
Unter den europäischen Dividendenfonds belegt die niederländische Gesellschaft Kempen Spitzenplätze. Bald sollen auch deutsche Anleger davon profitieren können.
Investmentfonds, die vor allem auf dividendenstarke Aktien setzen, gibt es fast 200. Sucht man unter den in Deutschland zugelassenen Fonds nach „High Dividend“, findet man immerhin sieben, zudem gibt es „Top-Dividenden-Fonds“ uam.
Nun kommt auch die niederländische Fondsgesellschaft Kempen mit ihrem „High Dividend Equity“-Fonds nach Deutschland. Die Gründe sind klar und der leitende Portfoliomanager Joost de Graaf macht daraus auch keinen Hehl: „Deutschland ist ein großer Markt und Dividendenprodukte sind populär“. Das gilt ganz besonders im Angesicht der aktuellen Mini-Zinsen auf Anleihen.
Europäischer Spitzenfonds
Die Hoch-Dividendenfonds haben ein gutes Jahr hinter sich: 9 Prozent war das Mindeste, was sie einbrachten, wohingegen die Fünf-Jahres-Bilanz mit Renditen von 0,4 bis 6 Prozent pro Jahr doch recht unterschiedlich ausfällt. „Wir haben einen gute und die längste Erfolgsbilanz in Europa“, sagt de Graaf nicht ohne Stolz. „Unser Team war das erste in Europa, das im Jahr 2000 einen Hoch-Dividenden-Fonds gemanagt hat“. Das war damals noch für den Allfinanzkonzern ING, seitdem ist das gleiche Team zum 1903 gegründeten Broker Kempen gewechselt, der seit nunmehr 6 Jahren zu Van Lanschot gehört, der ältesten Privatbank der Niederlande.
Tatsächlich lässt sich die Bilanz des Kempen-Fonds sehen. Knapp 15 Prozent brachte er im laufenden Jahr und knapp 8 Prozent im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. In der langen Frist belegt der Fonds damit unter den europäischen Hoch-Dividendenfonds einen Spitzenplatz, und das bei einer geringsten Standardabweichung, weist mithin also die niedrigsten Schwankungen auf.
Vorbild BASF
Eine Absage erteilt de Graaf einer allein auf hohe Dividenden ausgerichtete Strategie – das sei nicht zielführend. Kempen lege Wert auf Unternehmen mit großer Kapitaldisziplin, die zwangsläufig hohe Dividenden mit sich bringe. „Unternehmen achten vor allem auf Produktionseffizienz. Sie sparen bei Rohstoffen und Personal, gehen aber mit Kapital nicht in gleicher Weise sorgsam um.“ Wenn es dann richtig gut laufe und das Geschäft einen hohen Mittelzufluss bringe, werde das Geld oft für die Diversifizierung oder Übernahmen ausgegeben. Das habe zur Folge, dass die Unternehmen ihr Kerngeschäft aus den Augen verlören.
Ein Musterbeispiel für ein Unternehmen mit guter Kapitaldisziplin hat de Graaf sofort parat: der Chemiekonzern BASF sei immer schon gut geleitet worden und der einzige Nachteil der Aktie, dass sie bisweilen recht teuer sein könne.
Geläuterte Siemens
Gelegenheiten findet de Graaf daher vor allem mit Unternehmen, die ihre Kapitaldisziplin verbessert haben. Siemens ist für ihn ein Beispiel aus dem Bestand des Fonds. Die Aktie habe man bei ihren jüngsten Tiefstkursen gekauft. „Siemens hat in der Vergangenheit mit Projekten Fehler gemacht, was zu Lasten des freien Mittelzuflusses gingen. Das hat sich geändert.“ Mit Abschreibungen, dem Börsengang von Osram und der offenen Debatte habe sich viel geändert.
Ein ähnlicher Fall sei der Mobilfunkanbieter Freenet, für die man weniger als 10 Euro bezahlt habe. Das Unternehmen habe in der jüngsten Vergangenheit seinen Ansatz geändert. Fielen 2008 und 2009 die Dividenden noch aus, stieg die Rendite 2012 auf fast 10 Prozent. In diesem Jahr zahlte Freenet 1,35 Euro Dividende, noch einmal 15 Cent mehr als im Jahr davor.
Versorger weiter trübe
Wichtig sei, dass die Dividenden im Zeitverlauf stiegen, meint der Graaf. Das gehe eben nur mit Kapitaldisziplin. Als Negativbeispiel nennt er die deutschen Energieversorger RWE und Eon. „Ein Teil der Probleme war zwar nicht vorherzusehen, aber auch die Kapitaldisziplin war nicht besonders gut. Das hat sich jetzt verbessert, aber einige Probleme bestehen noch immer.“
Mehr Hoffnung hat er für europäische Telekommunikationskonzerne, zeigt sich aber hin- und hergerissen. Die Branche sei durch Regulierungsfehler zurückgefallen, doch mittlerweile habe in der Politik ein Umdenken eingesetzt. Es bewege sich etwas in die richtige Richtung, doch noch ist man bei Kempen zurückhaltend. „Wir überprüfen unsere Positionierung in der Branche“. Genauer will sich de Graaf nicht festlegen.
