{"id":66857,"date":"2020-04-18T12:18:37","date_gmt":"2020-04-18T12:18:37","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66857"},"modified":"2020-04-21T08:54:02","modified_gmt":"2020-04-21T08:54:02","slug":"massnahmen-gegen-krankheiten-vierzig-tage-sind-eine-quarantaene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66857","title":{"rendered":"Ma\u00dfnahmen gegen Krankheiten: Vierzig Tage sind eine Quarant\u00e4ne"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Seuchenbek&auml;mpfung in Grao, Spanien, im April 2020<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Eine <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"ab469bb178d5bae993a191f5daf45519f1f78c0c\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/quarantaene\">Quarant&auml;ne<\/a> durchzusetzen, das war schon immer eine Herausforderung f&uuml;r Regierungen. Und es gelang manchmal auch nur durch den Einsatz letzter Mittel, etwa durch das Milit&auml;r. Die Quarant&auml;ne gibt es seit 1347. Damals grassierte die Pest. Genua und Venedig, die Metropolen der damaligen Welt, sperrten ihre H&auml;fen f&uuml;r ankommende Schiffe, auch wenn sie nichts wussten von Bakterien und Viren.<\/p>\n<p>Venedig setzte eine eigene Seuchenbeh&ouml;rde ein und baute die erste Quarant&auml;nestation auf. Die lag zwei Meilen vor der Stadt auf der Insel Santa Maria di Nazareth. Die Station wurde deshalb kurz Nazaretum genannt. Ankommende mussten dort zehn Tage lang warten, ob bei ihnen die Krankheit ausbricht. Die Frist wurde sp&auml;ter auf drei&szlig;ig Tage verl&auml;ngert, schlie&szlig;lich auf vierzig, quaranta giorni. Und daher hat die Quarant&auml;ne auch ihren Namen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Die Pest war ein besonderer Fluch<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Vierzig Tage &ndash; das entsprach der j&uuml;dischen Reinigungsvorschrift f&uuml;r Frauen, wenn sie M&uuml;tter geworden waren. Vierzig Tage liegen zwischen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"bc1c05ebaaf52fdbfda4f950ae80d9324cea8f8a\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/weihnachten\">Weihnachten<\/a> und Mari&auml; Lichtmess, dem offiziellen Ende der Weihnachtszeit, fr&uuml;her auch Mari&auml; Reinigung genannt. Im 19. Jahrhundert war allerdings noch ein anderes Wort f&uuml;r Quarant&auml;ne gel&auml;ufig: Kontumaz. Es kommt vom lateinischen contumacia, Trotz, Stolz, Unbeugsamkeit.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Auch andere St&auml;dte begannen im 14. Jahrhundert, Pestordnungen zu erlassen. Reggio bei Modena etwa legte herzlos fest, dass alle Pestkranken auf ein freies Feld vor den Toren der Stadt zu bringen seien. Dort sollten sie entweder sterben oder genesen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Pest war ein besonderer Fluch. Giovanni Boccaccio, dessen &bdquo;Dekameron&ldquo; ja unmittelbar auf einen Pestausbruch zur&uuml;ckgeht &ndash; die handelnden Personen fliehen vor der Krankheit auf das Land und erz&auml;hlen sich zum Zeitvertreib mitunter schl&uuml;pfrige Geschichten &ndash;, beschrieb die Lage so: &bdquo;Wie Feuer auf trockene oder fettige Gegenst&auml;nde &uuml;berspringt, die ihm nahegebracht werden, so sprang der Pestkeim von den Kranken auf Gesunde &uuml;ber.&ldquo;<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Sp&auml;ter entstanden f&uuml;r solche F&auml;lle wenigstens Spit&auml;ler. In N&uuml;rnberg etwa das Sankt-Sebastian-Spital. Sebastian wurde als Pestheiliger verehrt, weil die ihm durch Pfeile zugef&uuml;gten Wunden &auml;hnlich aussahen wie Pestbeulen. Jeder Ankommende in N&uuml;rnberg wurde kontrolliert, wer Symptome zeigte, durfte nicht in die Stadt. In London wurden Pesth&auml;user sogar polizeilich verriegelt und die Kranken oft ihrem Schicksal &uuml;berlassen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Fr&uuml;he Isolierungsversuche bei Lepra<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bei Lepra gab es schon sehr fr&uuml;h den Versuch, die Patienten zu isolieren. Weniger wegen der damals noch gar nicht bekannten Ansteckungsursache, sondern wegen des Anblicks der Patienten mit ihren Ausschl&auml;gen, Geschw&uuml;ren und Verst&uuml;mmlungen. Lepra galt als &bdquo;unreine&ldquo; Krankheit.<\/p>\n<div class=\"ctn-PlaceholderContent ctn-PlaceholderContent-is-in-article-medium  \">\n<div>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"fazExternalVideoPlayer\"><!