Finanzen

Der Blick in die zweite Aktienreihe lohnt sich

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Unter den zehn besten Aktienfonds mit Schwerpunkt Europa haben sich vor allem die Fonds auf Nebenwerte am besten entwickelt. Die Fondsgesellschaft Invesco ist gleich viermal vertreten.

Die Dominanz der Aktienfonds auf Nebenwerte hat zugenommen. Dies gilt zumindest mit Blick auf unsere Rangliste der Aktienfonds Europa, die das Fondsanalysehaus Lipper regelmäßig für diese Zeitung erstellt. Im Vergleich zur letzten Liste dieser Art im August sind unter den zehn besten aus 396 Fonds nun mehr Fondsprodukte zu finden, die in die Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen investieren.

Zwar basiert die Reihenfolge der Fonds auf ihrer Wertentwicklung binnen drei Jahren. Das passt aber zu dem allgemeinen Bild, das sich auch in diesem Jahr an den internationalen Aktienbörsen bietet. So hat zum Beispiel der Dax hierzulande seit Jahresbeginn 19 Prozent an Wert gewonnen. Die mittelgroßen Gesellschaften im M-Dax kommen dagegen auf ein Kursplus von 34 Prozent.

Invesco ist viermal dabei

In unserer Rangliste steht an erster Stelle weiterhin der F&amp-C European Small Cap A. Der nun zweitplazierte Fonds hat sich dagegen um zwei Plätze verbessert. Es ist dies der Invesco Continental European Small Cap Equity Fonds. Aber auch weitere Fonds aus dem Hause Invesco haben sich besser entwickelt als andere und sind daher in der Liste weiter aufgestiegen. Und so finden sich statt zwei Invesco-Aktienfonds wie im August nun vier auf unserer Liste. Damit ist Invesco die Fondsgesellschaft, die aktuell am häufigsten vertreten ist.

Der Invesco Continental European Small Cap wird seit Juli 2008 von Erik Esselink verwaltet. Ziel des in dieser Form im Jahr 1993 aufgelegten Fonds ist es, durch Anlagen in Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung in ganz Europa (unter Ausschluss des Vereinigten Königreiches) einen langfristigen Kapitalzuwachs zu erzielen. Das Fondsvolumen betrug Ende September 179 Millionen Dollar. Anleger aus dem Euroraum sollten bedenken, dass der Fonds in Dollar gehandelt wird und auch in anderen Währungsräumen als dem Euro investiert. Damit sind Währungsrisiken verbunden.

Mehr Frankreich als Deutschland

Angesichts des sich aufhellenden gesamtwirtschaftlichen Umfelds sieht Esselink in den kommenden zwölf Monaten weiteres Aufwärtspotential durch positive Gewinnrevisionen der Unternehmen – und das trotz der zuletzt positiven Entwicklung der Nebenwertemärkte. Er favorisiert weiter ausgewählte Qualitätsunternehmen, die immer noch attraktiv bewertet sind. Aufgrund dieser Fokussierung sei der Fonds derzeit viel stärker in Frankreich, den Niederlanden und Italien engagiert als am deutschen, schwedischen und Schweizer Aktienmarkt.

Zu den zehn größten Einzeltiteln des Fonds gehörten zuletzt der dänische Windkraftanlagenhersteller Vestas, das Energieunternehmen Total Gabon und der Baukonzern Eiffage aus Frankreich, das niederländische Bauunternehmen Bam Groep sowie der französische Gesundheitskonzern Orpea. Aber auch der deutsche Immobilienwert Gagfah und der italienische Hersteller von Papierwaren Moleskine sind im Portfolio vertreten. Insgesamt bestand es zuletzt aus 66 Titeln.

Ende September war der Fonds zu 27 Prozent in Frankreich und zu je 18 Prozent in den Niederlanden und in Italien investiert, gefolgt von Deutschland mit 11 Prozent und Spanien mit 8 Prozent. Gemessen an einzelnen Branchen entfiel das Fondsvermögen zu fast einem Drittel auf Industriewerte. Konsumgüter machten zuletzt 17 Prozent aus und Finanzinstitute 13 Prozent. Das Gesundheitswesen kam auf 12 Prozent und Informationstechnologie auf 9 Prozent.

Sichere Häfen zu teuer

Neu auf unsere Liste ist der Invesco Pan European Equity Fonds. Er verfügte Ende September über ein Volumen von 1,48 Milliarden Euro und wurde im Jahr 1991 aufgelegt. Seit rund zehn Jahren wird der Fonds von John Surplice und Martin Walker gemanagt. Anlageziel des Fonds ist ein langfristiger Kapitalzuwachs durch ein Portfolio aus Aktien und aktienbezogenen Instrumenten von europäischen Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf größere Gesellschaften.

Auf Basis ihres bewertungsorientierten Ansatzes bevorzugen die Fondsmanager derzeit einige weitgehend gemiedene defensive Marktsegmente mit beständigem, verlässlichem Cashflow (Mittelzufluss) sowie bestimmte konjunktursensitive Aktien und Finanzwerte. Trotz der Kursgewinne seit Herbst vergangenen Jahres seien die europäischen Aktienmärkte immer noch attraktiv bewertet. Da die Fondsmanager Surplice und Walker die Aussichten für das Wachstum der europäischen Binnenwirtschaft inzwischen zuversichtlicher sehen als noch vor einiger Zeit, haben sie das Engagement in etwas stärker binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen leicht erhöht.

Die als „sichere Häfen“ geltenden Bereiche Basiskonsumgüter und Luxus hingegen seien inzwischen zu teuer. Und trotz der positiven Kursentwicklung seien viele Finanzwerte und konjunktursensitive Aktien sowie Dividendentitel aus den Peripherieländern, die von Marktteilnehmern als zu risikoreich betrachtet werden, im historischen Vergleich weiterhin attraktiv bewertet, sagen die beiden Fondsmanager.

Zu den zehn größten Positionen des Invesco Pan European Equity Fonds gehörten zuletzt Novartis, Roche, BAE Systems, Schroders, BT Group und BP. Regional lag der Schwerpunkt des Fonds Ende September zu gut einem Drittel auf Großbritannien und zu je rund 15 Prozent in Frankreich und der Schweiz.