Europäische Union

Hollande weiß, was Merkel will

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Nicht schwer zu verstehen, nur schwer zu überzeugen: Es sei gar kein Problem mit der Bundeskanzlerin auszukommen, sagt François Hollande. Zu Gast bei einer kleinen Plauderstunde mit Frankreichs Präsident.

Die Vorspeise – Ententerrine mit foie gras und grünen Bohnen – ist kaum serviert, da erweist sich François Hollande auch schon als Merkel-Kenner. „Sie ist nicht schwer zu verstehen. Sie ist nur schwer zu überzeugen“, sagt der französische Präsident über die Bundeskanzlerin und grinst.

93 Journalisten, Franzosen und Auslandskorrespondenten, haben sich im großen Speisesaal der Maison des Polytechniciens im siebten Arrondissement eingefunden. Zum ersten Mal hat der Präsident sich von der Journalistenvereinigung der „Presse Présidentielle“ in Paris zum Abendessen einladen lassen. Es ist ein neues Genre der Pressearbeit, das Hollande am Donnerstagabend in Paris zu erfinden versucht. „Eine freundschaftliche Begegnung, die professionell bleibt“, so will der Präsident es verstanden wissen.

Kein Wort über die bösen Sprüche der Parteifreunde

Sie wolle ihn gar nicht fragen, ob die Bundeskanzlerin ihn tyrannisiere, sagt gleich die erste Journalistin, die das Mikrofon erhält. Die Französin will dann wissen, was Hollande bei seinen vielen Auslandsreisen gelernt habe. Weil er ja vorher nicht so viel herumgekommen sei. Aber der Präsident will dann doch lieber über die Bundeskanzlerin sprechen. Seine „Beziehung“ mit Angela Merkel habe die Presse schon tiefenpsychologisiert, bevor er ihr das erste Mal in Berlin die Hand geschüttelt habe. An die ständige Frage, wie er mit ihr auskomme, habe er sich inzwischen gewöhnt. Aber eigentlich sei es gar nicht so schwierig, mit der Bundeskanzlerin auszukommen, die „sehr konstant“ sei. Sie wisse genau, was sie in Europa wolle und mit wem sie es wolle, sagt der Präsident: „Mit Frankreich.“

Hollande verliert kein Wort über die bösen Sprüche seiner Parteifreunde, die sich – wie der Präsident der Nationalversammlung Claude Bartolone – kürzlich eine „Konfrontation“ mit der Bundeskanzlerin herbeiwünschten. Nein, Hollande hat Angela Merkel verstanden – sagt er zumindest.

Als wettbewerbsfähige Exportnation trotz einer schrumpfenden Bevölkerung sei Deutschland mit sich selbst im Reinen. Die Franzosen aber suchten noch nach der „nationalen Erzählung“, die ihnen den Weg in die Zukunft weise. Die Verunsicherung seiner Landsleute sei darauf zurückzuführen, dass ihnen ein Bild vom zukünftigen Frankreich fehle. Genau das wolle er ihnen vermitteln, mit Reformen, die den Haushalt konsolidieren, aber auch den nationalen Zusammenhalt wahren. Der Präsident gibt sich zuversichtlich, dass die Euro-Krise überstanden ist. „Das Schlimmste ist immer möglich. Aber das Beste auch“, sagt Hollande – und erzählt von seinem Großvater, der immer mit dem Schlimmsten gerechnet habe.

Nach den Bundestagswahlen im September, sagt Hollande, werde Bewegung in den europäischen Einigungsprozess kommen. Die Kanzlerin habe dann vier Jahre Regierungszeit vor sich, genauso wie er selbst, dessen Mandat 2017 endet. Den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück hat der Sozialist Hollande an diesem Abend offensichtlich völlig vergessen.