{"id":66515,"date":"2020-03-23T14:38:58","date_gmt":"2020-03-23T14:38:58","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66515"},"modified":"2020-03-24T09:41:05","modified_gmt":"2020-03-24T09:41:05","slug":"regieren-per-dekret-orbans-dauerermaechtigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66515","title":{"rendered":"Regieren per Dekret: Orb\u00e1ns Dauererm\u00e4chtigung?"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Seine Regierung pocht darauf, dass es darum geht, die Pandemie in den Griff zu bekommen: Victor Orb&aacute;n bei einer Sitzung des ungarischen Parlaments.<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Die Pl&auml;ne des ungarischen Ministerpr&auml;sidenten <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"336f74fef37b56174810c15a3650f8121d41bb1d\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/viktor-orban\">Viktor Orb&aacute;n<\/a>, sich in der Corona-Krise vom Parlament zum Regieren per Dekret ohne konkrete Befristung erm&auml;chtigen zu lassen, sind bei der Opposition in Budapest auf bedingten Widerspruch gesto&szlig;en. Sowohl die linken und liberalen Kr&auml;fte, als auch die rechte Oppositionspartei Jobbik kritisierten das Streben des national-konservativen Regierungschefs nach einer solchen Machtf&uuml;lle. Zugleich wurden Bedingungen formuliert, die eine grunds&auml;tzliche Bereitschaft implizieren, der Regierung zur Krisenbew&auml;ltigung ein St&uuml;ck weit nachzugeben. Ob das zu einer raschen Einigung f&uuml;hrt, war am Montagnachmittag unklar.<\/p>\n<p>Die Regierung hat im Parlament zwar eine Zweidrittelmehrheit, doch ben&ouml;tigt sie zus&auml;tzlich Oppositionsstimmen, um das Gesetz noch diese Woche durchs Parlament zu bringen. Schon jetzt regiert sie auf der Basis eines Notstands, den Orb&aacute;n am 11. M&auml;rz ausgerufen hat. Nach sp&auml;testens 15 Tagen, also am Donnerstag, l&auml;uft das Notstandsrecht aber aus, wenn nicht das Parlament eine Verl&auml;ngerung beschlie&szlig;t. So sieht es die Verfassung f&uuml;r den Fall einer &bdquo;Gefahrensituation&ldquo; vor, in welcher die Regierung die Anwendung von Gesetzen aussetzen oder von ihnen abweichen oder andere au&szlig;erordentliche Ma&szlig;nahmen ergreifen kann.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Eine Verl&auml;ngerung &bdquo;bis zum Ende des Notstands&ldquo;<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Orb&aacute;n will aber nicht einfach eine Verl&auml;ngerung der Notstandsregelungen um weitere 15 Tage oder irgendeine andere konkrete Frist. Der Entwurf, den seine Justizministerin Judit Varga am Freitagabend dem Parlament &uuml;bermittelte, sieht eine Verl&auml;ngerung &bdquo;bis zum Ende des Notstands&ldquo; vor, also bis die Regierung die Gefahr f&uuml;r abgewendet erachtet. Es ist zwar auch die M&ouml;glichkeit vorgesehen, dass das Parlament die Erm&auml;chtigungen zur&uuml;ckzieht. Doch zugleich ist in der Pr&auml;ambel davon die Rede, dass wegen der Epidemie die Parlamentssitzungen eingestellt werden k&ouml;nnten. Das hat die Kritiker Orb&aacute;ns auf den Plan gerufen, die die Vorstellung einer Art Dauererm&auml;chtigung an die Wand malten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Kommunikations-Staatssekret&auml;r Zolt&aacute;n Kov&aacute;cs hat das emp&ouml;rt zur&uuml;ckgewiesen. Die M&ouml;glichkeit, dass das Parlament beschlussunf&auml;hig sei, sei tats&auml;chlich gegeben, argumentiert er, wenn mehr als die H&auml;lfte der Abgeordneten ausfalle. Andere regierungsnahe Beobachter verweisen darauf, dass in dem vorgelegten Gesetzentwurf eine Reihe von rechtsstaatlichen Sicherungen eingebaut seien. Neben der M&ouml;glichkeit des Parlaments selbst, die Erm&auml;chtigung zur&uuml;ckzuziehen, ist ausdr&uuml;cklich festgehalten, dass das Verfassungsgericht weiter arbeitet, notfalls in Video-Sitzungen. Die Fraktionsvorsitzenden und der Parlamentspr&auml;sident sollen von der Regierung regelm&auml;&szlig;ig unterrichtet werden (zu sagen haben sie aber nichts). Und die Ma&szlig;nahmen, zu denen die Regierung autorisiert werden m&ouml;chte, werden ausdr&uuml;cklich auf den Zweck bezogen, die Epidemie zu bek&auml;mpfen und deren sch&auml;dliche Wirkungen zu beseitigen, sie sollen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sein. Es gehe also, so die Sicht der Regierungsseite, nicht um ein unbeschr&auml;nktes Regieren und auch nicht um eine Ausschaltung des Parlaments.