Finanzen

Fondsmanager sind faul

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Anleger haben Milliarden in deutsche Aktienfonds investiert. Das kostet hohe Gebühren, für die es kaum eine Gegenleistung gibt.

Es ist eine Geschichte, wie sie sich in der Welt des Geldes immer wieder zuträgt: Ein Fondsmanager macht seine Arbeit so gut, dass er mehr und mehr Anleger für sein Konzept begeistert. Der Fonds entwickelt sich prächtig, Woche für Woche fließen ihm Millionen an Investorengeldern zu – bis vom einen auf den andern Tag plötzlich alles ganz anders wird. Auf einmal sind die Zuwächse bei der Wertentwicklung bestenfalls noch durchschnittlich und viele Anleger fragen sich: Was passiert da gerade mit meinem Geld?

Häufig lautet die Antwort so: Nach den großen Anfangserfolgen geht der Fondsmanager jetzt auf Nummer Sicher und baut sein Portfolio so um, dass es möglichst die Zusammensetzung eines bekannten Aktienbarometers wie des Dax abbildet. Freundlich formuliert, vermeidet er so das Risiko, dass der Fonds deutlich schlechter abschneidet als der Aktienmarkt als Ganzes. Hart gesagt, könnte man es aber auch so ausdrücken: Der Fondsmanager stellt die Arbeit ein und lässt sich für dieses Nichtstun von seinen Anlegern auch noch bezahlen.

Mit Indexfonds fahren Anleger oft günstiger

Eine Auswertung des Analysehauses Morningstar für die F.A.S. zeigt: Das scheint exakt der Ansatz zu sein, den viele deutsche Fondsmanager derzeit verfolgen. Unter den größten Aktienfonds, die vorwiegend auf deutsche Firmen setzen, sind nämlich laut Morningstar gleich fünf Fonds, die dieser Schmalspur-Strategie folgen. Gerade Dickschiffe wie der Fondak von Allianz Global Investors oder der Unifonds von Union Investment, die mehrere Milliarden Euro an Investorengeldern steuern, sind darum ihr Geld nicht wert. „Sie lösen nicht das Leistungsversprechen ein, das sie ihren Anlegern gegeben haben“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Das nämlich lautete eigentlich so: Als Gegenleistung für die Gebühren, die Anleger zahlen müssen, tut der Fondsmanager alles, um auf längere Sicht eine bessere Wertentwicklung zu erzielen als der Dax. Nun zeigen zwar zahlreiche Studien, dass es nur wenige Manager dauerhaft schaffen, ihren Vergleichsindex zu übertreffen. Wenn sie es aber gar nicht erst versuchen und stattdessen ihr Portfolio weitgehend dem Aufbau des Dax nachempfinden, ist dies ein gewaltiges Ärgernis. Denn dann würden Anleger mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) deutlich besser fahren – die bilden Börsenbarometer wie den Dax ebenfalls exakt nach, kosten aber viel weniger Gebühren. „Wer Anlegern einen Fonds als aktiv gemanagt verkauft, muss Aktien auch aktiv auswählen“, kritisiert Morningstar-Experte Masarwah.

Doch oft bekommen die Anleger von der Faulheit der Fondsmanager gar nichts mit. Dies gilt besonders für Phasen, in denen die Aktienkurse insgesamt deutlich zulegen wie derzeit: Der Dax erreicht nahezu im Wochentakt neue Höchststände, in seinem Schlepptau gewinnen darum auch die Aktienfonds hinzu – eine Wertentwicklung, die wunderbar kaschiert, wie wenig das Management eigentlich dafür tut.

Wie aktiv kümmert sich der Fondsmanager ums Portfolio?

Wie aber lässt sich erkennen, dass ein Fondsmanager im Wesentlichen nur den Dax nachbildet? Die Experten von Morningstar haben dafür eine Kennziffer verwendet, die in Deutschland bislang kaum bekannt ist, dafür aber in den Vereinigten Staaten häufig zum Einsatz kommt – den sogenannten „Active Share“. Die Kennzahl zeigt an, wie aktiv ein Fondsmanager sein Portfolio betreut.

