{"id":66306,"date":"2020-03-01T10:26:44","date_gmt":"2020-03-01T10:26:44","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66306"},"modified":"2020-03-02T14:50:36","modified_gmt":"2020-03-02T14:50:36","slug":"erdogans-kalkuel-fluechtlinge-als-drohkulisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66306","title":{"rendered":"Erdogans Kalk\u00fcl: Fl\u00fcchtlinge als Drohkulisse"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Migranten fliehen vor dem Tr&auml;nengas der griechischen Polizei.<\/div>\n<p class=\"post_description\">\n<p>Solche Szenen waren an der griechischen Grenze lang nicht mehr zu sehen: Rauchschwaden, Tumult, panische Schreie. Nachdem <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"c9ba48c3a7688dae931ef8be592b9e359144e529\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/recep-tayyip-erdogan\">Erdogan<\/a> im Fernsehen eine &bdquo;Grenz&ouml;ffnung&ldquo; verk&uuml;ndet hatte, packten offenbar an vielen Orten in der T&uuml;rkei Fl&uuml;chtlinge die Taschen. Reportern sagten sie frohgemut: &bdquo;Wir d&uuml;rfen jetzt r&uuml;ber!&ldquo;, das h&auml;tten ihnen die Gendarme gesagt. Aus Istanbul fuhren volle Busse zur Grenze.<\/p>\n<p>Was die Gendarme ihnen nicht sagten: Griechenland l&auml;sst keinen rein. Das b&ouml;se Erwachen gab es erst an der Grenze. Mit Tr&auml;nengas wurden die Leute zur&uuml;ckgejagt. Manche setzten sich ersch&ouml;pft ins nasse Gras, andere warfen Steine. Die mehr als sechzig Migranten, die es irgendwie auf griechisches Territorium schafften, kamen sofort ins Gef&auml;ngnis.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Es ist widerw&auml;rtig, so mit Menschen umzugehen. Erdogan missbraucht die Migranten als Drohkulisse f&uuml;r Europa. Er lockt sie mit falschen Versprechen ins Tr&auml;nengas und l&auml;sst sie das letzte Geld f&uuml;r eine Reise ins Nirgendwo ausgeben.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Er tut das aus zwei Gr&uuml;nden: Er beschwichtigt damit all jene T&uuml;rken, die schon l&auml;nger Unmut gegen die vielen Syrer im Land hegen. Und er will von seinem hausgemachten Desaster in Syrien ablenken.<\/p>\n<div class=\"ctn-PlaceholderContent ctn-PlaceholderContent-is-in-article-medium  \">\n<div>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"fazExternalVideoPlayer\"><!--\n\n<div class=\"mm-MainVideo js-multimedia-player-external mm-MainVideo-is-video\">\n\n<div class=\"o-Ratio o-Ratio-16x9\">\n\n<div class=\"o-Ratio_Content\">\n\n<div class=\"mm-MainVideo_ImageWrapper\"><img src='https:\/\/www.faz.net\/img\/leer.gif' alt='Fl&uuml;chtlinge harren an der t&uuml;rkisch-griechischen Grenze in der N&auml;he von Pazarkule im Freien aus.' width='680' data-retina-src='https:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/1025549733\/1.6657401\/media_in_article_medium\/fluechtlinge-harren-an-der.jpg' title='Fl&uuml;chtlinge harren an der t&uuml;rkisch-griechischen Grenze in der N&auml;he von Pazarkule im Freien aus.' class='media' height='385' onload='processRetinaDerivate(this)-' \/>\n\n<div class=\"VdoPlayerCtrls\">\n\n<div class=\"CtrlText\">\n\n<div class=\"mm-MainVideo_TextWrapper\"><button class=\"mm-MainVideo_Play\"><span class=\"o-VisuallyHidden\">Video starten<\/span><\/button>\n\n<header class=\"mm-MainVideo_Text\">\n\n<h2 class=\"mm-MainVideo_Headline\"><span class=\"mm-MainVideo_Emphasis\">Fl&uuml;chtlinge<span class=\"o-VisuallyHidden\">: <\/span><\/span><span class=\"mm-MainVideo_Title\">T&uuml;rkei &bdquo;&ouml;ffnet die Tore&ldquo;<\/span><\/h2>\n\n<\/header>\n\n\n\n<div class=\"mm-MainVideo_VideoWrapper mm-MainVideo_VideoWrapper-is-hidden js-videojs-extern-player\"data-videojs-url-prefix=\"https:\/\/www.faz.net\"data-videojs-video-id=\"2348675\"data-videojs-source-id=\"1.6657578\"data-videojs-source = \"Reuters\"data-videojs-title=\"Tu00FCrkei u201Eu00F6ffnet die Toreu201C\"data-videojs-player-width=\"680\"data-videojs-player-height=\"385\"data-videojs-magnifier-url=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/tuerkei-oeffnet-die-tore-griechenland-will-migranten-stoppen-16657578.html\"data-videojs-is-audio=\"false\"data-videojs-smark=\"Andere-Tu00FCrkei \"u00F6ffnet die Tore\", Griechenland will Migranten stoppen\"data-videojs-html5-video-url=\"\"data-videojs-show-ads=\"true\"data-videojs-show-player-in-hq=\"false\"data-videojs-is-embedded=\"false\"data-videojs-is-hd=\"false\"data-videojs-is-auto=\"false\"data-videojs-media='extern'>--><\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Sein Einsatz im syrischen Krieg ist bei der Bev&ouml;lkerung nicht popul&auml;r. Doch das Versprechen, die Syrer in der eroberten &bdquo;Sicherheitszone&ldquo; anzusiedeln und daf&uuml;r die verhassten Kurden fernzuhalten, kam bei der Mehrheit gut an. Und solange die eigenen Leute heil blieben, gab es nicht viel Grund zur Klage. Das ist jetzt anders. 