{"id":67184,"date":"2020-05-11T20:04:42","date_gmt":"2020-05-11T20:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=67184"},"modified":"2020-05-12T10:12:51","modified_gmt":"2020-05-12T10:12:51","slug":"oelpreisverfall-die-geldquellen-der-saudis-trocknen-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=67184","title":{"rendered":"\u00d6lpreisverfall: Die Geldquellen der Saudis trocknen aus"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Nach Einsch&auml;tzung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) br&auml;uchte Saudi-Arabien einen &Ouml;lpreis von 76 Dollar je Barrel f&uuml;r einen ausgeglichenen Haushalt.<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Die frohe Kunde, mit der die saudische &bdquo;Red Sea Developement Company&ldquo; Ende April an die &Ouml;ffentlichkeit trat, wirkte etwas aus der vom <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"0490abb24fed4d8b953f4cc908df28ab258fa831\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/coronavirus\">Coronavirus<\/a> gepr&auml;gten Zeit gefallen. Es ging um Traumurlaube. Die Pl&auml;ne f&uuml;r &bdquo;hyper-luxuri&ouml;se&ldquo; Touristenunterk&uuml;nfte auf ausgew&auml;hlten Inseln seien ma&szlig;geblich vorangekommen, hie&szlig; es. Dazu gab es Bilder idyllischer Landschaften mit wei&szlig;en Str&auml;nden in t&uuml;rkisfarbenem Meer. Einige Tage sp&auml;ter war Finanzminister Muhammad al Dschadaan f&uuml;r das Kontrastprogramm zust&auml;ndig: &bdquo;Das K&ouml;nigreich ist seit Jahrzehnten nicht mit einer solchen Krise konfrontiert gewesen &ndash; weder gesundheitlich noch finanziell&ldquo;, sagte er dem Sender Al Arabija. Er wollte die &Ouml;ffentlichkeit auf das vorbereiten, was am Montag mitgeteilt wurde: schmerzhafte Sparma&szlig;nahmen. Die Mehrwertsteuer soll vom ersten Juli an von 5 auf 15 Prozent erh&ouml;ht werden.<\/p>\n<p>Schon im Juni sollen Zuwendungen an die Bev&ouml;lkerung beschnitten werden. Der Finanzminister machte au&szlig;erdem deutlich, dass auch gro&szlig;e Infrastrukturprojekte der &bdquo;Vision 2030&ldquo; von Streichungen betroffen sind, jenes Reformpakets, mit dem der m&auml;chtige Kronprinz <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"c3074ea88c5c099507cbb10d2c82f05958940960\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/mohammed-bin-salman\">Muhammad bin Salman<\/a> das K&ouml;nigreich unabh&auml;ngig von den &Ouml;leink&uuml;nften machen will. Fachleute erwarten, dass auch das 500 Milliarden Dollar schwere Megacity-Projekt &bdquo;Neom&ldquo;, das der Thronfolger f&uuml;r &bdquo;Leute mit gro&szlig;en Tr&auml;umen&ldquo; aus dem W&uuml;stensand stampfen will, deutlich bescheidener und langsamer ins Werk gesetzt werden soll. Solche Investitionen in die Zukunft sind jetzt, da der &Ouml;lpreis so niedrig ist, schwer zu t&auml;tigen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Steigende Haushaltsdefizit<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Genau jene Gesch&auml;ftsfelder, die eigentlich mit dem Aufbruch und der gesellschaftlichen &Ouml;ffnung des Landes verbunden werden, k&auml;mpfen in der Corona-Krise mit staatlicher Hilfe ums &Uuml;berleben: Einkaufszentren, Kinos oder Caf&eacute;s sind von den Eind&auml;mmungsma&szlig;nahmen schwer getroffen worden. Die F&uuml;hrung in Riad fahre derzeit auf Sicht, hei&szlig;t es von westlichen Diplomaten. Das K&ouml;nigreich k&auml;mpft nicht nur damit, die Kurven der Corona-Infektionen flachzuhalten &ndash; sondern auch die des Aufbaus der Schulden, des Abbaus der Guthaben und des steigenden Haushaltsdefizits.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Laut Sch&auml;tzungen k&ouml;nnte es 13 oder sogar gut 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Nach Einsch&auml;tzung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) br&auml;uchte Saudi-Arabien einen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"ae9aac6ac066ea117b74e05548f0433ce7d17d48\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/oelpreis\">&Ouml;lpreis<\/a> von 76 Dollar je Barrel f&uuml;r einen ausgeglichenen Haushalt. Er liegt derzeit bei 30 Dollar. Die Staatseinnahmen sanken im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent, die &Ouml;leinnahmen um 24 Prozent. Die Auslandsreserven schrumpften im M&auml;rz um 27 Milliarden Dollar &ndash; so schnell wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Laut Angaben der Agentur Bloomberg lagen sie im April bei 464 Milliarden Dollar, dem niedrigsten Wert seit 2011.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Religi&ouml;se Tourismus<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die zweitwichtigste Geldquelle des Landes, der religi&ouml;se Tourismus, d&uuml;rfte ebenfalls schweren Schaden nehmen. Offiziell ist die diesj&auml;hrige Pilgerfahrt (Hadsch) zu den Heiligen St&auml;tten des Islams, f&uuml;r die 2019 zweieinhalb Millionen Muslime ins K&ouml;nigreich reisten, noch nicht gestrichen. Aber es ist nur schwer vorstellbar, wie eine solche Massenveranstaltung, die Ende Juli beginnen soll, mit angemessenen Abstandsregeln organisiert werden k&ouml;nnte. Und es scheint, als werde auch hier die &Ouml;ffentlichkeit schon vorbereitet. Die Beh&ouml;rden haben die Gl&auml;ubigen gebeten, mit ihren Reiseplanungen zu warten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die harten Sparma&szlig;nahmen sind f&uuml;r die saudischen Untertanen nichts g&auml;nzlich Neues. Schon 2018 bekamen sie zu sp&uuml;ren, dass die &bdquo;Agenda 2030&ldquo; auch eine ausgepr&auml;gte Austerit&auml;tskomponente hat. Subventionen f&uuml;r Wasser, Strom und Treibstoff wurden 2018 gestrichen, die Mehrwertsteuer eingef&uuml;hrt. Solche Ma&szlig;nahmen r&uuml;tteln am alten saudischen Gesellschaftsvertrag zwischen der Bev&ouml;lkerung und dem Herrscherhaus, das Gehorsam im Gegenzug f&uuml;r Wohltaten, Wohlstand und Konsum verlangt. Aber der Kronprinz duldet keinen Widerspruch, und der Repressionsapparat hat mehrmals unter Beweis gestellt, dass er brutal durchgreift und wenn n&ouml;tig &uuml;ber Leichen geht.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/oelpreisverfall-die-geldquellen-der-saudis-trocknen-aus-16764828.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/oelpreisverfall-die-geldquellen-der-saudis-trocknen-aus-16764828.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Einsch&auml;tzung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) br&auml;uchte Saudi-Arabien einen &Ouml;lpreis von 76 Dollar je Barrel f&uuml;r einen ausgeglichenen Haushalt. Die frohe Kunde, mit der die saudische &bdquo;Red Sea Developement Company&ldquo; Ende April an die &Ouml;ffentlichkeit trat, wirkte etwas aus der vom Coronavirus gepr&auml;gten Zeit gefallen. Es ging um Traumurlaube. 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