{"id":66395,"date":"2020-03-19T12:10:58","date_gmt":"2020-03-19T12:10:58","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66395"},"modified":"2020-03-20T17:20:55","modified_gmt":"2020-03-20T17:20:55","slug":"in-zeiten-der-corona-krise-damoklesschwert-ueber-den-gerichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66395","title":{"rendered":"In Zeiten der Corona-Krise: Damoklesschwert \u00fcber den Gerichten"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Gerichtsgeb&auml;ude in Frankfurt: Verfahren im Zivilbereich, aber auch Strafverfahren fallen teilweise  aus oder werden verschoben.<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Was die Corona-Pandemie f&uuml;r den Alltag an den Gerichten bedeutet und wie sich die Lage immer weiter versch&auml;rft, war in dieser Woche an vielen Stellen zu beobachten. Etwa in Frankfurt: W&auml;hrend sich am Montag zur Urteilsverk&uuml;ndung im Niddapark-Mordprozess Zuh&ouml;rer und Pressevertreter fast wie immer im Gerichtssaal dr&auml;ngten, sah es am Dienstag schon ganz anders aus. Im Verfahren um eine Schie&szlig;erei bat der Vorsitzende Richter &bdquo;wegen des Damoklesschwerts Corona&ldquo; nicht nur die Journalisten, sich auseinander zu setzen, sondern dirigierte auch die Zuschauer so lange hin und her, bis alle mit ausreichend Abstand sa&szlig;en. Selbst ein Angeklagter und seine Verteidiger sa&szlig;en weit voneinander entfernt, und drau&szlig;en an der Sicherheitskontrolle waren die Handschuhe tragenden Frauen erleichtert, dass kaum mehr Besucher ins Gericht kommen. Doch trotz aller Vorsicht war ein weiterer Verteidiger ganz und gar nicht zufrieden: &bdquo;Ich halte es f&uuml;r gef&auml;hrlich, was wir hier machen&ldquo;, sagte er in Richtung des Vorsitzenden.<\/p>\n<p>Auch am Landgericht Darmstadt verliefen Strafverfahren in den vergangenen Tagen nicht immer konfliktfrei, wie das Verfahren um eine Schie&szlig;erei in R&uuml;sselsheim zeigte. Dort kam ein Verteidiger, der erst am Freitag aus dem Skiurlaub in einem Risikogebiet zur&uuml;ckgekehrt war, unger&uuml;hrt zur Verhandlung. Der Vorsitzende hob den Termin daraufhin auf, weitergehen soll es nun Ende M&auml;rz.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Wichtige Vorsichtsma&szlig;nahmen<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ein anderer Vorsitzender, der mit demselben Anwalt in einem weiteren Verfahren zu tun hatte, verhandelte dagegen offenbar ganz normal. Der Gerichtspr&auml;sident hat den Richtern derweil in einem internen Schreiben &bdquo;empfohlen, sich im Rahmen der richterlichen Selbstverwaltung mit Fragen der Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs auseinanderzusetzen und gegebenenfalls Regelungen zu treffen&ldquo;. Weiter hei&szlig;t es: &bdquo;Aufgrund richterlicher Unabh&auml;ngigkeit obliegt es Ihnen, Entscheidungen zu treffen.&ldquo; Der Pr&auml;sident legt den Vorsitzenden aber nahe, Prozesse aufzuheben, die nicht dringlich sind und vor dem 19. April beginnen sollten. Das ist schon vielfach geschehen, wie aus dem Gericht zu h&ouml;ren war. Auch die Zahl der Justizwachtmeister wurde reduziert: Statt rund 20 waren am Mittwoch nur noch f&uuml;nf im Gericht. Gr&uuml;nde seien Krankschreibungen und die Zugeh&ouml;rigkeit zu Risikogruppen, hie&szlig; es.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In Darmstadt gilt zudem, dass Akten f&uuml;r Referendare an Stellen hinterlegt werden sollen, an denen sie ohne Kontakt zu Richtern abgeholt werden k&ouml;nnen. Referendare m&uuml;ssen zu Hause arbeiten. Es gilt eine Regel f&uuml;r alle B&uuml;rger: Wer dringende pers&ouml;nliche Erledigungen hat, darf das bis zum 17. April nur zwischen 8.30 und 10.30 Uhr tun. Ausnahmen gelten f&uuml;r Personen, die telefonisch einen Termin vereinbart haben, einstweiligen Rechtsschutz begehren oder als Zeugen geladen sind.