Familie

Für Kita statt Quote

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Der Stand der Emanzipation stellt mehr als die Hälfte der Frauen und Männer nicht zufrieden. Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts sieht es besonders bei der Gleichberechtigung der Gehälter düster aus.

Da war nicht nur Alice Schwarzer erleichtert, sondern nach eigenem Bekunden auch Allensbach-Chefin Renate Köcher. Heidi Klum hat es nur auf den drittletzten Platz geschafft, was ihre Vorbildfunktion für Frauen angeht. Vor ihr rangieren nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach für die Frauenzeitschrift „Emma“ Frauen wie Michelle Obama oder Hillary Clinton – und Mutter Teresa.

Eigentlich ging es am Dienstag in Berlin gar nicht so sehr um die Klums und Clintons dieser Welt, sondern darum, ob die Frauen hierzulande zufrieden sind mit dem Stand der Emanzipation. Also mit dem, was sie heute erreichen können in Politik und Gesellschaft, im Job und zu Hause in der Familie. Das Ergebnis: 54 Prozent der befragten Frauen und Männer sind der Meinung, es müsse noch einiges getan werden, damit Mann und Frau wirklich gleichberechtigt sind- 36 Prozent sehen das Projekt dagegen als weitgehend verwirklicht an.

Die Unzufriedenheit hat leicht zugenommen

Seit 1996 fielen die Antworten auf diese Frage immer schwankend aus, es gibt keinen eindeutigen Trend. In den vergangenen zwei Jahren allerdings hat die Unzufriedenheit wieder leicht zugenommen. Dazu passt, dass 2006 nicht einmal die Hälfte der Frauen es für nötig hielten, sich in Sachen Gleichberechtigung zu organisieren – zurzeit sind es beinahe zwei von dreien.

Naturgemäß schätzen Frauen und Männer die Causa Gleichberechtigung anders ein. Nur 27 Prozent der Frauen, aber 46 Prozent der Männer halten sie für „weitgehend verwirklicht“. Dabei seien aber die ostdeutschen Männer „näher dran an den Frauen“ als die westdeutschen, meint Renate Köcher. Auffallend uneinig sind sich die Geschlechter, wenn es um die Karriere geht.

Nur jede vierte Frau, aber 40 Prozent der Männer finden, dass im Arbeitsleben vollständige Gleichberechtigung herrsche. Was Frauen vorschwebt, damit sich das ändert, ist interessant vor dem Hintergrund der Quotendebatte – inzwischen ist schließlich nur noch die FDP der Meinung, dass Frauen auch ohne Quote die gläserne Decke zu den Chefetagen durchbrechen können.

Für die Frauen selbst aber hat eine Quote kaum Bedeutung. Nur knapp ein Viertel der weiblichen Befragten hält sie für wichtig, um Frauen im Beruf zu fördern – was den letzten Platz auf der Prioritätenliste bedeutet. Dagegen rangieren Teilzeit für Mütter, flexible Arbeitszeiten für Mütter und Väter sowie flexible Betreuungszeiten im Kindergarten ganz oben. Und: 68 Prozent der Frauen und Männer finden Teilzeit für Väter wichtig.

Grundsätzlich läuft aus Sicht der Frauen vieles schon ziemlich gut: Bei Ausbildung, Schule und Studium etwa hält sich die überwiegende Mehrheit für gleichberechtigt, zwei Drittel sehen das auch in der Partnerschaft erfüllt – allerdings nicht in der Hausarbeit, wo Frauen nach wie vor viel mehr erledigten als Männer, selbst wenn beide berufstätig seien, sagte Renate Köcher.

Die wenigsten finden Merkels Politik „weiblich“

„Männer wie Frauen sind beispielsweise davon überzeugt, dass Männer einfach nicht bügeln können.“ Besonders düster sieht es nach Meinung der Frauen allerdings nach wie vor beim Verdienst aus. Nur jede zehnte Frau glaubt auf diesem Feld an Gleichberechtigung.

Dass Deutschland von einer Frau regiert wird, hat für die Frauen übrigens wenig Bedeutung. Die wenigsten finden die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel „weiblich“. Nur ein Drittel ist zudem der Meinung, dass sie die Interessen der Frauen ausreichend berücksichtigt. „Ich teile diese Unzufriedenheit“, sagte „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer. „Aber ich erwarte von der Kanzlerin auch nicht, dass sie mit dem feministischen Flammenschwert voranschreitet.“