Mensch & Gene

Innenleben

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Schon acht Monate alte Babys interessieren sich für Biologie, schreiben amerikanische Forscher. Ein Versuch zeigt, dass die Kinder klare Vorstellungen haben, was ein Tier ist – und was nicht.

Wie entsteht bei Kindern und Jugendlichen Interesse an Biologie? In Deutschland befasst man sich meist unter einer ganz bestimmten Prämisse mit dieser Frage. Es geht dabei darum, wie man mehr Abiturienten für ein naturwissenschaftliches Studium motivieren könnte. Nicht nur Biologie ist dabei ein Thema, vor allem auch die anderen technischen und naturwissenschaftlichen Fächer. Insbesondere aber geht es um die Motivation junger Frauen. In Rostock ist deshalb gerade die Fernsehserie „Sturm des Wissens“ gedreht worden, die ab November auf Youtube ausgestrahlt wird. Sie erzählt von der jungen Nele, die einen attraktiven Physikstudenten kennenlernt und Abstand von dem typischen Frauenberuf nimmt, den ihre Familie für sie vorsieht. Die Soap verfolgt den klaren pädagogischen Auftrag, mehr Mädchen ins Labor zu lotsen. Zielgruppe sind Teenager – doch ist der Zeitpunkt überhaupt früh genug gewählt?

Biologiestudien für Babys

Amerikanische Forscher haben jedenfalls gerade herausgefunden, dass die Faszination für das Leben und seine Grundlagen wenig mit pubertären Schwärmereien und ersten Berufsvorstellungen zu tun hat, sondern viel früher entsteht. Schon acht Monate alte Säuglinge haben demnach bestimmte Erwartungen an die Struktur lebendig erscheinender Objekte: Sie glauben, dass ein Tier niemals hohl sein kann, sondern immer ein Innenleben aufweist. Den Kindern wurde eine Dose vorgeführt, die sich auf einem Untersuchungstisch hin und her bewegte, Geräusche machte und kurz von einer Assistenzperson angesprochen wurde. Am Ende drehte die Assistentin die Dose um. War die Dose offen und hohl statt geschlossen, blickten die Babys sie signifikant länger an. Das galt nur, so lange es sich um eine aktiv bewegliche Dose handelte, mit der die Assistentin Kontakt aufgenommen hatte – nur dann hielten die Kinder den Gegenstand offenbar für ein Tier und wunderten sich über fehlende Organe. „Die Erwartungen von Kleinkindern an das Innere von Tieren könnten die Grundlage darstellen für den Erwerb fortgeschrittenerer Biologiekenntnisse“, bilanzieren die Forscher um Peipei Setoh von der University of Illinois in den „Proceedings“ der National Academy of Sciences.

Das Biologiestudium beginnt also sozusagen noch in den Windeln. Die neue deutsche Soap richtet sich an Vierzehn- bis Zwanzigjährige. Ob man so spät die früh vorhandene Begeisterung noch einmal reaktivieren kann mit einer Geschichte über Liebe, Erwachsenwerden und die gesellschaftliche Situation von Frauen, bleibt zu beweisen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.