Finanzen

Die goldenen Zeiten der Rentenfonds sind vorerst vorbei

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Die Wertzuwächse der europäischen Rentenfonds sind in den vergangenen Monaten stark gesunken. Selbst die Fonds in der Spitzengruppe erleiden Wertverluste.

Viele Anleger stellen sich institutionelle Investoren als rational handelnde Wesen vor. Nichts ist so falsch wie dieser Gedanke. Institutionelle Anleger – das sind Versicherer, Banken, große Unternehmen, Stiftungen oder Altersvorsorgeeinrichtungen – sollten frei von den Emotionen der Entscheider die bestmöglichen Anlagechancen erkennen und wahrnehmen. Täten sie dies konsequent, müssten sie im augenblicklichen Marktumfeld in großem Stil Anleihebestände abbauen. Denn das Zinsniveau, zumindest in den entwickelten Ländern, liegt immer noch nahe historischer Tiefstände, auch wenn es in den vergangenen Monaten etwas gestiegen ist.

Vorausschauende Investoren haben gleich nach der Finanzkrise in Anleihen investiert. So hatte Asoka Wöhrmann, heute Leiter Anlagestrategie bei der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank DWS, kurz nach dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 auf Unternehmensanleihen gesetzt und so die damals hohen Renditen gesichert. Ähnlich geschickt hat er in den vergangenen Jahren auch jene Rentenfonds geführt, die auf Staatsanleihen ausgerichtet sind. Gleich mit drei Rentenfonds ist die DWS in unserer aktuellen Rangliste der besten Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt Europa vertreten, die wie jede Woche das Fondsanalysehaus Lipper berechnet hat. Der DWS Invest Euro Bonds (Premium) belegt den vierten Rang mit einem Wertzuwachs von kumuliert 15,4 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Der DWS Invest Euro Government Bonds steigerte den Wert um 13,2 Prozent und der DWS Vermögensbildungsfonds R um 12,9 Prozent.

Die Kunst der Bescheidenheit

Doch allmählich werden bei den meisten Fondsmanagern, die Anfang 2009 gegen die allgemeine Marktstimmung in Anleihen investiert haben, die damals gekauften Schuldtitel fällig und zurückgezahlt. Das bedeutet, dass mehr und mehr Anleger auslaufende Anleihen nun allmählich zum deutlich niedrigeren Zinsniveau wieder anlegen müssen.

Der DWS Vermögensbildungsfonds R weist für die vergangenen sechs Monate noch ein Plus von 0,2 Prozent auf, während allein unter den 30 besten Europa-Rentenfonds in unserer Rangliste elf Fonds eine negative Wertentwicklung für die vergangenen sechs Monate zeigen. Das ist mehr als ein Drittel. Mit einem Wertzuwachs von 1,6 Prozent ist der DWS Invest Euro Government Bonds für diesen kurzen Zeitraum sogar der beste Fonds in unserer Rangliste, dicht gefolgt vom Alliance Bernstein European Income und dem DWS Invest Euro Bonds (Premium), die beide auf ein Plus von 1,1 Prozent für die vergangenen sechs Monate kommen.

Käufer von Rentenfonds können sich derzeit in der Kunst der Bescheidenheit üben. Bei weniger als 10 Prozent liegt die Wertentwicklung aller 176 Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt Europa, die Lipper in dieser Kategorie führt.

Rentenfonds kommen auf Marktanteil von 29 Prozent in Europa

Und dennoch fließen Rentenfonds wieder hohe Mittel zu. Um 6,4 Milliarden Euro netto ist der Absatz von Rentenfonds in Europa im Juli gestiegen, geht aus den jüngsten Zahlen des europäischen Fondsverbands Efama hervor. Damit sind trotz der hohen Mittelrückflüsse von netto 18,1 Milliarden Euro im Juni Rentenfonds in diesem Jahr unter dem Strich 87,6 Milliarden Euro zugeflossen. Damit ist das Mittelaufkommen von Rentenfonds in Europa in diesem Jahr bisher fast doppelt so hoch wie das von Aktienfonds, denen netto 47,9 Milliarden Euro zugeflossen sind. Das ist erstaunlich, liegt doch die Wertentwicklung von Rentenfonds Europa für die vergangenen drei Jahre bei durchschnittlich 9,7 Prozent, während Aktienfonds Europa für denselben Zeitraum einen Wertzuwachs von 58,9 Prozent aufweisen, wie der Fondsbericht in unserer Zeitungsausgabe vom 29. August dieses Jahres zeigte.

Obwohl rational denkende Anleger eigentlich Aktienfonds wählen müssten anstatt Rentenfonds, kommen Rentenfonds laut Efama-Statistik auf einen Marktanteil von 29 Prozent in Europa. Geldmarktfonds, deren Wertentwicklung noch niedriger ist, kommen auf einen Marktanteil von 14 Prozent. In Aktienfonds dagegen liegen nur 35 Prozent des Vermögens von 6666 Milliarden Euro, das die europäische Fondsbranche per Ende Juli verwaltete. Der Rest ist in Mischfonds und speziellen Anlagestrategien angelegt.

Allerdings ist das Verhalten der institutionellen Anleger nicht völlig irrational. Denn die Rendite, die sie aus einer Geldanlage erwarten können, ist eben nur ein Faktor, den sie bei ihren Entscheidungen berücksichtigen müssen. Hinzu kommen regulatorische Auflagen, die institutionelle Anleger zwingen, einen bestimmten Teil ihres Vermögens in Anleihen zu investieren. Auch haben viele institutionelle Anleger feste Auszahlungsverpflichtungen. So müssen Lebensversicherer einen Teil ihrer Geldanlagen flüssig halten, um beispielsweise fällig werdende Lebenspolicen ausbezahlen zu können. Auch aus diesem Grund sind sie darauf angewiesen, einen Teil ihrer Vermögensanlagen in Titeln zu halten, die zu festen und verlässlichen Einnahmen beim institutionellen Investor führen. Das geht mit Aktien nur schwer, weil die Anleger immer damit rechnen müssen, dass die Kurse gerade zu dem Zeitpunkt niedrig sind, zu dem sie die Titel verkaufen müssen. Besteht die begründete Hoffnung, dass der Aktienkurs später steigt, ist das etwa für den Anlagechef des berufsständischen Versorgungswerks ein schwacher Trost.