{"id":65127,"date":"2019-09-19T09:28:54","date_gmt":"2019-09-19T09:28:54","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=65127"},"modified":"2019-09-19T09:28:54","modified_gmt":"2019-09-19T09:28:54","slug":"das-baby-im-fremden-bauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=65127","title":{"rendered":"Das Baby im fremden Bauch"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Die FDP und viele Experten fordern eine Lockerung des Verbots von Leihmutterschaften in Deutschland. Derzeit suchen Paare oft Hilfe im Ausland, was zu juristischen Komplikationen f\u00fchrt.<\/em> <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Von Mchael Gabel<\/strong><\/p>\n<p>Jessica und Armin Gei\u00dfd\u00f6rfer haben alles probiert \u2013 von der k\u00fcnstlichen Befruchtung bis zur Adoption. Doch nichts hat geholfen. Am Ende ist es eine Leihmutter aus der Ukraine, die dem Paar aus einer Gemeinde bei N\u00fcrnberg zu seinen beiden Kindern verhilft.<\/p>\n<p>Auf die Idee sei sie durch eine TV-Dokumentation gekommen, sagt Jessica Gei\u00dfd\u00f6rfer, die \u00fcber ihre Erfahrungen das Buch \u201eDie Wunschkinder\u201c geschrieben hat. Gut 20 000 Euro zahlte das Paar an die Agentur f\u00fcr den ganzen Prozess von der Anbahnung des Kontakts \u00fcber die k\u00fcnstliche Befruchtung im Rea\u00acgenzglas bis zur Geburt. Ein schlechtes Gewissen hat die 32-J\u00e4hrige nicht. Immerhin habe die Leihmutter 11 000 Euro bekommen. \u201eDas ist in der Ukraine sehr, sehr viel Geld.\u201c<\/p>\n<p>Viele deutsche Paare sind verzweifelt, weil sie auf nat\u00fcrliche Weise keine Kinder bekommen k\u00f6nnen. Sie suchen dann Hilfe bei der Fortpflanzungsmedizin. Doch dort gibt der Staat enge Grenzen vor. So sind in der Bundesrepublik weder die Eizellspende erlaubt noch die Leihmutterschaft, also das Verleihen der eigenen Geb\u00e4rmutter f\u00fcr eine fremde befruchtete Eizelle.<\/p>\n<p>Die FDP will das \u00e4ndern und fordert neben der M\u00f6glichkeit, Eizellen und Embryonen zu spenden, auch eine begrenzte Freigabe der Leihmutterschaft. Die Partei sieht sich im Einklang mit Experten etwa des Deutschen Ethikrats, die ebenfalls eine Liberalisierung fordern. Da andere L\u00e4nder die Leihmutterschaft wesentlich gro\u00dfz\u00fcgiger geregelt haben als die Bundesrepublik, hat sich unter anderem in die Ukraine ein regelrechter Fortpflanzungs-Tourismus entwickelt. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, aber Sch\u00e4tzungen reichen bis zu j\u00e4hrlich mehreren Tausend Kindern, die im Auftrag deutscher Wunscheltern von Leihm\u00fcttern im Ausland ausgetragen werden.<\/p>\n<p>Doch das bringt erhebliche juristische Probleme mit sich. So ist die rechtliche Mutter stets die Frau, die das Kind in ihrem K\u00f6rper hat heranwachsen lassen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, \u00e4ndert daran auch die Erkl\u00e4rung \u00fcber den Verzicht auf die Elternrechte nichts, die Leihm\u00fctter direkt nach der Geburt abgeben.<\/p>\n<p>Damit der S\u00e4ugling \u00fcberhaupt au\u00dfer Landes gebracht werden darf, benennt die Leihmutter als Vater \u00fcblicherweise ihren Auftraggeber, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob dessen Spermien bei der Zeugung \u00fcberhaupt verwendet wurden oder die eines Samenspenders. Auch in der Heimat erwartet die \u201eWunschmutter\u201c ein langes b\u00fcrokratisches Hin und Her, bevor sie im g\u00fcnstigsten Fall das Kind adoptieren darf. Sie bleibt aber die Stiefmutter.