Die eigentliche Messmethode beruht auf einer komplexen Formel, die zwei Forscher der amerikanischen Eliteuniversität Yale entwickelt haben. Ihre Ergebnisse aber sind leicht zu verstehen: Investiert ein Fondsmanager ausschließlich und mit exakt gleicher Gewichtung in den Dax, liegt der „Active Share“ bei einem Wert von null – der Fondsmanager handelt also in keiner Weise eigenständig. Liegt die Kennziffer dagegen bei einem Wert von 100, bedeutet dies: Der Fonds besitzt keine einzige Aktie aus dem Dax, er ist also völlig unabhängig vom Index.

Natürlich heißt hohe Aktivität nicht in jedem Fall, dass ein Fondsmanager auch automatisch bessere Ergebnisse erzielt. Denn wenn er seine Freiheiten nutzt und vom Index abweicht, besteht immer auch die Gefahr, dass er auf die falschen Papiere setzt und womöglich gar Verluste einfährt. Aber der Blick auf die größten deutschen Aktienfonds macht klar: Bei der Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren liegen all diejenigen Fonds zurück, die ihr Portfolio in großer Nähe zum Dax aufgestellt haben.

Ein wesentlicher Grund dafür sind die hohen Gebühren, die die Fonds von ihren Anlegern verlangen: Diese Kosten nämlich schmälern die Wertentwicklung erheblich – keinem der Fonds mit niedrigem Aktivitätsgrad gelingt es darum, den Dax auch nach Kosten zu schlagen.

Anleger sollten auf langfristig gute deutsche Aktienfonds setzen

Die Fonds Fondak und FT Frankfurt-Effekten-Fonds beispielsweise, beide jeweils mehr als zwei Milliarden Euro schwer, weisen einen niedrigen „Active Share“ auf, Gleiches gilt für die Fonds UniDeutschland und UniFonds von Union Investment. Der UniDeutschland kommt gar nur auf einen Aktivitätsgrad von 4,7 – das heißt: Der Fonds ist nahezu exakt so aufgestellt wie der Dax, und dennoch schneidet er wegen der Gebühren trotzdem schlechter ab als das deutsche Aktienbarometer. Ein Debakel.

Dass viele vermeintlich aktive Fonds faktisch zu passiven Produkten werden, hat zwar auch mit ihrer Größe zu tun. Denn je höher das Fondsvolumen, umso schwieriger die Aktienauswahl: Auf Nebenwerte beispielsweise lässt sich dann nur noch wenig setzen – allein der Einstieg eines großen Fonds würde den Kurs der Papiere deutlich nach oben treiben. Trotzdem sagt Morningstar-Analyst Masarwah: „Das allein kann keine Rechtfertigung für die Zurückhaltung sein.“

Anleger sollten darum besser die langfristig guten deutschen Aktienfonds in den Blick nehmen: Alle zeichnet eine recht hohe Aktivität des Fondsmanagements in den vergangenen Jahren aus. Als hoch gilt dabei ein „Active share“ von 35 oder mehr.

Auf den höchsten Aktivitätsgrad kommt derzeit der SEB Aktienfonds der Fondsgesellschaft SEB, der nicht nur eine Wertentwicklung von mehr als zehn Prozent im Jahr vorweisen kann, sondern sich auch durch etwas anderes auszeichnet: Die Verwaltungsgebühren, die Anleger zahlen müssen, sind so niedrig wie bei kaum einem anderen Wettbewerber. Den Dax hinter sich lässt auch der Fonds „DWS German Equities“, das Management handelt hier ebenfalls sehr eigenständig. Allerdings sind die Gebühren vergleichsweise hoch. Bei beiden Fonds, das zeigt ihre Historie, ist jedoch eine Wahrscheinlichkeit gering: dass auch ihre Manager bald dem süßen Nichtstun frönen.