{"id":67002,"date":"2020-04-27T05:37:39","date_gmt":"2020-04-27T05:37:39","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=67002"},"modified":"2020-04-27T09:56:10","modified_gmt":"2020-04-27T09:56:10","slug":"geldpolitik-japans-notenbank-finanziert-geldgeschenk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=67002","title":{"rendered":"Geldpolitik: Japans Notenbank finanziert\u00a0 Geldgeschenk"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Haruhiko Kuroda : Gouverneur der japanischen Notenbank<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Die Bank von Japan hat ihre Geldpolitik weiter gelockert, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronaviruskrise einzud&auml;mmen. Aus der F&uuml;lle von Ma&szlig;nahmen ragt heraus, dass die japanische Zentralbank die Obergrenze f&uuml;r ihre Ank&auml;ufe von Staatsanleihen aufgegeben hat.<\/p>\n<p>Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda und die anderen Mitglieder des geldpolitischen Rats entschieden, dass die Bank bis auf weiteres japanische Staatsanleihen &bdquo;aktiv kaufen&ldquo; solle. Als wichtiger d&uuml;rfte sich indes erweisen, dass die Bank von Japan unter anderem mit drastisch erh&ouml;hten Ank&auml;ufen von Unternehmensanleihen mehr monet&auml;re Liquidit&auml;t in die Wirtschaft pumpt, damit die Finanzierungsbedingungen sich trotz der Viruskrise nicht zu sehr verschlechtern. Den negativen Leitzins von minus 0,1 Prozent f&uuml;r &Uuml;bernachteinlagen lies die Bank unver&auml;ndert.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Begrenzte Unanbh&auml;ngigkeit<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Zentralbank pr&auml;sentiert ihre Beschl&uuml;sse als Unterst&uuml;tzung der wirtschaftspolitischen Ma&szlig;nahmen, mit denen die japanische Regierung der Wirtschaftskrise im Gefolge der Pandemie entgegenwirken will. Das betont die begrenzte Unabh&auml;ngigkeit der Bank von Japan, die sich nach dem Amtsantritt von Ministerpr&auml;sident <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"e8c44208495f454128b4b7d22c4fc6e55eef7bcc\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/shinzo-abe\">Shinzo Abe<\/a> am Jahresbeginn 2013 in einer Erkl&auml;rung mit dem Finanzministerium zur gemeinsamen Bek&auml;mpfung der Deflation verpflichtet hatte.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Kern laufen die jetzigen Beschl&uuml;sse darauf heraus, dass die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"1b81eeb7154a4597281076dc4309ae628917738e\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/notenbank\">Notenbank<\/a> mehr Staatsanleihen kauft, um die Finanzierung des gro&szlig;en Nothilfepakets der Regierung zu erleichtern. Indirekt finanziert sie so die von der Regierung beschlossene Barauszahlung von umgerechnet rund 860 Euro an jeden Japaner. Das Finanzministerium plant eine zus&auml;tzliche Schuldaufnahme von 25,6 Billionen Yen (220 Milliarden Euro), um die Nothilfen zu finanzieren. Zugleich plant die Zentralbank eine neue Fazilit&auml;t, um Geld in diejenigen Banken zu schleusen, die im Rahmen der Regierungspl&auml;ne kleine und mittlere Unternehmen besonders unterst&uuml;tzen.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Prognose einer Rezession mit kr&auml;ftiger Erholung<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die japanische Wirtschaft d&uuml;rfte nach den Prognosen der Zentralbank in dem im April begonnenen Fiskaljahr um 3 bis 5 Prozent schrumpfen. Das w&auml;re das zweite Rezessionsjahr nacheinander, nachdem die Bank f&uuml;r das im M&auml;rz beendete Fiskaljahr ein Minus von 0,1 bis 0,4 Prozent erwartet. Die Wirtschaft und vor allem der private Konsum waren nach der Erh&ouml;hung der Konsumsteuer im Oktober von 8 auf 10 Prozentpunkte schon am Jahresende 2019 geschrumpft. F&uuml;r die Monate von  Januar bis Juni zeichnet sich ein abermaliges Minus ab, weil Japan mit seiner Anti-Viruskampagne zur sozialen Distanzierung die heimische Wirtschaft schw&auml;cht und zugleich die ausl&auml;ndische Nachfrage als Folge der globalen Pandemiebek&auml;mpfung zeitweise wegbricht.