Gesellschaft

Ein Leben für die Sauberkeit

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Als „Müll-Sheriff“ verspottet und geschätzt: Peter Postleb hat die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ aufgebaut. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Ohne Peter Postleb wäre Frankfurt schmutziger. Seit die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) 2001 die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ gegründet hat, steht der heute 65 Jahre alte Bauingenieur an der Spitze eines Teams, das außer ihm noch zwei Mitarbeiter hat. Er verfügt mittlerweile über einen Etat von knapp zwei Millionen Euro, um notorische Dreck-Ecken in der Stadt zu beseitigen und die täglichen kleinen Müllsünden der Frankfurter zu bekämpfen. An diesem Freitag geht Postleb nach 40 Jahren im Dienst der Stadt in den Ruhestand. Neue Aufgaben sind aber schon in Sicht: Von Montag an wird er den Kommunen in der ganzen Republik seine Dienste als Fachmann für ein „lebenswertes Umfeld“ anbieten.

Roth hatte die Stabsstelle geschaffen, weil in Frankfurt wie auch andernorts die Reinigung von Straßen, Haltestellen und Parks sowie die Leerung öffentlicher Papierkörbe nicht in einer Hand liegen. Daher fühlt sich für wild beklebte Laternenmasten, das längst vergessene und rostig gewordene Fahrrad am Geländer oder überquellende Papierkörbe nach einem sonnigen Herbstwochenende niemand zuständig. Außer Peter Postleb. Er, der zuvor bei der Stadtentwässerung, im Umweltamt und als Referent des damaligen Umweltdezernenten Thomas Koenigs (Die Grünen) gearbeitet hatte, hat die Sauberkeit in der Stadt zu seiner Sache gemacht. „Die Stabsstelle – das ist in gewisser Weise mein Lebenswerk“, sagt Postleb.

Ein schwer ersetzbarer „Typ“

Jetzt, wo er altersbedingt aufhört und gleichzeitig der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Stabsstelle an das Umweltdezernat abgibt, weil er andere Schwerpunkte setzen will, erfährt Postleb für seine Arbeit viel Lob und Anerkennung. Feldmann hat vor kurzem von „enormen Verdiensten“ gesprochen, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) attestierte ihm, ein „Typ“ zu sein, den man nur schwer ersetzen könne.

Postleb selbst sorgt sich hingegen „ein bisschen“, was aus der Stabsstelle wird. In den vergangenen Jahren war er immer wieder auch belächelt worden. Man nannte ihn „Mr. Saubermann“ und „Müllsheriff“, und das war nicht immer freundlich gemeint. 2003 ließ sich Postleb zum Hilfspolizisten ausbilden, um auch selbst auf der Straße zu arbeiten. Er verteilte Knöllchen an Hundehalter, die das kleine Geschäft ihrer Vierbeiner einfach liegen ließen, oder ahndete das legere Wegschnippen der Zigarettenkippe mit einem Bußgeld. So mancher im Römer, der seinen Schreibtisch nie verlässt, hielt Postlebs persönlichen Einsatz für kurios. Er selbst ließ sich dadurch nicht irritieren.

Der Spott, den er in ganz Deutschland erntete, als er 2006 Kunst im öffentlichen Raum als Müll abfahren ließ, erschütterte ihn ebenso wenig wie eine spektakuläre Panne bei der Taubenbekämpfung mit Hilfe von Bussarden: Einer der von einem Falkner eingesetzten Raubvögel hatte sich vor der Alten Oper einen Scottish Terrier gegriffen. Der Hund überlebte. Trotzdem wurde die Aktion abgebrochen, obwohl laut Postleb die Tauben alle geflüchtet waren. Im Rückblick sieht er diese Missgeschicke gelassen: „Man setzt auch mal etwas in den Sand.“

Großer Erfolg der „Ortsdiener“

Auf die Einführung von Parkwächtern etwa im Ostpark oder am Lohrberg und auf das Herumexperimentieren mit übergroßen Mülleimern, die dank Solarzellen Verpackungen auf ein Minimum zusammenpressen können, ist Postleb dagegen stolz. Und sein „Lieblingsspielzeug“, wie er es selbst nennt, ist FFM-Tipptopp – „da hängt Herzblut dran“. Vor zehn Jahren kam ihm die Idee, zunächst für einzelne Stadtteile einen „Kümmerer“ einzuführen, „jemanden, der jeden Tag durch das Viertel geht“, illegale Plakate beseitigt, kaputte Lampen meldet, Sperrmüll und Abfälle beseitigt. Beschäftigt wurden Langzeitarbeitslose, die für ein Jahr im Einsatz waren- mitunter verlängerten sie auch um ein Jahr.

Der Erfolg der „Ortsdiener“ war so groß, dass alle Stadtteile die Hilfen anforderten. Der Römer stellte bald eine Million Euro dafür bereit. Gemeinsam mit der Werkstatt Frankfurt organisierte Postleb das Programm neu: 2007 wurde an der Bleichstraße als Betrieb die Werkstatt FFM-Tipptopp gegründet. Die Langzeitarbeitslosen kommen jetzt nur noch für sechs, höchstens neun Monate zu FFM-Tipptopp und arbeiten fünf Stunden täglich. 74 von ihnen sind derzeit für die Stadt unterwegs, gut 20 tun im Grüngürtel Dienst, 50 in den Stadtteilen. „Wir könnten das Doppelte leisten“, sagt Rolf Fiedler von FFM-Tipptopp, doch das Jobcenter schicke ihm nicht genug Leute.

Anfangs sei die Idee, Langzeitarbeitslose einzusetzen, auf Skepsis gestoßen, sagt Postleb. Heute seien sie in den Stadtteilen „hoch angesehen“ und nicht mehr wegzudenken. „Ohne dieses Projekt hätte die Stadt ein ungepflegteres Aussehen.“