36 t&uuml;rkische Soldaten kamen bei einem syrischen Luftangriff am Donnerstag um, damit sind nun mehr als 50 T&uuml;rken im Februar in Idlib gefallen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Erdogan steht unter enormen Druck<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Es zeigt sich immer mehr, dass Erdogan sich in Syrien in eine Sackgasse man&ouml;vriert hat, und das d&uuml;rfte dem Wahlvolk zu Hause nicht verborgen bleiben. Seit der verlorenen Wahl in Istanbul sinkt Erdogans Stern. Sein Zickzackkurs in Syrien macht den Pr&auml;sidenten unglaubw&uuml;rdig. Einerseits paktiert er mit brutalen Islamisten, andererseits kauft er russische Raketen und verprellt f&uuml;r seinen Flirt mit Moskau die Nato. Er fordert Solidarit&auml;t vom Westen ein, aber verletzt auf unverantwortliche Weise das Abkommen mit der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"9fc100f4f3574fbb952072eb333eee33a582a1ed\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/europaeische-union\">EU<\/a>.<\/p>\n<aside id=\"cna-P4\" class=\"js-cna cna-P4 js-cna-P4 cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nun steht Erdogan unter enormen Druck. Er f&uuml;hrt einen direkten Krieg mit Syrien und einen indirekten mit Russland. Die Bomben in Idlib k&ouml;nnten eine riesige Fl&uuml;chtlingsbewegung in Gang setzen. Der Konflikt im Nachbarland kostet immer mehr Geld und Leben. Ein Preis, den viele T&uuml;rken angesichts der schw&auml;chelnden Wirtschaft vermutlich nicht mehr zahlen wollen.<\/p>\n<div class=\"ctn-PlaceholderContent ctn-PlaceholderContent-is-in-article-medium ctn-PlaceholderContent-has-centered-content\">\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"16\"> <!--\n\n<div class=\"con-Opinary\">\n\n<div id='opinary-div' width='100%' height='400' style='overflow: hidden-' scrolling='no'>\n\n<div class=\"opinary-widget-embed\" data-poll=\"haben-sie-sorge-vor-einer-neuen-flchtlin-2FoWCA\" data-customer=\"faz\">--><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Kein Wunder, dass Erdogan da mehr Geld von der EU will &ndash; und zwar Geld, das direkt in den Staatsetat flie&szlig;en soll, nicht mehr an Hilfsorganisationen. Die Europ&auml;er sollten ihm diesen Wunsch nicht erf&uuml;llen. Sonst k&auml;me europ&auml;isches Geld wom&ouml;glich nicht mehr den Vertriebenen zugute, sondern einem v&ouml;lkerrechtswidrigen Milit&auml;reinsatz, der auch Kurden in die Flucht treibt.<\/p>\n<aside id=\"cna-N1\" class=\"js-cna cna-N1 js-cna-N1  cna-Is-displayed\"><\/aside>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Doch es ist nicht so, als h&auml;tte der Krieg in Syrien nichts mit uns zu tun. Wenn Deutschland ein zweites 2015 verhindern will, sollte die Bundesregierung nicht einfach dabei zuschauen, wie Russen und T&uuml;rken sich das Land aufteilen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Verteidigungsministerin hatte vor einigen Monaten eine ganz gute Idee, die allerdings wieder in der Versenkung verschwand: eine gemeinsame Sicherheitszone. Und auch der Au&szlig;enpolitiker Kiesewetter weist zu Recht darauf hin, dass Geld allein nicht reicht, um eine humanit&auml;re Krise zu verhindern. Er fordert europ&auml;ische Fl&uuml;chtlingslager auf t&uuml;rkischem Boden. Es ist Zeit, zu handeln.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/erdogans-kalkuel-fluechtlinge-als-drohkulisse-16657794.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/erdogans-kalkuel-fluechtlinge-als-drohkulisse-16657794.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Migranten fliehen vor dem Tr&auml;nengas der griechischen Polizei. Solche Szenen waren an der griechischen Grenze lang nicht mehr zu sehen: Rauchschwaden, Tumult, panische Schreie. Nachdem Erdogan im Fernsehen eine &bdquo;Grenz&ouml;ffnung&ldquo; verk&uuml;ndet hatte, packten offenbar an vielen Orten in der T&uuml;rkei Fl&uuml;chtlinge die Taschen. Reportern sagten sie frohgemut: &bdquo;Wir d&uuml;rfen jetzt r&uuml;ber!&ldquo;, das h&auml;tten ihnen die Gendarme gesagt. Aus Istanbul fuhren volle Busse zur Grenze. 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