Finanzen

Kein Zauber für den Nikkei

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Japanische Aktien notieren dank dem Zauber der „Abenomics“ auf hohem Kursniveau. Die dänische Jyske Invest sieht das nüchterner, findet Japan aber auch so attraktiv.

Der japanische Aktienmarkt hat zwischen November 2012 und Mai diesen Jahres einen phantastisch anmutenden Aufschwung erlebt. Trotz größer Volatilität hält er sich seitdem auf dem höchsten Niveau seit mehr als fünf Jahren.

Das Zauberwort heißt „Abenomics“, benannt nach Ministerpräsident Abe, der durch eine Mischung aus lockerster Geldpolitik, höheren Staatsausgaben und Strukturreformen das Land an den Haaren aus dem Deflationssumpf ziehen will.

Keine zauberhaften „Abenomics“

Fragt man indes Jakob Greisen, der das Portfolio des „Favourite Equities“-Fonds der dänischen Gesellschaft Jyske Invest managt, verlieren die Abenomics ihren magischen Charakter. „Es geht nicht nur um Abenomics“, sagt Greisen. „Japan profitiert derzeit von einem zyklischen Aufschwung der Weltwirtschaft. Bisher bestanden die Abenomics vor allem aus einer Yen-Abwertung und höheren Infrastrukturausgaben. Das Risiko ist ein Scheitern der avisierten Strukturreformen.“

Dass der weltweit anlegende Jyske-Fonds derzeit in Japan stark investiert, hat weniger mit der Politik zu tun. „Wir finden dort viele preiswerte Unternehmen, die eine starke Dynamik an den Tag legen.“ Greisens offensichtliche Lieblingsaktie ist kein Unbekannter: Toyota. Die Bewertung sei günstig, die Verkäufe in Amerika entwickelten sich gut und befänden sich wieder auf Vorkrisenniveau. Die Abwertung des Yen habe das Unternehmen wettbewerbsfähiger gemacht und mit ausreichenden Kapazitätsreserven im Heimatland in einer starken Position.

Ohne Risiko kein Potential

Dass das keine allzu neue Erkenntnis ist, räumt Greisen ein. „Japan hat eine lange Tradition guter Unternehmen.“ Das Problem sei aber bisher neben dem starken Yen der rigide Arbeitsmarkt gewesen. Insofern täte ein Erfolg der Abenomics bei der Deregulierung den japanischen Firmen gut. Aber auch ein mögliches Scheitern der Reformen sei keine Tragödie. “Natürlich sind wir uns der Risiken vollkommen bewusst und beobachten unsere Investments laufend.“ Risiken gebe es allemal. Die müssten aber sein. Denn eine Aktie ohne Risiko enthalte kein Wertsteigerungspotential mehr.

Ein solches Risiko sieht Greisen auch bei Investments in japanische Banken wie etwa Mizuho. Das Kreditvolumen in Japan steigt derzeit, aber natürlich kann dem Aufschwung auch die Luft ausgehen und sich die neuen Kredite in faule Kredite verwandeln. Derzeit aber gelte im Zweifel für den Angeklagten, meint Greisen.

Es hängt am Yen

Im Grunde setzt Jyske hauptsächlich auf jene Unternehmen, die ausländische Investoren von jeher bevorzugen: auf Exporteure wie eben Toyota oder den Reifenhersteller Bridgestone. Das hat seinen Grund in der eher bodenständigen Einschätzung der Wirtschaftspolitik. „Wir sind hinsichtlich der binnenwirtschaftlichen Auswirkungen nicht so sicher. Zwar wächst das Kreditvolumen und es sieht so aus, als ob die Immobilienpreise nach langer Zeit wieder einmal steigen könnten. Doch wenn die Abenomics scheitern, wird es gerade hier einen Rückschlag geben. Und wenn der Kurs des Yen um 10 Prozent steigt, sind wir wieder am Ausgangspunkt“.

Wenn die Entwicklung zulasten der Unternehmen gehe, werde man selbstverständlich die Investments wieder herunterfahren. Denn grundsätzlich lege man weltweit an und sei bestrebt, gute Unternehmen zu finden, die von aktuellen Entwicklungen profitieren. Die gebe es auch stets in Ländern, deren Ruf gerade nicht zum Besten stehe wie etwa in Indien. Greisen nennt hier etwa das IT-Outsorcing-Unternehmen HCL Technologies. Der Trend zum Outsourcing setze sich fort und der Verfall des Rupienkurses komme dem Unternehmen nur entgegen. Von indonesischen Banken habe man dagegen Abstand genommen.