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">In ganz Europa suchen Regierungen M&ouml;glichkeiten zum schnellen Durchgriff<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Tats&auml;chlich sind in der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/coronavirus\" title=\"Coronavirus\">Corona<\/a>-Krise in ganz Europa &ndash; und auch dar&uuml;ber hinaus &ndash; au&szlig;erordentlich weitgehende Schritte verordnet worden bis hin zur teilweisen Einschr&auml;nkung von Freiheitsrechten. Regierungen suchen die M&ouml;glichkeit zu schnellem und durchgreifendem Handeln. So weit wie in Ungarn vorgesehen geht das allerdings bislang kaum irgendwo. Und Regierungskritiker verweisen darauf, dass Orb&aacute;n in den vergangenen zehn Jahren vielfach bewiesen habe, dass er ihm verliehene Macht einseitig gebrauche oder gar missbrauche.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Fragen werfen auch zwei Strafrechts&auml;nderungen auf, die in den Gesetzentwurf zum Corona-Ausnahmezustand gepackt wurden. Sie sehen empfindliche Haftstrafen vor: Erstens wenn Quarant&auml;neauflagen missachtet werden- und zweitens, wenn &ouml;ffentlich falsche oder verdrehte Tatsachen behauptet werden, die die Bev&ouml;lkerung beunruhigen oder die Regierung bei der Notstandsbew&auml;ltigung behindern. Letzteres k&ouml;nnte &ndash; schon wegen der schwammigen Formulierung &ndash; die T&uuml;r zu weit gehender Zensur &ouml;ffnen. Was die Regierung unter falschen Behauptungen versteht, hat Staatssekret&auml;r mit seiner Reaktion auf kritische Beurteilungen des neuen Erm&auml;chtigungsgesetzes klargemacht: &bdquo;Stoppt gef&auml;lschte Nachrichten: Unrichtige Informationen w&auml;hrend eines Notstands zu verbreiten ist falsch und gef&auml;hrlich&ldquo;, schrieb er. Im Licht des neuen Strafparagraphen liest sich das wie eine Drohung.<\/p>\n<aside id=\"cna-N1\" class=\"js-cna cna-N1 js-cna-N1  cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Parteipolitischer Zank ist in Zeiten einer Krise unpopul&auml;r<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Trotzdem steckt die Opposition in einer Zwickm&uuml;hle. Zwar ist das Misstrauen &ndash; und die Abneigung &ndash; gegen Orb&aacute;n und seine Gefolgsleute gro&szlig;. Doch andererseits ist parteipolitischer Zank in Zeiten einer Krise unpopul&auml;r. Die Bev&ouml;lkerung unterst&uuml;tzt zweifellos ein entschlossenes Auftreten und Durchgreifen der Regierung &ndash; laut einer Umfrage des regierungsnahen Instituts Nez&ouml;pont sollen sogar 94 Prozent f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung der Notstandserm&auml;chtigungen sein. Sprecher der links-liberalen Parteien &bdquo;Demokratische Koalition&ldquo;, &bdquo;Politik kann anders sein&ldquo; und &bdquo;Dialog&ldquo; stemmten sich daher nicht grunds&auml;tzlich gegen eine Verl&auml;ngerung der Notstandserm&auml;chtigung, forderten aber eine Befristung sowie zum Teil weitere unwesentliche Einschr&auml;nkungen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/corona-in-ungarn-viktor-orbans-fristlose-ermaechtigung-16692658.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/corona-in-ungarn-viktor-orbans-fristlose-ermaechtigung-16692658.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Regierung pocht darauf, dass es darum geht, die Pandemie in den Griff zu bekommen: Victor Orb&aacute;n bei einer Sitzung des ungarischen Parlaments. 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