
Neu ist nicht immer innovativ: Samsung hat das erste Smartphone mit gebogenem Display vorgestellt. Doch gebogen ist nicht biegsam. Was ist also der Vorteil eines solchen Smartphones?
Mit medialem Understatement und dennoch großer Wirkung hat Samsung auf seinem Blog das Galaxy Round präsentiert. Das Produkt sei das erste Smartphone mit einem gebogenen Display. Dabei ist zu beachten, dass es sich nicht um einen zu verbiegenden Bildschirm handelt, auf den eigentlich die Welt wartet.
Damit kopiert Samsung das Verfahren, was das Unternehmen schon vor Monaten bei seinen Curved-Oled-Fernsehern eingeführt hat. Beim fast 9.000 Euro teuren TV-Gerät erklärt sich die Biegung dadurch, dass der Zuschauer einen ähnlichen Seheindruck hat wie im Kino, wo ebenfalls die Leinwand leicht gebogen ist. Sitzt man genau in der Mitte vorm Fernseher, reduziert sich durch das gebogene Display der Abstand von den Augen zu den Rändern.
Wippen zum Skippen
Beim Galaxy Round soll die leichte Biegung nun folgenden Sinn haben. Der Nutzer tippt das sich im Standby-Modus befindliche Smartphone an der Seite an, sodass es sich auf der anderen Seite in die Höhe hebt. Dann schaltet sich das Display automatisch ein und man sieht Termine, die Zeit, verpasste Anrufe oder die verbleibende Akkudauer. Die andere Funktion betrifft den Musikplayer. Man kann zum Beispiel zum vorherigen oder nächsten Lied skippen, wenn man das Gerät an der Seite länger oder kürzer antippt. An anderer Stelle liest man zudem, dass der Inhalt des Bildschirms durch die konvexe Form eine dreidimensionale Erscheinung bekommt.
Die Funktionen überzeugen nicht wirklich und bieten lediglich eine haptische Alternative zu anderen Smartphones, die etwa durch Schütteln ähnliche Funktionen auslösen. Außerdem hat Apple in seinem neuen Betriebssystem iOS7 mit etwas Verspätung im Vergleich zu Android ebenfalls die Möglichkeit eingeführt, verschiedene Aktionen wie Flugmodus, Taschenlampe oder Steuerung des Musikplayers im gesperrten Zustand auszuführen. Im Vergleich zum neuen Samsung-Gerät würde man also nicht einmal wippen, sondern einmal wischen und drücken.
Die technischen Daten können sich sehen lassen. Als Betriebsystem ist Android 4.3, also Jelly Bean, vorgesehen. Dieses wird von einem Vier-Kern-Prozessor mit 2,3 Gigahertz angetrieben. Der Arbeitsspeicher hat 3 und der interne 32 Gigabyte. Als Schnittstellen sind Bluetooth 4.0, USB 3.0 und NFC angegeben. Das Display ist 5,7 Zoll groß und hat Full-HD-Auflösung. Es ist 15,1 mal 7,96 Zentimeter groß und ist knapp 8 Millimeter dünn.
Ein Analyst hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass das Galaxy Round ein Schritt in die Richtung von „letztendlich unzerbrechlichen Apparaten und biegsamen Geräten“ und das neue Telefon eher „ein symbolisches Produkt sei“. Letzteres glauben wir auch, an ersteres nicht. Ein gebogenes Display ist noch lange kein biegsames und den Weg dorthin könnte man auch ohne solche Produkte gehen.
Hier in Europa wird man auf das Wipp-Phone eh vergeblich warten. Es ist erst einmal nur in Korea erhältlich.
