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Welcher Kopfhörer ist der richtige?

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Mal sitzen sie über, mal auf oder im Ohr. Mal klingen sie luftig, mal dunkel oder seiden. Den richtigen Kopfhörer zu finden ist gar nicht so einfach. Wir helfen dabei.

Die Marktdaten belegen es schwarz auf weiß: Kopfhörer zählen zu den begehrtesten Geräten der gesamten Unterhaltungselektronik. Elf Millionen Mal ging der tönende Kopfschmuck im vorigen Jahr über den Ladentisch. Für 2013 erwarten die Branchenauguren sogar noch eine Million mehr. „Kopfhörer sind die neuen Lautsprecher“, scherzen Vertriebsleute gern.

Der Grund für den Trend liegt buchstäblich auf der Hand: Smartphones und Tablets boomen. Mit gut gefüllten Musikarchiven an Bord sind Kopfhörer ihre natürlichen Spielpartner. Mit der schieren Stückzahl wuchs auch die qualitative Breite des Angebots: Zwischen Billighörern, die weniger kosten als ein Feierabend-Bier, und solchen, die mit Preisen weit über 1000 Euro zu Buche schlagen, gibt es unzählige Varianten. Wir wollen versuchen, das Angebot zu sortieren, zunächst nach elementaren Konstruktionsmerkmalen.

Über oder auf dem Ohr: Kopfhörer

Unverkennbare Wurzeln in der HiFi-Szene haben jene großen Hörer, deren Kapseln die Ohrmuscheln komplett umschließen. Sie sind immer noch erste Wahl für Genussmenschen, die abends beim Gläschen Rotwein ganz entspannt ihren privaten Konzerten lauschen. Modelle wie das Sennheiser-Flaggschiff HD 800, das selbst allerfeinste Details reproduziert, stehen prototypisch für diesen Einsatz.

Doch immer öfter trifft man Menschen mit ohrumschließenden Hörern auch auf der Straße. Die Mode lässt es zu, aber auch die Technik trägt dazu bei. Denn die Hersteller verleihen immer häufiger selbst großen Luxushörern eine so kräftige Stimme, dass sie auch an mobilen Geräten laut genug aufspielen (siehe Kasten „Ohm und Pegel: Die Impedanz“).

Ohraufliegend nennt man die nächst kleinere Kopfhörerklasse. Hier sind die Hörkapseln so zierlich, dass ihre Polster lediglich die Ohrmuscheln abdecken. Damit sitzen sie nicht ganz so bequem und dicht wie ihre größeren Geschwister und erreichen selten deren Klangfinesse. Dafür sind sie die besseren Reisebegleiter. Manche dieser Modelle, etwa der AKG K430, haben sogar faltbare Bügel, damit sie im Gepäck möglichst wenig Stauraum brauchen.

Direkt im Gehörgang: In-Ear-Hörer

Noch konsequenter auf den mobilen Einsatz zugeschnitten ist die Gattung der In-Ear-Ohrhörer, die man in den Gehörgang setzt. Sie verschließen – im Unterschied zu Ear-Bud-Ohrhörern – den Gehörgang komplett, so dass die Schallwellen direkt aufs Trommelfell treffen und Außengeräusche nicht zu hören sind. Der Sitz beeinflusst maßgeblich den Klang. So wird etwa der Bass viel dominanter, wenn man In-Ears weiter in den Gehörgang drückt. In der Regel liegen bei den Modellen Aufsätze in verschiedenen Größen bei. Beyerdynamic bietet für seinen DTX 101iE sogar Ohrpassstücke an, die ein Hör-Akustiker individuell anfertigt.

Ultrasone setzt auf Schaumstoff-Stöpsel, die vor Gebrauch zusammengedrückt werden und sich im Ohr dann ausdehnen. Aufsätze aus Silikon werden am häufigsten verwendet. Das Material beeinflusst auch die Klangeigenschaften, weil die Schallwellen unterschiedlich reflektiert werden. In dieser Kategorie ist die Preisspanne enorm. Billigstöpsel aus China bekommt man für weniger als zehn Euro. Am anderen Ende des Spektrums warten hochwertige Modelle für zirka 1000 Euro.