<\/p>\n<p>Noch schwieriger ist die Situation der Kinder. Werden sie \u00e4lter und haben Fragen zu ihrer Geburt und Abstammung, f\u00e4llt die Auskunft zwangsweise unbefriedigend aus. Schauen sie in die Geburtsurkunde, merken sie schnell, dass mit ihrer Herkunft irgendetwas \u201enicht stimmt\u201c.<\/p>\n<p>Beim Bundesverband der Standesbeamten pl\u00e4diert man auch deshalb f\u00fcr eine Gesetzes\u00e4nderung. \u201eWenn Paare kein Kind bekommen k\u00f6nnen, ist es aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden akzeptabel, ihnen die M\u00f6glichkeit der Leihmutterschaft auch in Deutschland zu er\u00f6ffnen\u201c, sagt Verbandspr\u00e4sident J\u00fcrgen Rast. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert ebenfalls eine Reform. Dort sieht man Regelungsbedarf vor allem f\u00fcr den rechtlichen Status der Kinder, wie es in einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rung hei\u00dft.<\/p>\n<p>Derzeit ist die k\u00fcnstliche Befruchtung von Leihm\u00fcttern verboten. \u00c4rzte, die den Eingriff vornehmen, m\u00fcssen mit bis zu drei Jahren Haft rechnen. Sanktioniert wird dar\u00fcber hinaus, Ersatzm\u00fctter zu vermitteln sowie \u00f6ffentlich nach ihnen zu suchen oder sich selbst anzubieten. Die FDP-Rechtsexpertin Katrin Helling-Plahr will diesen Zustand \u00e4ndern. Sie dringt darauf, die \u201enichtkommerzielle Leihmutterschaft in engen Grenzen\u201c \u2013 beispielsweise durch Bekannte oder Verwandte \u2013 zu erlauben.<\/p>\n<p>Auf Unterst\u00fctzung aus der Koalition kann die FDP-Politikerin kaum z\u00e4hlen. Zwar spricht die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, von \u201ehohem Reformbedarf, um die erheblichen Rechtsunsicherheiten zu beseitigen\u201c. Sie fordert bei Leihmutterschaften klare Regeln zur elterlichen Sorge, zu Unterhaltsanspr\u00fcchen und zur Staatsangeh\u00f6rigkeit, wie sie dieser Zeitung sagt. Von einer auch nur begrenzten Zulassung der Leihmutterschaft h\u00e4lt sie jedoch nichts. \u00c4hnlich sieht man es in der Union sowie bei Linken und Gr\u00fcnen. Es d\u00fcrfe nicht sein, \u201edass Frauen unter Druck gesetzt werden oder ihre soziale Situation ausgenutzt wird\u201c, sagt die Familienexpertin der Linken-Fraktion, Katrin Werner. Die Gr\u00fcnen-Gesundheitsexpertin Kirsten Kappert-Gonther, fordert immerhin \u201eklarere Regeln f\u00fcr im Ausland von einer Leihmutter geborene Kinder\u201c.<\/p>\n<p>Die Gei\u00dfd\u00f6rfers haben inzwischen die meisten b\u00fcrokratischen H\u00fcrden genommen. Irgendwann, so sagt es Jessica Gei\u00dfd\u00f6rfer, wollen sie ihren jetzt gut zwei Jahre alten Zwillingen erkl\u00e4ren, woher sie stammen. \u201eIhr seid in einem fremden Bauch gewachsen. Aber wir sind eure Eltern\u201c, werden sie dann sagen. Und es wird sich fast normal anh\u00f6ren.<\/p>\n<p><em><strong>Quelle: <\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.neckar-chronik.de\/Nachrichten\/Das-Baby-im-fremden-Bauch-426940.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">https:\/\/www.neckar-chronik.de\/Nachrichten\/Das-Baby-im-fremden-Bauch-426940.html <\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FDP und viele Experten fordern eine Lockerung des Verbots von Leihmutterschaften in Deutschland. 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