Aktien

Amerika schüttelt die Zinsmärkte durcheinander

• Bookmarks: 37


Die Fed wird wohl in diesem Jahr die Anleihekäufe doch nicht drosseln. Überraschend fallen die Zinsen wieder, und Aktien reihen Rekord an Rekord.

Auf den Anleihemärkten wird gerade die Zinswende ein Stück weit rückgängig gemacht. In fünf Wochen haben sich die Zinsen für zwei Jahre laufende Bundeswertpapiere von 0,33 auf 0,17 Prozent halbiert. Die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist von 2,09 auf 1,83 Prozent zurückgegangen. Dabei galten höhere Zinsen vor kurzem noch als eine der sichersten Wetten. Ausgehend von Amerika, sollten die Zinsen für länger laufende Anleihen auch in Deutschland klettern, so das Kalkül. Doch das Gegenteil geschieht gerade. Die scheinbar sichere Wette geht zumindest schnell nicht auf.

Die Erwartung höherer Zinsen fußte auf einer sich belebenden Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Die Ratingagentur Standard&Poor’s schätzt aber nun, dass die amerikanische Volkswirtschaft einen Schaden von 24 Milliarden Dollar oder 0,6 Prozent ihrer Jahreswirtschaftsleistung erlitten hat, weil staatliche Einrichtungen wegen des Haushaltsstreites zwischen Demokraten und Republikanern 16 Tage geschlossen waren („Shutdown“). Mit besonderer Spannung wird der wegen des Shutdowns um 20 Tage auf diesen Dienstag verschobene Bericht vom amerikanischen Arbeitsmarkt im September erwartet. Analysten hoffen, dass 180000 neue Stellen entstanden sind. Zuletzt waren im August nur 169000 neue Stellen besetzt worden, und die Arbeitslosenquote hatte auf 7,3 Prozent verharrt.

Die amerikanische Arbeitslosenquote beachten Anleger aufmerksam, weil die amerikanische Notenbank Fed die Anleihezinsen für kurze Laufzeiten so lange nahe null halten will, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Dass dies noch mindestens ein Jahr dauern wird, ist ziemlich eindeutig. Doch viele Anleger hatten Amerikas obersten Notenbanker Ben Bernanke am 22. Mai 2013 so verstanden, dass die Fed ihre seit September 2012 monatlich für 85 Milliarden Dollar üblichen Anleihekäufe schon im September 2013 verringern könnte. Mit verringerter Nachfrage der Notenbank, so daraufhin das gängige Kalkül, werde das Angebot an amerikanischen Staats- und Hypothekenanleihen mit längeren Laufzeiten nur noch zu höheren Zinsen abgenommen werden. So überraschte es kaum jemanden, dass die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zwischen Mai und September deutlich von 1,7 auf 3,0 Prozent stieg.

Doch Bernanke ging der Zinsanstieg zu weit. Er befürchtet, die höheren Zinsen könnten die sich nur langsam erholende Konjunktur in Amerika gefährden, und setzte die Anleihekäufe auch im September unverändert fort. Nun, nach dem Shutdown, rechnen viele Marktbeobachter damit, dass die Fed sogar erst im kommenden Jahr damit beginnen wird, die Anleihekäufe zu drosseln. Deshalb sind die Zinsen jetzt am Fallen.

Atempause für die Schwellenländer

Durch unverändert fortgesetzte Anleihekäufe der Fed erhalten auch Schwellenländer eine Atempause. Sie hatten darunter gelitten, dass die höheren Zinsen in Amerika für einige Anleger schon derart attraktiv geworden waren, dass sie das Risiko der Anlage in Schwellenländern nicht mehr eingehen wollten. Es kam zu kräftigen Kapitalabflüssen aus Ländern wie Brasilien und der Türkei, obwohl die Renditen für Anleihen dort auf mehr als 10 Prozent kletterten. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, und die Türkei muss für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur 8,6 Prozent bieten. Das ist aber immer noch mehr als Griechenland, dessen Rendite sich auf 8,1 Prozent verringert hat, den tiefsten Wert seit dem Schuldenschnitt im März.

Der griechische Aktienindex hat mit einem Plus von 5 Prozent eine hervorragende Woche hinter sich. In Deutschland stellte der Deutsche Aktienindex Dax am Freitag mit 8865 Punkten zum dritten Mal nach Montag und Dienstag einen Rekord auf. Über die Woche hinweg legte der Dax um 1,6 Prozent zu. Ein überraschend guter ZEW-Konjunkturindex und ein von den Wirtschaftsforschungsinstituten mit 1,8 Prozent vorhergesagtes deutsches Wirtschaftswachstum im Jahr 2014 weckten Hoffnungen, dass auch der Ifo-Geschäftsklimaindex am Dienstag abermals höher ausfallen wird. Auch der amerikanische Aktienindex S&P 500 schloss am Freitag nach einem Wochengewinn von 1,4 Prozent mit 1745 Punkten so hoch wie nie. Von 100 amerikanischen Unternehmen, die schon über das dritte Quartal berichtet haben, übertrafen 70 die Erwartungen.

Nach Ansicht vieler Anleger aber hat der amerikanische Bundesstaat durch den Haushaltsstreit Vertrauen eingebüßt. Dies zeigt sich etwa am schwachen Dollar. Erstmals seit Februar 2013 ist ein Euro 1,37 Dollar wert. Und Chinas Regierung erlaubte dem Yuan mit 0,4 Prozent die stärkste wöchentliche Aufwertung zum Dollar seit Februar 2012. Gold erlebte Preiszuwächse von mehr als 2 Prozent auf 1316 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und damit die beste Woche für das Edelmetall seit zwei Monaten.