Gesellschaft

Juanitos Reisegefährtin

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Königin Sofía von Spanien ist vier Jahrzehnte nach der Thronbesteigung ihres Manns Juan Carlos das beliebteste und angesehenste Mitglied der Königsfamilie. Heute wird sie 75 Jahre alt.

Ausgerechnet die „griechische Prinzessin“, die zunächst von den Spaniern etwas skeptisch betrachtet wurde, ist vier Jahrzehnte nach der Thronbesteigung ihres Manns Juan Carlos die Säule der Monarchie. Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, am 2. November 1938 nahe Athen geboren, ist gegen Ende eines Annus horribilis mit Frauengeschichten, Korruptionsaffären und Gesundheitsproblemen das beliebteste und angesehenste Mitglied der Familie. Ihr folgt in den Erhebungen Kronprinz Felipe, der Sohn, für den sie alles tut – und erst dann der angeschlagene König.

„Sofi“ und „Juanito“, wie sie sich privat nennen, haben als Eheleute alle Höhen und Tiefen durchmessen. Er, ein Fremdgänger, und sie, die allzeit Pflichtbewusste mit eisernem Rückgrat, haben trotz separater Räumlichkeiten im Zarzuela-Palast wieder einen Modus vivendi gefunden. Die Sturm-und-Drang-Jahre des von einer abermaligen Hüftoperation genesenden Monarchen sind vorbei. Seine Frau, die es verschmerzt hat, dass es im Mai 2012 bei der Goldenen Hochzeit nichts zu feiern gab, hat ihn unlängst sogar mit einem öffentlichen Wangenkuss verblüfft.

An diesem Samstag feiert man nun im engsten Kreis ihren 75. Geburtstag. Die Urenkelin des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und Tochter des griechischen Königs Paul I. und seiner Frau Friederike sieht alterslos gut aus: schlank aus vegetarischer Überzeugung, bewehrt mit unwandelbarer Frisur, gewappnet mit ein bisschen Botox und einer warmherzigen Ausstrahlung, die längst die „germanische Kühle“ vergessen ließ.

Sofía unterläuft nie ein Patzer

Die junge Frau, die einst den Diktator Franco im Bourbonen-Interesse zu charmieren verstand, die Erwachsene, die auch beim Putschversuch spanischer Militärs – das warnende Beispiel ihres Bruders Konstantin vor Augen – ihren Mann stand, und die Großmutter, die sich jetzt bemüht, allen Misslichkeiten zum Trotz die Familie zusammenzuhalten, zeigt dabei Augenmaß, Klugheit und Takt.

Ihr Mann hat ihr einmal mit den Worten „Sie ist ein großartiger Profi“ das vielleicht beste Kompliment gemacht. Sie gab es ihm mit der wetterfesten Bemerkung zurück: „Unsere Liebe hat sich zu einer Freundschaft hin entwickelt. Ich bin seine Gefährtin. Wir sind Reisegefährten.“ Zur Zeit reist sie freilich mehr alleine durch Spanien und die Welt in kulturellen, sozialen und humanitären Angelegenheiten. Sie ist polyglott (die ehemalige Salem-Schülerin spricht noch immer gut Deutsch), unprätentiös und von diskreter Eleganz: „Ich will vor allem nützlich sein.“ Ihre Erfahrungen als junges Mädchen im Exil, das im Zweiten Weltkrieg aus Griechenland flüchten musste und in Ägypten und Südafrika miserable Zeiten durchstand, hat sie geprägt. Juan Carlos, auch ein Exilant, hatte es da in Rom und im portugiesischen Estoril einfacher.

Sofía, die ihren katholischen Glauben, zu dem sie bei der Hochzeit übertrat, ernst nimmt, hält sich gewöhnlich mit politischen Aussagen zurück. Dass sie einer Biographin einmal gestand, gegen die Abtreibung und die gleichgeschlechtliche Ehe zu sein, nahmen ihr die Feministinnen und die Homosexuellen übel. Doch ansonsten gilt, dass ihr auf diplomatischem und jedem anderen Parkett nie ein Patzer unterläuft. Von ihr stammt auch das wahrscheinlich letzte Wort in Sachen Abdankung: „Ein König stirbt im Bett.“ Wenn die spanische Monarchie sich hält, würde darauf der Ruf „Es lebe der König“ folgen. Das wäre dann der Sohn, der ihr im Wesen so ähnlich ist.