
Der Abhörskandal um Bundeskanzlerin Merkel empört die Öffentlichkeit. Doch Hersteller von Sicherheits-Software und ihre Aktien haben die besten Zeiten schon hinter sich.
Die Affäre um die Spionageaktivitäten des amerikanischen Geheimdiensts NSA, die so weit reichen, dass nun auch die Bundeskanzlerin überwacht wurde, versetzt die Öffentlichkeit derzeit in Aufruhr. Auch die Bundesregierung reagiert erstmals scharf und bestellt kurzerhand den Botschafter ein. Wer sich bislang noch nicht gefragt hat, ob sein Computer auch sicher ist, wird es wohl spätestens jetzt tun.
Davon könnten sicherlich auch Unternehmen profitieren, die IT-Sicherheitslösungen für Unternehmen und Verbraucher anbieten, mag man meinen. Und selbstverständlich auch deren Aktienkurse. Doch die Börse reagiert so nicht. Die meisten Kurse der Branchen-Unternehmen zeigen sich wenig verändert. Mit den Aktien von Unternehmen, die Anti-Viren-Software herstellen, geht es sogar deutlich abwärts.
Symantec unter Druck
Allen voran geht hier Symantec, deren Produkt Norton etwa mit zahlreichen Windows-Rechnern in der Testversion ausgeliefert wird. Mehr als 12 Prozent fällt der Aktienkurs, der damit den nachbörslichen Kurssturz aus den Vereinigten Staaten nachvollzieht. Grund ist ein enttäuschender Geschäftsausblick. Symantec befindet sich in der Restrukturierung und kämpft damit, dass sein traditionelles Geschäft mit Desktop-PCs schrumpft. Diese Entwicklung zieht auch die Kurse der konkurrierenden Anbieter AVG und Trend Micro deutlich nach unten, obwohl gerade Trend Micro auch im mobilen Bereich Fuß zu fassen versucht.
Doch die Spezialfirmen müssen sich der Konkurrenz großer Konzerne erwehren. Apple-Nutzer kamen in der Regel stets ohne eigene Sicherheitssoftware aus, Microsoft-Nutzer zunehmend auch. Was letztlich bleibt sind Android-Systeme und hier ist nicht viel zu holen, da die Nutzer meist weniger zahlungswillig sind. Zudem läuft der Konzentrationsprozess. Der Hersteller McAfee hat den Spezialisten Stonesoft übernommen und gehört selbst mittlerweile dem Prozessorbauer Intel. Das gilt auch für den Bereich der Unternehmenssicherheit, indem sich IBM schon lange breit gemacht hat und ständig auf Einkaufstour ist.
Die große Zeit nach Snowdon
Dennoch wirkten sich die vom amerikanischen Informanten Edward Snowdon im Juni ans Tageslicht gebrachten Spionageaktivitäten positiv auf die Kurse aus. Nur hat die Börse diese Spekulation schon längst hinter sich gebracht. Auf Sicht eines Monats liegen die Aktienkurse von Sicherheits-Software-Unternehmen alle gegenüber dem amerikanischen Aktienindex S&-P-500 im Hintertreffen.
Dagegen waren die Monate Juni und Juli eine Zeit, in der die Kurse größerer Branchen-Unternehmen durchaus überproportional profitieren konnten. Allen voran stieg der Aktienkurs des chinesischen Anti-Viren-Herstellers Qihoo 360 um mehr als 50 Prozent stärker als der S&-P-500. Möglicherweise deswegen, weil man davon ausgeht, dass besorgte IT-Nutzer einem chinesischen Hersteller mehr Entschlusskraft gegenüber der NSA zutrauen. Das Produkt 360 Safeguard ist durchaus bekannt und mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 10 Milliarden Dollar das Unternehmen kein absolutes Börsen-Leichtgewicht.
Gut war die Zeit auch für Proofpoint, die zu Monatsbeginn Sendmail, den Spezialisten für Geschäftskommunikation, übernommen haben. Proofpoint ist Spezialist für die Sicherheit von Unternehmens-IT, vor allem E-Mails.
Schlechter lief es für die andere Seite: Der kleine Spezialist Keyw beliefert unter anderen FBI und die Homeland Security mit Lösungen zur Terrorismusbekämpfung. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen sechs Monaten um mehr als ein Sechstel gefallen. Fast 20 Prozent ging es in den Monaten Juni und Juli nach unten.
