein Telefonjoker in „Wer wird Brigadegeneral?“, womit er auf die Sendung „Wer wird Millionär?“ anspielte.
Staatsanwalt Andrew Edis hat bei der Verlesung der Anklageschrift vor dem Strafgericht gegen Andy Coulson und Rebekah Brooks sowie sechs weitere Angeklagte – unter ihnen auch Clive Goodman –, Einzelheiten aus dem internen Schriftverkehr aus dem Jahr 2005 preisgegeben. Damit wollte er das Ausmaß der Lauschangriffe auf Mitglieder des Königshauses zeigen und nachweisen, dass die Vorgänge der Chefredaktion damals bekannt gewesen sein müssen. Die früheren Chefredakteure Brooks und Coulson der 2011 eingestellten Skandalzeitung „News of the World“ sind die Hauptangeklagten in der Abhöraffäre. Brooks wurde später Verlagsleiterin für die britischen Murdoch-Zeitungen, Coulson von Premierminister David Cameron zum Regierungssprecher ernannt, obwohl er als Chefredakteur hatte zurücktreten müssen. Edis rief den Geschworenen nun einen Bericht der Sonntagszeitung vom Dezember 2005 in Erinnerung, der unter der Schlagzeile, „Harrys Vertrauter hilft bei Sandhurst-Prüfungen aus“, unterstellte, der Sohn des Thronfolgers, der damals an der Militärakademie Sandhurst seine Offiziersausbildung machte, habe durch die Hinzuziehung seines Privatsekretärs Jamie Lowther-Pinkerton bei der Arbeit an einem Aufsatz gegen Vorschriften verstoßen.
Goodmans Quelle war Privatdetektiv Glenn Mulcaire
Edis schilderte, wie das Blatt durch das Abhören der Mailbox von Lowther-Pinkerton darauf gekommen sei, und las eine Abschrift der Nachricht vor, die Prinz Harry für den ehemaligen Offizier der Eliteeinheit SAS hinterlassen hatte, dessen Nähe zum Königshaus unlängst durch seine Wahl zum Paten des Prinzen George bekundet worden ist. In dem Anruf fragte Prinz Harry, ob Lowther-Pinkerton ihm irgendwelche Informationen geben könne über die Besetzung der iranischen Botschaft in London im Jahr 1980, „weil ich ziemlich schnell einen Aufsatz darüber schreiben muss, aber ich brauche zusätzliche Informationen“. Dann fügte er noch inständig an, diese „bitte, bitte, bitte“ zu mailen oder zu texten.
Anfang Dezember erkundigte sich Andrew Coulson bei dem Hofberichterstatter, was mit der Geschichte sei. Goodman berichtete, er habe im Büro von Prinz Charles um eine Stellungnahme gebeten, könne jedoch nicht „zu präzise“ sein, damit die Quelle nicht auffliege. Goodmans Quelle war Privatdetektiv Glenn Mulcaire, der allerdings von der Zeitung bereits seit 2001 ein Jahresgehalt in Höhe von 100000 Pfund bekam. Goodman hielt an Mulcaire auch danach fest, da dieser, wie er sagte, eine wertvolle Quelle für Geschichten über das Königshaus sei.
Zu den anderen Enthüllungen über das Königshaus, die der Staatsanwalt vorbrachte, gehörte ein Bild von Prinz William in einem Bikini – er hatte sich anlässlich einer James-Bond-Party in Sandhurst als Bond-Girl verkleidet. Der Informant wurde von Brooks als „mein bester Kontakt in Sandhurst“ angepriesen. Brooks, damals Chefredakteurin der „Sun“ im Murdoch-Imperium, soll daraufhin die Zahlung von 4000 Pfund, die bar hinterlegt wurden, für die Frau des „militärischen Kontakts Nummer eins“ autorisiert haben. Die Bilder wurden aber letztlich nicht veröffentlicht.