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Solche Vorsichtsma&szlig;nahmen gelten inzwischen an allen Gerichten in der Region. Das Oberlandesgericht hat am Mittwoch ein Zutrittsverbot f&uuml;r Personen aus Risikogebieten, Kontaktpersonen und Personen mit Krankheitssymptomen erlassen. Von Landgericht und Amtsgericht in Frankfurt war zu h&ouml;ren, dass die Zahl der Besucher zuletzt von allein so stark zur&uuml;ckgegangen ist, dass die Geb&auml;ude ziemlich leer sind. Ansonsten halte man sich an die Direktiven aus dem Justizministerium zu Risikogebieten, dem Schutz von Risikogruppen und an Hygieneregeln.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Verlegt oder abgesagt<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Einzelne Verfahren sind &uuml;berall schon verlegt oder abgesagt worden, vor allem im Zivilbereich, aber auch Strafverfahren. &bdquo;Alles, was nicht zwingend verhandelt werden muss, ist aufgehoben worden&ldquo;, sagt eine Sprecherin des Amtsgerichts. &bdquo;Aber was verhandelt werden muss, das wird verhandelt.&ldquo; Die Haftrichter-Abteilung ist voll besetzt, genau wie die der Betreuungsrichter, die etwa &uuml;ber Fixierungen in Psychiatrien oder Vormundschaften entscheiden. Problematisch ist, dass sich eine Reihe von Mitarbeitern der Gesch&auml;ftsstellen krankgemeldet haben. Sie m&uuml;ssen von Kollegen anderer Stellen vertreten werden. F&uuml;r den Fall, dass Ausf&auml;lle von Richtern, Wachtmeistern oder anderen Bediensteten das System an den Rand des Kollaps bringen, hat das Amtsgericht einen Notfallplan erarbeitet.<\/p>\n<aside id=\"cna-N1\" class=\"js-cna cna-N1 js-cna-N1  cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Am Landgericht Frankfurt hofft man derzeit, dass manches komplizierte Verfahren, das schon l&auml;nger l&auml;uft, zur Not mit entsprechenden Unterbrechungen fertig verhandelt werden kann. Ob die in der Strafprozessordnung erlaubten vier Wochen daf&uuml;r ausreichen, wei&szlig; aber keiner. Zwei Strafkammern haben sogar Termine f&uuml;r zwei anstehende Prozesse aufgehoben, bei denen die Angeklagten in U-Haft sitzen. Sie seien im Einvernehmen aller Beteiligten zun&auml;chst auf nach Ostern verschoben worden, sagt ein Sprecher. Ansonsten gilt auch hier: Es geht mit gro&szlig;er Vorsicht erst einmal so gut wie m&ouml;glich weiter. Vorsitzende der Strafkammern versuchten jetzt, m&ouml;glichst gro&szlig;e Prozesss&auml;le zu bekommen, damit Verfahrensbeteiligte und Zuh&ouml;rer Sicherheitsabst&auml;nde einhalten k&ouml;nnten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gerichte-in-zeiten-der-corona-krisa-16685935.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gerichte-in-zeiten-der-corona-krisa-16685935.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerichtsgeb&auml;ude in Frankfurt: Verfahren im Zivilbereich, aber auch Strafverfahren fallen teilweise aus oder werden verschoben. Was die Corona-Pandemie f&uuml;r den Alltag an den Gerichten bedeutet und wie sich die Lage immer weiter versch&auml;rft, war in dieser Woche an vielen Stellen zu beobachten. Etwa in Frankfurt: W&auml;hrend sich am Montag zur Urteilsverk&uuml;ndung im Niddapark-Mordprozess Zuh&ouml;rer und Pressevertreter fast wie immer im Gerichtssaal dr&auml;ngten, sah es am Dienstag schon ganz anders aus. Im Verfahren um eine Schie&szlig;erei bat der Vorsitzende Richter &bdquo;wegen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":66415,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[33,21],"tags":[8557,22426,642,6732,7019],"class_list":["post-66395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inland","category-politik","tag-amtsgericht","tag-coronavirus","tag-darmstadt","tag-frankfurt","tag-krise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66395"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66395\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/66415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}