{"id":66005,"date":"2020-01-08T20:04:40","date_gmt":"2020-01-08T20:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66005"},"modified":"2020-01-09T09:51:18","modified_gmt":"2020-01-09T09:51:18","slug":"g-20-prozess-die-drei-von-der-parkbank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=66005","title":{"rendered":"G-20-Prozess: Die Drei von der Parkbank"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Prozessauftakt am Oberlandesgericht Hamburg am 8. Januar<\/div>\n<p class=\"post_description\">In Hamburg sind drei Beschuldigte angeklagt, die Brandanschl&auml;ge zum Jahrestag des G-20-Gipfels geplant haben sollen. Im Gericht werden sie mit tosendem Applaus begr&uuml;&szlig;t.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">A<\/span>ls die Angeklagten den Hochsicherheitssaal 237 im Hamburger Oberlandesgericht das erste Mal betreten, brandet Jubel auf, es wird geklatscht und auf den Boden getrampelt. Handk&uuml;sse von einem Angeklagten f&uuml;r die Zuschauer, ein L&auml;cheln von dem anderen &ndash; und dann schnell Hefter vors Gesicht gehalten, als die Fotografen fotografieren d&uuml;rfen. Im Publikum werden die K&ouml;pfe gesenkt, H&auml;nde vor und Schals in das Gesicht gezogen. Und bevor der Prozess &uuml;berhaupt richtig beginnen kann, wird er schon wieder unterbrochen. Die Sicherheitskontrollen sind streng an diesem Mittwoch, viele Zuschauer warten noch vor dem Gerichtsgeb&auml;ude. Als es dann mit fast zwei Stunden Versp&auml;tung losgeht, und die Angeklagten zum zweiten Mal eintreten, ist der Zuschauerraum voll &ndash; und der Applaus noch lauter. &bdquo;Freiheit f&uuml;r alle Gefangenen&ldquo;, wird skandiert.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Erfolg f&uuml;r die Sicherheitsbeh&ouml;rden<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In Hamburg stehen zwei M&auml;nner, 27 und 31 Jahre alt, und eine 28 Jahre alte Frau vor Gericht, die zur linksextremen Szene geh&ouml;ren sollen. Sie sollen zum zweiten Jahrestag der Proteste gegen den <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"38e19be2235d81b3329db88de9736e69d7b341f1\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/g20-gipfel\">G-20-Gipfel<\/a> im Juli vergangenen Jahres vier Brandanschl&auml;ge in der Hansestadt geplant haben. Dazu aber kam es nicht, sie wurden noch kurz vor der offenbar geplanten Tat verhaftet. Die beiden M&auml;nner sind seitdem in Untersuchungshaft.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">F&uuml;r die Sicherheitsbeh&ouml;rden in der Hansestadt ist es ein Erfolg, und die Reaktionen auf die Verhaftung lassen tief in die linksextreme Szene blicken. Denn die tritt in den vergangenen Monaten wieder deutlich selbstbewusster in der Stadt auf &ndash; und gewaltbereit.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Es war die Nacht vom 7. auf den 8. Juli vergangenen Jahres. Die drei nun Angeklagten sa&szlig;en auf einer Parkbank. Eimsb&uuml;ttel, ein Hamburger Viertel in Wohlstandswatte gepackt, ein kleiner Park bei einer <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"08b1bc01c0f272c68e93d9dee6ab0c8bb71b10a1\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/kirche\">Kirche<\/a>. Um 0.24 Uhr griffen die Zivilfahnder der Polizei zu und nahmen die drei fest. Sie hatten vier Plastikflaschen dabei, mit Benzin gef&uuml;llt und mit Z&uuml;ndvorrichtungen versehen, einer Lunte, Grillanz&uuml;nder, und Streichh&ouml;lzern. Dazu Handschuhe, schwarze Wechselkleidung und Feuerzeuge, obwohl keiner von ihnen Zigaretten hatte.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Angeklagten drohen bis zu elf Jahre Haft<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ihr Ziel war laut Staatsanwaltschaft das Wohnhaus der Senatorin f&uuml;r Stadtentwicklung, Dorothee Stapelfeldt von der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"c2d4fa5cdfe3231ed958e72fcd36d6afd3774812\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/spd\">SPD<\/a>, zudem ein Immobilienmaklerb&uuml;ro, ein Dienstwagen, und das B&uuml;ro eines Bauunternehmers. