
Senioren am Steuer und Regeln für die Hundehaltung – für Politiker sind diese Themen heiße Eisen. Wissenschaftler haben sich jetzt Autofahrer über siebzig mit Hund einmal genau angesehen.
Senioren am Steuer und strengere Regeln für die Hundehaltung – das sind die Klassiker unter den Themen, an die sich Politiker besonders ungern heranwagen. Jede Menge Sympathien stehen dabei auf dem Spiel. Wissenschaftler aber sind keine Politiker. Und deshalb haben Epidemiologen um Gerald McGwin von der University of Alabama in der Septemberausgabe des Fachmagazins „Accident Analysis and Prevention“ unbekümmert eine Studie veröffentlicht, die diese beiden heißen Eisen sogar miteinander verquickt. McGwin und seine Kollegen haben die Unfallstatistik von siebenhundert über siebzig Jahre alten Autofahrern ausgewertet, die einen Hund oder eine Katze besitzen. Das unbequeme Ergebnis: Autofahrer, die ihr Haustier ständig mitnehmen, sind signifikant häufiger in Unfälle verwickelt als der Rest der Probanden. Die Wissenschaftler vergleichen das Fahren mit Hund deshalb mit dem Handy am Steuer. Ältere Fahrer galten, was äußere Ablenkungen angeht, bisher als vergleichsweise unverdächtig- schließlich gehen kaum Unfälle wegen Handytelefonaten auf ihr Konto. Allerdings hatte eine amerikanische Studie im vergangenen Jahr schon ergeben, dass Autofahrer unterschiedlichen Alters, die ihr Haustier mitfahren lassen, es währenddessen bürsten, nach hinten langen, um es zu streicheln, oder es sogar auf dem Schoß sitzen lassen.
Lieber ein Aquarium?
Die neuen Erkenntnisse lassen auch im Hinblick auf deutsche Verhältnisse aufhorchen. Immerhin steigt hier der Anteil älterer Tierhalter. Schon gibt es Bemühungen, diesen Trend noch zu verstärken. In der Tierärztezeitschrift „Kleintier Konkret“ wurde unlängst argumentiert, man solle älteren Kunden unbedingt zuraten, sich nach dem Tod eines Haustiers ein neues zuzulegen. Das sei nicht nur für die Lebensqualität der Senioren günstig, sondern auch für die Kasse des Tierarztes: „Senioren verfügen heute in der Regel über eine bessere Rente als zukünftige Generationen von Rentnern“, heißt es in dem Artikel. Aus unternehmerischer Sicht ist das zugegebenermaßen clever gedacht.
Aus Gründen der Verkehrssicherheit sollten die Veterinäre aber vielleicht überlegen, ob sie ihren älteren Kunden nicht lieber ein Tausend-Liter-Aquarium ans Herz legen statt eines quirligen Terriers, den man jederzeit auf eine Spritztour mitnehmen kann. Wir ahnen allerdings, dass die meisten älteren Tierhalter in spe nicht von einem Schwarm Fische hinter einer kalten Glasscheibe träumen. Zu hoffen bleibt, dass McGwins Ergebnisse Verbreitung finden. Dann nämlich könnte Fahrern immerhin bewusst werden, dass ihr vierbeiniger Beifahrer sie genauso stark ablenkt und gefährdet, wie ein Handytelefonat es könnte.
