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Washington verbreitet keine Angst

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Der Dow Jones und der Dax bewegen sich in der Nähe historischer Höchststände. Gold glänzt nicht. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

Die vorübergehende Außerdienststellung vieler Beschäftigter in amerikanischen Behörden hat einen Nebeneffekt, der viele Finanzmarktteilnehmer verunsichern, andere aber vielleicht ruhiger schlafen lassen dürfte: Vorerst entfällt die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten durch die Bundesbehörden. Es hat ja immer wieder – wenn auch nicht viele – Ökonomen gegeben, die in der Veröffentlichung gesamtwirtschaftlicher Daten den ersten Schritt in Sozialismus und Untergang sehen, weil gesamtwirtschaftliche Analysen Regierungen Anlass böten, aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben. An den Finanzmärkten wird die Veröffentlichung solcher Daten hingegen als eine wichtige Informationsquelle betrachtet.

Ganz verzichten müssen die Märkte in den kommenden Tagen nicht auf Daten aus den Vereinigten Staaten, denn die Fed, deren Regionalbanken sich im Besitz privater Geschäftsbanken befinden, leidet nicht unter den finanziellen Kalamitäten des amerikanischen Bundesstaates. Am kommenden Donnerstag wird die Fed in Washington Zahlen zur amerikanischen Industrieproduktion veröffentlichen. Hinzu kommt ein Konjunkturindikator, der von der regionalen Fed in Philadelphia berechnet wird.

Auftakt der Quartalssaison

Der vieldiskutierte „Shutdown“ besäße an den Märkten natürlich eine viel größere Bedeutung als Konjunkturdaten, wenn er Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten zur Folge hätte. An den Finanzmärkten gilt ein solches Szenario hingegen als sehr unwahrscheinlich. Die meisten Marktteilnehmer rechnen damit, dass in dieser Woche zunächst eine befristete Erhöhung der Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar zustande kommt und dann in den kommenden Wochen Gespräche über den Staatshaushalt stattfinden. Natürlich wird in den Börsensälen viel über den Streit in Washington gesprochen, aber die Aktienmärkte sind bisher gelassen geblieben. So legte der Dow-Jones-Index in der vergangenen Handelswoche 1,2 Prozent auf 15 237 Punkte zu- in Deutschland liegt der Dax mit 8725 Punkten nur noch knapp 1 Prozent unter seinem historischen Höchststand.

„Zudem steht die Fed Gewehr bei Fuß“, ergänzt die Helaba in ihrem Kapitalmarktausblick. Die Ernennung Janet Yellens zur Nachfolgerin Ben Bernankes an der Spitze der amerikanischen Notenbank spreche für eine Kontinuität der lockeren amerikanischen Geldpolitik: „ Zugleich steigt die Chance, dass die Reduzierung der Anleihenkäufe der Fed (,Tapering‘) auf den Jahresbeginn 2014 verschoben wird, wovon Renten und Aktien gleichermaßen profitieren würden.“

Neben dem amerikanischen Haushaltsstreit und der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Washington ist der Auftakt der Quartalssaison bisher wenig beachtet geblieben. Nachdem in der vergangenen Woche wie üblich der Aluminiumhersteller Alcoa den Reigen der vierteljährlichen Unternehmensergebnisse veröffentlicht hatte, stehen in den kommenden Tagen die Namen von Coca-Cola, General Electric, Google, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley auf der Liste.

Keine Freude bei Edelmetall-Anhängern

Hinter den Nachrichten aus den Vereinigten Staaten verblassen derzeit die Nachrichten aus Europa. In der vergangenen Woche haben sich die Renditeabstände zwischen deutschen Bundesanleihen und Staatsanleihen aus Peripherieländern wieder etwas verringert. Die Aussicht auf eine baldige Beendigung des amerikanischen Haushaltsstreits veranlasst manche Investoren, wieder etwas mehr ins Risiko zu gehen. Außerdem hat der gescheiterte Versuch Silvio Berlusconis, die Regierung Enrico Lettas zu stürzen, das Klima für Kapitalanlagen in Italien verbessert. So hat auch der Aktienmarkt in Mailand in der vergangenen Woche Gewinne verzeichnet.

Mehr Klarheit wünschen sich viele Finanzmarktteilnehmer nach wie vor über die Konjunkturaussichten im Euroraum. Die vielbeachteten Markit-Stimmungsindikatoren lassen zwar auch eine Besserung der Lage hoffen, aber sehr dynamisch dürfte ein Aufschwung zumindest in der absehbaren Zeit nicht verlaufen.

Am Montag steht die Veröffentlichung von Zahlen für die Industrieproduktion im August im Euroraum ins Haus. Sie dürften nach Schätzungen der Bayerischen Landesbank einen Zuwachs gegenüber dem Vormonat zeigen, aber dafür ist die Industrieproduktion im Juli unerwartet schwach gewesen. Am Dienstag werden Daten des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Aufschluss über die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktteilnehmern geben. Für Deutschland erwartet die Bayerische Landesbank einen „nahezu unverändert positiven“ Indexstand.

Wenig Freude hatte die abgelaufene Woche den Anhängern von Edelmetallen zu bieten. Der Preis für eine Unze Gold (31 Gramm) beendete den Handel mit 1275 Dollar- der HUI-Aktienindex liegt in der Nähe mehrjähriger Tiefs.