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Apples neue Kostenlos-Kultur

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Tim Cook hat auf dem Event in San Francisco an Produkten alles gezeigt, was zuvor in Blogs und Portalen gemutmaßt worden war. Doch mit einer Sache hatte wirklich keiner gerechnet.

Eines muss man Apple lassen – die Dramaturgie des gestrigen Abends war gelungen. Es fing wie üblich mit den Zahlen des Unternehmens an. Am ersten Wochenende setzte das Unternehmen neun Millionen neue iPhones ab. Das iPad hat sich – Stand gestern Abend – 170 Millionen Mal verkauft. Und so weiter. Das kennt man von den vorherigen Keynotes. Dann kam Langeweile auf, als Craig Federighi das neue Betriebssystem Mac OS X Mavericks vorstellte. Denn ziemlich exakt das Gleiche, inklusive der Witze, hatte er schon bei der Veranstaltung im Juni vorgetragen.

Doch plötzlich kam eine neue Information, die einen aus dem Halbschlaf riss. Das neue Betriebssystem ist kostenlos! Wer einen Mac hat, muss einfach nur das Update durchführen und ist auf dem neuesten Stand bei Mac OS X. Und wer sich einen Mac kauft, bekommt das neue Betriebssystem ja sowieso kostenlos. Verteilt Apple Geschenke an seine Kunden?

Die Show hatte in dieser Hinsicht noch mehr zu bieten. Die erneuerte Apple-Software iWork und iLife gibt es mit jedem neuen Mac umsonst. Das sind die Apps Pages, Numbers, Keynote, iPhoto, iMovie und Garageband. Und für Besitzer eines Apple-Computers gilt auch hier: Die Updates auf die neuesten Versionen sind ebenfalls kostenlos. Damit ist der Nutzer ausgerüstet mit Programmen zum Schreiben und Layouten, Tabellenkalkulation, Präsentieren von Inhalten, Fotoverwaltung, Videoschnitt und Musikproduktion.

Gegen die anderen Hersteller

Apples Kostenlos-Offensive schießt einerseits gegen Microsoft mit seinem Office-Paket. Das gibt es seit Jahren für den Mac und wird häufig von Nutzern obligatorisch gekauft, die auf Word, Excel und Powerpoint nicht verzichten wollen, weil sie es aus ihren Windows-Tagen noch kennen. Dass Pages, Numbers und Keynote echte Alternativen von Apple sind, hat sich wohl doch nicht so stark in den Verkaufszahlen niedergeschlagen, wie es Apple erwartet hatte. Warum sonst sollte das Unternehmen die Software nun kostenlos anbieten? Es gibt auch echte Konkurrenz zu iPhoto, iMovie oder Garageband, doch bei diesen iLife-Apps überrascht die Umsonst-Offerte umso mehr, weil einige davon seit Monaten unter den bestverkauftesten Produkten im App-Store waren.

An dieser Stelle muss man auch klarstellen, dass Apple seinen Kunden nicht Hunderte von Euro schenkt. Das letzte Update auf Mac OS X Mountain Lion kostete weniger als 20 Euro. Und die einzelnen Apps aus iLife und iWork jeweils um die zehn Euro.

Für den eigenen Kosmos

Die Kostenlos-Offerte soll andererseits die Kunden komplett zu Apple holen. In dem von vielen kritisierten geschlossenen System wird man sich noch wohler fühlen, wenn man die Software-Grundausstattung umsonst vorfindet. Und das müssen auch die Freigeister und Computernerds da draußen zugeben. Sehr vielen Apple-Kunden wird das neue Betriebssystem zusammen mit iLife und iWork völlig ausreichen, um all ihre beruflichen Aufgaben erledigen und ihren privaten Hobbies nachgehen zu können. Und wer immer noch zögert, weil er keine Lust hat, sich von Word auf Pages oder von Excel auf Numbers umzustellen, überlegt es sich ob des kostenlosen Angebots umso mehr.

Aus Sicht des Anwenders ist Apples neue Strategie sehr attraktiv. Gibt man sich der Apple-Welt vollends hin, wird man von nun an weniger ausgeben müssen als vorher und das Unternehmen bietet dafür die bestmögliche Verzahnung der Programme. Das System wird auch in Zukunft wie aus einem Guss sein. Genau dieses Zusammenspiel von einzelnen Programmen hat bei Apple immer äußerst gut funktioniert. Und diesen Vorteil von Mac OS X spielt man in Cupertino nun noch deutlicher aus.