--\n\n<div class=\"mm-MainVideo js-multimedia-player-external mm-MainVideo-is-video\">\n\n<div class=\"o-Ratio o-Ratio-16x9\">\n\n<div class=\"o-Ratio_Content\">\n\n<div class=\"mm-MainVideo_ImageWrapper\"><img src='https:\/\/www.faz.net\/img\/leer.gif' width='680' data-retina-src='https:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/3905307671\/1.6719016\/media_in_article_medium\/66329616.jpg' class='media' height='385' onload='processRetinaDerivate(this)-' \/>\n\n<div class=\"VdoPlayerCtrls\">\n\n<div class=\"CtrlText\">\n\n<div class=\"mm-MainVideo_TextWrapper\"><button class=\"mm-MainVideo_Play\"><span class=\"o-VisuallyHidden\">Video starten<\/span><\/button>\n\n<header class=\"mm-MainVideo_Text\">\n\n<h2 class=\"mm-MainVideo_Headline\"><span class=\"mm-MainVideo_Emphasis\">Corona-Krise<span class=\"o-VisuallyHidden\">: <\/span><\/span><span class=\"mm-MainVideo_Title\">Einreisende nach Deutschland m&uuml;ssen vorerst in Quarant&auml;ne<\/span><\/h2>\n\n<\/header>\n\n\n\n<div class=\"mm-MainVideo_VideoWrapper mm-MainVideo_VideoWrapper-is-hidden js-videojs-extern-player\"data-videojs-url-prefix=\"https:\/\/www.faz.net\"data-videojs-video-id=\"191158555\"data-videojs-source-id=\"1.6718985\"data-videojs-source = \"AFP\"data-videojs-title=\"Einreisende nach Deutschland mu00FCssen vorerst in Quarantu00E4ne\"data-videojs-player-width=\"680\"data-videojs-player-height=\"385\"data-videojs-magnifier-url=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/coronavirus\/corona-einreisende-nach-deutschland-muessen-vorerst-in-quarantaene-16718985.html\"data-videojs-is-audio=\"false\"data-videojs-smark=\"Andere-Nach Deutschland Einreisende mu00FCssen nun vorerst in Quarantu00E4ne\"data-videojs-html5-video-url=\"\"data-videojs-show-ads=\"true\"data-videojs-show-player-in-hq=\"false\"data-videojs-is-embedded=\"false\"data-videojs-is-hd=\"false\"data-videojs-is-auto=\"false\"data-videojs-media='extern'>--><\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Pippin der Kurze und Karl der Gro&szlig;e verf&uuml;gten in der zweiten H&auml;lfte des achten Jahrhunderts per kaiserlichem Edikte, dass Auss&auml;tzige in besonderen H&auml;usern zu versorgen seien. Daraus wurden &uuml;berall in Europa Leprosorien. Das war zwar eine drastische Methode der Isolation, aber offenbar auch eine wirkungsvolle. Im 16. Jahrhundert erlosch die Krankheit zumindest auf dem europ&auml;ischen Kontinent.<\/p>\n<aside id=\"cna-N1\" class=\"js-cna cna-N1 js-cna-N1  cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Auch die Landesf&uuml;rsten wollten ihre Reiche vor Infektionskrankheiten bewahren. Sie lie&szlig;en Truppen an der Grenze aufmarschieren und die K&uuml;sten besetzen, um heimliche Landungen zu verhindern. Als 1831 eine aus Asien heranr&uuml;ckende Choleraepidemie &uuml;ber Russland und Polen schon in Preu&szlig;en angekommen war, bildete die s&auml;chsische Regierung eine &bdquo;Immediatcommission zur Abwehr der Cholera&ldquo;.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Beteiligt daran war damals der Arzt und Maler Carl Gustav Carus. Er erinnerte sich sp&auml;ter: &bdquo;Wir hielten w&ouml;chentlich drei bis vier Zusammenk&uuml;nfte.&ldquo; Durch &bdquo;Ma&szlig;regeln einer Landessperre&ldquo; sei es gelungen, &bdquo;den f&uuml;rchterlichen, damals im ganzen noch wenig gekannten Feind abzuhalten&ldquo;. Zu den Ma&szlig;regeln geh&ouml;rte, dass das Milit&auml;r &bdquo;nicht ohne hohe Kosten&ldquo; an der Landesgrenze aufmarschierte und keinen ins Land lie&szlig;.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4a\" class=\"js-cna cna-P4a js-cna-P4a cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Mediziner stritten schon damals &uuml;ber den Wert solcher beh&ouml;rdlichen Absperrungen. Dass sie aber n&uuml;tzen, hat sp&auml;ter Australien bewiesen, denn das Land schaffte es, durch Quarant&auml;nema&szlig;nahmen die Spanische Grippe vom Kontinent fernzuhalten.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">In Spanien &uuml;berwacht das Milit&auml;r die Ma&szlig;nahmen<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Fall von Corona traf die Quarant&auml;ne zuerst das chinesische Wuhan. Von dort nahm die Infektionswelle ihren Anfang. Ende Januar wurde die ganze Millionenstadt unter Quarant&auml;ne gestellt. Die Einwohner waren angewiesen, die Stadt nicht zu verlassen. Das Milit&auml;r schickte vierhundert &Auml;rzte. Weitere St&auml;dte kamen hinzu.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In Spanien wird das Milit&auml;r derzeit eingesetzt, um die Einhaltung der im ganzen Land verh&auml;ngten Quarant&auml;ne zu sichern. Nach Mitteilung des Verteidigungsministeriums werden Soldaten vor allem auf den Stra&szlig;en von Madrid, Valencia, Sevilla, Saragossa, Le&oacute;n, Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife eingesetzt. Dort sind jederzeit Kontrollen m&ouml;glich. Dar&uuml;ber hinaus haben die Einheiten die Aufgabe, die derzeit geltenden Einschr&auml;nkungen der Bewegungsfreiheit zu &uuml;berwachen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/kampf-gegen-corona-woher-kommt-das-quarantaene-konzept-16721495.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/kampf-gegen-corona-woher-kommt-das-quarantaene-konzept-16721495.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seuchenbek&auml;mpfung in Grao, Spanien, im April 2020 Eine Quarant&auml;ne durchzusetzen, das war schon immer eine Herausforderung f&uuml;r Regierungen. 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