Die perfekte Welle: Wandlertechnik

Besonders teure In-Ear-Kopfhörer nutzen eine aufwendige Wandlertechnik mit mehreren Treibern. Der K3003 von AKG verwendet sogar ein Drei-Wege-System. Ähnlich wie bei einem Standlautsprecher werden die Frequenzen durch eine passive Weiche verteilt. Um diese Technik realisieren zu können, setzen die Entwickler Balanced-Armature-Wandler (BA) ein. Diese Schallerzeuger sind winzig, haben einen hohen Wirkungsgrad und entlasten die Membran, weil sie keine Schwingspule tragen muss. Stattdessen sorgt ein flexibler Mini-Anker für ihre Bewegung. Der Antrieb dieses Systems braucht nur wenig Strom, so dass Quellgeräte wie Smartphones genug Ausgangsleistung haben. Das elektrodynamische Prinzip, nach dem auch die BA-Wandler arbeiten, wird allerdings in den meisten Kopfhörern mit einer Schwingspule umgesetzt. Diese ist mit der Membran verbunden. Fließt Strom durch den gewickelten Draht, baut sich ein magnetisches Feld auf. Weil die Schwingspule von einem ringförmigen Magneten umgeben ist, wird sie, je nach Flussrichtung des Stroms, vom Magnet angezogen oder abgestoßen. Die bewegliche Spule steuert somit die Membran. Diese Art elektrodynamischen Antriebs wird in fast allen ohrumschließenden und -aufliegenden Kopfhörern eingesetzt. Da die Membran in Verbindung mit der Schwingspule bei schnellen und kleinen Bewegungen etwas zu träge sein kann, werden als bessere Alternativen häufig Verfahren genannt, die den Schall mit sehr dünnen Folien erzeugen.

Bei den Magnetostaten von Audeze oder Hifiman wird eine extrem dünne Folie zwischen zwei großen, gegensätzlich gepolten Magneten aufgespannt. Auf der Folie zwischen den Stabmagneten verlaufen Leiterbahnen aus Aluminium. Durch diese fließt Strom, dessen Stärke und Frequenz durch die Audiosignale bestimmt wird. Die Folie schwingt dann zwischen den Magneten hin und her. So entstehen Schallwellen analog zum Musiksignal. Weil die Folie so dünn ist, kann sie extrem schnell reagieren und sich sehr präzise bewegen. In der Praxis ganz ähnlich, physikalisch aber nach einem anderen Prinzip, arbeiten die elektrostatischen Kopfhörer von Stax. Hier kommt die Folie ohne aufgedruckte Leiter aus.

Statt der Magnete sitzen vor und hinter der Folie Elektroden, an denen das Musiksignal in Form einer sehr hohen Wechselspannung anliegt. So wirken elektrostatische Anziehungskräfte auf die Folienmembran und regen sie zum Schwingen an. Ein spezifischer Nachteil von elektrostatischen Hörern: Sie brauchen besondere Verstärker, die genügend hohe Signalspannungen liefern. Das treibt den Preis in die Höhe: Ein Set von Stax ist teuer, es beginnt bei 2000 und endet bei mehr als 6000 Euro.

Offen, halboffen oder geschlossen

Die magneto- und elektrostatischen sowie die meisten elektrodynamischen Kopfhörer, die ohrumschließend sind, haben eine offene Bauweise. Das heißt: Das Äußere der Hörkapsel hat eine perforierte oder gitterartige Abdeckung. Dadurch treten die Schallwellen relativ ungehindert nach außen. Das hat zur Folge, dass die Musik auch für andere gut hörbar ist. Umgekehrt werden Umweltgeräusche kaum abgehalten. Doch die offenen Konstruktionen haben hörbare Vorteile: Der Schallanteil innerhalb der Hörkapsel wird kaum reflektiert und kann den Klang folglich nicht beeinträchtigen. Audiophile Genießer ziehen deshalb zumeist offene Kopfhörer vor. Sie schätzen den eher transparenten Charakter und die Weite ihres Klangbilds.

Für Studiomusiker und DJs ist diese Bauweise dagegen wenig geeignet: Sie brauchen die bessere akustische Abschottung nach außen. Je nach Anpressdruck und Dichte des Polsters dringen kaum Töne nach außen und umgekehrt sehr wenige Geräusche in die Muschel. Bei geschlossenen Modellen kommt man allerdings auch eher ins Schwitzen. Zum etwas einengenden und isolierenden Tragegefühl passt der häufig druckvolle und dunkle Sound. Da sich die Schallwellen im Inneren der Muschel „verfangen“, führt dies zu einem etwas dumpferen, basslastigeren Klang. Ein empfehlenswerter Kompromiss sind halboffene Kopfhörer wie etwa der DT880 von Beyerdynamic. Es gibt allerdings auch hier Ausnahmen. Der LCD2 von Audeze zum Beispiel ist ein ohrumschließender, offener Kopfhörer, ist aber für seinen leicht dunklen Sound bekannt.

Eine Frage der Qualität

Das zeigt schon: Die Grenzen zwischen Bauprinzipien, Klangcharakteristiken und Einsatzszenarien sind fließend. Junge Leute, die in der U-Bahn riesengroße Kopfhörer wie überdimensionierten Modeschmuck um den Hals tragen, zeigen das ebenso wie hochkarätige In-Ear-Hörer, die an konzertanten Qualitäten nichts zu wünschen übrig lassen. Und ganz gleich, ob groß, klein, offen oder geschlossen: Immer mehr Hersteller legen ihren Zöglingen noch Kabel mit winzigen Fernbedienungen und Mikrofonen bei. Damit taugen die Hörer sogar zum Telefonieren.

Und auch das gehört wohl zum modernen Lebensstil: Für die mündliche Fernkommunikation sind nicht einmal die feinsten Exemplare der Kopfhörer-Spezies zu schade.