Gesellschaft

Debüt im Flusspferdhaus

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Andreas Knieriem ist der neue Berliner Zoodirektor. Weil sein umstrittener Vorgänger Bernhard Blaszkiewitz noch im Amt ist und für Ärger sorgt, bleiben seine Pläne für die Zukunft der Berliner Tierparks aber noch im Allgemeinen.

Der Vormittag im Flusspferdhaus gehörte wohl nicht zu den Höhepunkten im bisherigen Leben von Andreas Knieriem. Zwar wurde der neue Berliner Zoodirektor überaus freundlich von der Berliner Presse und vielen seiner künftigen Mitarbeiter begrüßt. Doch vermochte er seinerseits am Dienstag nicht mehr zu sagen als Freundliches und Allgemeines.

Denn sein Vorgänger amtiert noch. Und er verhandelt mit dem Aufsichtsrat der Zoologischer Garten Berlin AG über die Gestaltung seines Abschieds. Der Vertrag von Bernhard Blaszkiewitz läuft bis Juni 2014, und er macht keine Anstalten, freiwillig vorher zu weichen. Blaszkiewitz verkauft seine Haut teuer. Im September beschloss der Aufsichtsrat, Knieriem nach Berlin zu rufen. Doch Blaszkiewitz sorgte noch dieser Tage mit einem unabgesprochenen Büro-Umzug in Räume von Schloss Friedrichsfelde im Tierpark abermals für Ärger – mit seinem Betriebsrat und mit seinem Förderverein.

So hörte Knieriem, wie ihm der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Bruckmann „soziale Kompetenz“ attestierte. Doch mochte er weder Pläne schildern noch Kritik an den bestehenden Verhältnissen in Zoo und Tierpark formulieren. Er sei „überwältigt“ von dem Empfang, den Berlin ihm bereite, gerührt von dem großen Interesse an seiner Person. Selbst bei einer Tagung in den Vereinigten Staaten hätten ihm Leute die Hand geschüttelt, die das zuvor nicht gemacht hätten – obwohl er immerhin seit 2009 Zoologischer Direktor im Münchner Tierpark Hellabrunn ist. Sein Balsam für die wunde Hauptstadt-Seele: „Berlin ist etwas.“

„Gute Lebensbedingungen“ für die Tiere

Der 48 Jahre alte Knieriem ist für seine neue Arbeit gut qualifiziert. Er hat, auch an der Freien Universität Berlin, Tiermedizin studiert, hat im Duisburger Zoo gearbeitet, und unter ihm wurde der Hannoveraner Zoo zum erfolgreichen „Erlebniszoo“. Auch Hellbabrunn hat er in kurzer Zeit weiterentwickelt. Schnell muss er auch in Berlin sein. Vor allem bedarf der große Tierpark – 160 Hektar, wie er am Dienstag schon wusste – dringend eines Konzepts. Dass der Zoo „mitten in der Stadt“ den „größten Zootierbestand der Welt“ aufweise, könne man durchaus kritisch sehen. Wichtig sei, nichts für den Tierpark zu tun, was den Zoo schädigen könne – und umgekehrt.

Die Berliner Zoos müssten wieder, so wünscht er es sich, „Taktgeber“ werden. Der Ziel- und Entwicklungsplan, den er nun mit den rund 400 Mitarbeitern vorzulegen habe, werde in seinem Arbeitsleben der dritte sein. Mit Gedanken an die Berliner Aufgabe schlafe er ein und wache er auf. Jeder Zoo existiere in einem großen Netzwerk und werde wissenschaftlich begleitet, sagte Knieriem. Die längst etablierten Standards und Vereinbarungen müssten eingehalten werden. Die Frage sei nicht, ob wilde Tiere in der Stadt gehalten werden sollten, sondern wie.

Auf „gute Lebensbedingungen“ für die Tiere und „Respekt und Wertschätzung“ unter den Mitarbeitern komme es ihm an. Das Flusspferdhaus, sagte der neue Berliner Zoodirektor zufrieden, sei jedenfalls auch noch nach fast 20 Jahren „state of the art“. Seine Bewohner ließen sich vom Rummel jenseits der Glasscheibe zumindest nicht aus der Ruhe bringen.