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Bank von Japan erwartet f&uuml;r das Folgejahr aber einen kr&auml;ftigen wirtschaftlichen Aufschwung mit einer Wachstumsrate von 2,8 bis 3,9 Prozent. Dahinter steht die Annahme, dass die Folgen der Pandemie sich schon zweiten Halbjahr an abschw&auml;chen werden. Mit der erwarteten Rezession im aktuellen Fiskaljahr und dem drastischen Verfall des &Ouml;lpreises rechnen die Mitglieder des geldpolitischen Rates vorerst indes mit einem zeitweiligen R&uuml;ckfall Japans in die Deflation.<\/p>\n<aside id=\"cna-N1\" class=\"js-cna cna-N1 js-cna-N1  cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Staatsanleihek&auml;ufe ohne Obergrenze<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Konkret beschloss die japanische Zentralbank am Montag, die bisherige Zielmarke der Ank&auml;ufe von Staatsanleihen von 80 Billionen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"f52aa0d6fea74ff32a1180bd0300fafc55358da6\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/yen\">Yen<\/a> (690 Milliarden Euro) im Jahr aufzugeben. Die Bank begr&uuml;ndete den vorerst erh&ouml;hten Ankauf von Staatsanleihen damit, dass die erh&ouml;hte Schuldaufnahme der Regierung f&uuml;r das Nothilfeprogramm den Markt beeinflussen werde. Analysten in Tokio werteten diesen Schritt schon vorab als verbale Kosmetik, weil die Notenbank die eigene Zielvorgabe schon seit langem nicht mehr erreichte und weniger Staatsanleihen kaufte. Seit die Bank im September 2016 sich als Ziel gesetzt hatte, die Zinskurve zu steuern, war die quantitative Vorgabe einer Zielmarke f&uuml;r die Ank&auml;ufe von Staatsanleihen ein Fremdk&ouml;rper in der japanischen Geldpolitik. Zinsen oder Preise und Mengen lassen sich nicht gleichzeitig steuern, wenn die M&auml;rkte nicht vollends aufgegeben werden sollen. Die Staatsanleihenk&auml;ufe sollen sich von nun an auch offiziell danach richten, dass der Zinssatz auf Sicht von zehn Jahren um 0 Prozent liegen soll.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Um mehr monet&auml;re Liquidit&auml;t in die Wirtschaft zu schleusen, will die Zentralbank f&uuml;r weitere 15 Billionen Yen (129 Milliarden Euro) Unternehmensanleihen und Commercial Papers kaufen. Die erst im M&auml;rz eingef&uuml;hrte Fazilit&auml;t zur Geldleihe von Banken wird von rund 8 Billionen Yen auf etwa 23 Billionen Yen erweitert. Akzeptierte die Zentralbank als Garantie bislang nur Unternehmenskredite, die von den Banken vergeben wurden, wird sie von nun an auch private Schulden als Sicherheiten annehmen. In dem Ma&szlig;e, in dem die Gesch&auml;ftsbanken entsprechende Kredite vergeben, werden sie f&uuml;r ihre Einlagen bei der Zentralbank mit einem positiven Zinssatz von 0,1 Prozent belohnt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/finanzmarkt\/japans-notenbank-finanziert-das-geldgeschenk-an-die-buerger-16743500.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/finanzmarkt\/japans-notenbank-finanziert-das-geldgeschenk-an-die-buerger-16743500.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haruhiko Kuroda : Gouverneur der japanischen Notenbank Die Bank von Japan hat ihre Geldpolitik weiter gelockert, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronaviruskrise einzud&auml;mmen. Aus der F&uuml;lle von Ma&szlig;nahmen ragt heraus, dass die japanische Zentralbank die Obergrenze f&uuml;r ihre Ank&auml;ufe von Staatsanleihen aufgegeben hat. 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