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftliche Verabredung zu mehreren Brandstiftungen vor, darunter einer schweren. Ihnen drohen bis zu elf Jahre und drei Monate Haft.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nach ihrer Festnahme wurden die Angeklagten im Norden schnell als die &bdquo;drei von der Parkbank&ldquo; bekannt. Auch in der linksextremen Szene fand der Fall viel Aufmerksamkeit. Schon am Abend vor dem Prozess hatte es eine Solidarit&auml;tskundgebung gegeben, mehrere hundert Demonstranten waren zum Untersuchungsgef&auml;ngnis gezogen. Auf einschl&auml;gigen Internetseiten finden sich auch Solidarit&auml;tsadressen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Vor allem aber hatte es zuletzt immer wieder Anschl&auml;ge und Attacken gegeben, bei denen in den aufgetauchten Bekennerschreiben auf die drei Angeklagten Bezug genommen wurde. So war es, als ein Brandanschlag auf das Auto des Chefs der Hamburger Senatskanzlei scheiterte. Und so war es auch, als Mitte Dezember der Dienstwagen des Innensenators Andy Grote (SPD) bei der Einfahrt ins Schanzenviertel mit Steinen und Farbbeuteln beworfen worden war. Im Wagen hatte er sein kleines Kind dabei, das er zur Kita bringen wollte. Verletzt wurde niemand. Die Sicherheitsbeh&ouml;rden gehen davon aus, dass er l&auml;nger ausgesp&auml;ht worden war. Auf der Seite &bdquo;Indymedia.org&ldquo; tauchte wenig sp&auml;ter ein Bekennerschreiben auf, das mit den Worten beginnt: &bdquo;F&uuml;r die Parkbankcrew.&ldquo;<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Linksextreme Szene w&auml;chst<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Nach G20 konnte man eine, sehr wahrscheinlich rein taktisch gepr&auml;gte Zur&uuml;ckhaltung in der Szene wahrnehmen&ldquo;, sagt Thorsten Vo&szlig;, der Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes. Zweieinhalb Jahre sp&auml;ter habe sich das komplett ver&auml;ndert, l&auml;ngst sei man zur&uuml;ck in den alten Argumentationsmustern: Allein die Demokratie und ihre staatlichen Repr&auml;sentanten, allen voran die Polizei, h&auml;tten Schuld an der Gewalt. Die linksextreme Szene in Hamburg w&auml;chst zudem: Von 2017 auf 2018 registrierte der Verfassungsschutz einen Anstieg gewaltorientierter Linksextremisten von 770 auf 930 Personen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Vo&szlig; sagt aber auch, der Anschlag auf den Innensenator k&ouml;nne nicht singul&auml;r bewertet werden, er m&uuml;sse im Kontext der j&uuml;ngsten Entwicklung des gewaltorientierten Linksextremismus in ganz Deutschland, insbesondere in Hamburg, Leipzig oder Stuttgart, betrachtet werden. &bdquo;Taten der linksextremen Szene zeichnet eine neue Eskalationsstufe aus, weil sie sich nicht mehr nur gegen Sachen wie Wohnungen, Parteib&uuml;ros oder Fahrzeuge richten&ldquo;, sagt er, &bdquo;sondern mittlerweile auch direkt gegen das Leben und die Gesundheit von Menschen&ldquo;.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Gerichtssaal dauert es nach dem Jubel aus den Zuschauerreihen nicht mehr lange. Der Staatsanwalt verliest die Anklage und beschreibt, wie der Angeklagte Felix R. noch kurz vor dem Treffen auf der Parkbank bei einer Tankstelle Benzin f&uuml;r den vierten Sprengsatz gekauft haben und in einer von ihm gemieteten Parzelle in einer Kleingartenanlage in eine 0,5 Liter gro&szlig;e Plastikflasche umgef&uuml;llt haben soll. Die Verteidigung &auml;u&szlig;erte sich am Mittwoch noch nicht zu den Vorw&uuml;rfen. Bis Mitte April sind 27 Verhandlungstage angesetzt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/g-20-prozess-die-drei-von-der-parkbank-16571714.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/g-20-prozess-die-drei-von-der-parkbank-16571714.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Hamburg sind drei Beschuldigte angeklagt, die Brandanschl\u00e4ge zum Jahrestag des G-20-Gipfels geplant haben sollen. 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