Finanzen

Nebenwerte schneiden besser ab als Standardaktien

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Aktienfonds, die in Titel aus der zweiten Reihe investieren, haben derzeit Konjunktur. Das zeigt F&C mit zwei europäischen Aktienfonds.

Manche Börsenexperten mögen es als schlechtes Zeichen werten: Doch Fonds, die auf europäische Nebenwerte ausgerichtet sind, schneiden derzeit oft besser ab als klassische Fonds, die breit in europäische Aktien investieren. Das zeigt die britische Fondsgesellschaft F&C Asset Management, die eine Zeitlang der Hypo-Vereinsbank in München gehörte und deren Aktien heute an der Börse London notiert sind. F&C ist in unserer Rangliste der besten Aktienfonds Europa, die das Fondsanalyehaus Lipper berechnet hat, auf dem ersten Rang mit dem Nebenwertefonds F&C European Small Cap vertreten und auf Rang 18 mit dem breiter anlegenden F&C European Equity. Der Small Cap kam in den vergangenen drei Jahren – dieser Zeitraum liegt auch weiterhin unserer Auswertung zugrunde – auf einen Wertzuwachs von kumuliert 63 Prozent und übertrifft klar den European Equity, der in dem Zeitraum 38 Prozent schaffte.

Der F&C European Smaller Cap schnitt zuletzt schlechter ab als sein Referenzindex HSBC Smaller European Companies, wie Fondsmanager Sam Cosh einräumt. Vor allem der britische Messgerätehersteller Spectris und AZ Electronics enttäuschten zuletzt. Dennoch glaubt Cosh, dass deren Schwierigkeiten nur vorübergehender Natur sein werden. Einen positiven Beitrag leisteten Finanztitel – in Deutschland hält Cosh eine Position am Immobilienfinanzierer Aareal Bank.

Nebenwerte sind Nachzügler im Börsenzyklus

15 der 30 Fonds in unserer Rangliste der besten Aktienfonds Europa sind auf Nebenwerte ausgerichtet. Das lässt manche Börsenbeobachter zur Vorsicht mahnen, was Geldanlagen in Aktien angeht. Nebenwerte gelten ihnen als typische Nachzügler im Börsenzyklus: Wenn die Aktienmärkte nach einem Abschwung wieder nach oben drehen, investieren Großanleger in der Tat zunächst gerne in die Schwergewichte an der Börse, deren Kursentwicklung die großen Aktienindizes wie Dax, FTSE 100 oder Cac 40 abbilden. Diese Titel sind die meistgehandelten, so dass Anleger aus diesen Aktien auch am leichtesten wieder aussteigen können. Und mit wenigen Ausnahmen werden auf die großen Indizes auch marktgängige Terminkontrakte und die großen Indexfonds (ETF) gehandelt.

Nebenwerte entdecken viele Großanleger erst, wenn der Börsenaufschwung weiter vorangeschritten ist und die Kurschancen bei den großen Titeln mitgenommen worden sind. So weit die Theorie, für die einiges spricht, die Anleger jedoch nicht uneingeschränkt übernehmen sollten. Über die vergangenen zwanzig Jahre hinweg weisen andere Fondsmanager gerne nach, dass europäische Nebenwerte stets besser als Standardaktien abgeschnitten hätten – unabhängig von der jeweiligen Börsenkonjunktur.

Auch ist kaum ein Anlageuniversum so breit aufgefächert wie das der Nebenwertefonds. Dies zeigt ein Blick auf die Wertentwicklung der Fonds in unserer Rangliste für den 3-Jahres Zeitraum: Sie reicht von 62 Prozent bis 34 Prozent – der Durchschnitt für alle 224 Fonds, die Lipper in der Kategorie Aktienfonds Europa erfasst, liegt bei 42 Prozent. Auch die Schwankungsanfälligkeit der Fondspreise, gemessen an der Standardabweichung, variiert stark: Der Henderson HF Pan European Smaller Companies kommt auf eine relativ hohe Schwankung von 22 Prozent, während der Ennismore European Smaller Companies sie bei gut 5 Prozent recht niedrig hält.