{"id":64124,"date":"2019-08-12T10:08:48","date_gmt":"2019-08-12T10:08:48","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64124"},"modified":"2019-08-14T09:08:14","modified_gmt":"2019-08-14T09:08:14","slug":"fdp-expertin-will-leihmutterschaft-ermoglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64124","title":{"rendered":"FDP-Expertin will Leihmutterschaft erm\u00f6glichen"},"content":{"rendered":"<p><em>Die FDP will Embryonenspende und Leihmutterschaft in Deutschland legalisieren. Zudem sollen bis zu vier Personen Verantwortung f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen d\u00fcrfen. <\/em><\/p>\n<p><em><\/p>\n<h3>RAINER WORATSCHKA<\/em><\/h3>\n<p>Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling Plahr dr\u00e4ngt darauf, die gesetzlichen Regeln f\u00fcr Kinderwunschbehandlungen massiv zu liberalisieren. \u201eDas Embryonenschutzgesetz ist von gestern und muss reformiert werden\u201c, sagte die Fraktionsexpertin dem Tagesspiegel. Die deutsche Politik sei hier, im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern, \u201eviel zu z\u00f6gerlich\u201c. Zudem brauche das Abstammungs- und Adoptionsrecht nach den Beschl\u00fcssen zur Ehe f\u00fcr alle \u201edringend ein Update\u201c, so die Fachpolitikerin. \u201eWir fordern eine Reform, die endlich die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Kenntnis nimmt.\u201c<\/p>\n<p><strong>&#8222;Jeder, der Verantwortung f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen m\u00f6chte, hat Unterst\u00fctzung verdient&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Konkret geht es der FDP-Abgeordneten bei ihrem Vorsto\u00df um drei grundlegende \u00c4nderungen. Sie verlangt eine vollumf\u00e4ngliche Unterst\u00fctzung von Kinderwunschbehandlungen, egal in welchem Familienmodell sich die Antragssteller befinden. Sie will die bestehenden reproduktionsmedizinischen M\u00f6glichkeiten \u2013 also Eizellspende, Embryonenspende und auch nichtkommerzielle Leihmutterschaft \u2013 legalisiert haben. Und sie fordert ein Familienrecht, das nichttraditionelle Familienkonstellationen genauso ber\u00fccksichtigt und auch eine Mehrelternschaft von bis zu vier Personen akzeptiert.<\/p>\n<p> \u201eJeder, der Verantwortung f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen m\u00f6chte, hat die Unterst\u00fctzung seines Kinderwunsches verdient\u201c \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob er ein klassisches Familienbild lebt oder nicht\u201c , hei\u00dft es in einem siebenseitigen Positionspapier, mit dem Helling-Plahr die aus ihrer Sicht \u00fcberf\u00e4llige Reform voranbringen m\u00f6chte. 25 Prozent der kinderlosen Frauen und M\u00e4nner im Alter zwischen 20 und 50 hierzulande seien dies ungewollt, betont die FDP-Politikerin, die vor ihrem Einzug in den Bundestag 2017 als Anw\u00e4ltin f\u00fcr Medizinrecht gearbeitet hat. Die Kosten von Kinderwunschbehandlungen beliefen sich nicht selten auf niedrige f\u00fcnfstellige Summen. Um solche Behandlungen m\u00f6glichst vielen zu erm\u00f6glichen, gebe es zwar eine staatliche F\u00f6rderung. Allerdings sei diese an falsche und zu restriktive Bedingungen gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p><strong>Zuschuss f\u00fcr Kinderwunsch-Behandlung darf nicht vom Wohnort abh\u00e4ngig sein<\/strong><\/p>\n<p>Die gesetzlich festgelegten Altersgrenzen f\u00fcr eine F\u00f6rderung etwa seien \u201ewillk\u00fcrlich und bevormundend\u201c, meint Helling-Plahr. Die Limitierung auf eine Anzahl von Behandlungsmethoden m\u00fcsse durch individuelle Einsch\u00e4tzung der Erfolgsaussichten ersetzt werden. Und es k\u00f6nne auch nicht angehen, dass die \u201eFrage, ob sich jemand eine solche Behandlung leisten kann, vom Wohnort und damit vom Zufall abh\u00e4ngt\u201c. Bisher n\u00e4mlich entscheidet allein das jeweilige Bundesland, in dem die Antragssteller leben, ob es auch Zusch\u00fcsse f\u00fcr nicht verheiratete Paare gibt. Die gesetzliche Krankenversicherung kommt nur f\u00fcr die H\u00e4lfte der Behandlungskosten auf, wenn die Antragssteller einen Trauschein haben.<\/p>\n<p>Die Verwirklichung von Kinderw\u00fcnschen scheitere hierzulande aber oft nicht nur am Geld, sondern auch an \u201everalteten und nicht nachvollziehbaren Verbotsnormen\u201c, \u00e4rgert sich die FDP-Politikerin. Das geltende Embryonenschutzgesetz stamme aus dem Jahr 1990. Seither h\u00e4tten sich gesellschaftliche Wertvorstellungen ebenso gewandelt wie die medizinischen M\u00f6glichkeiten \u2013 und zwar massiv. Weil die Gesetzgebung im Ausland vielfach \u201emoderner\u201c sei, n\u00e4hmen viele Deutsche inzwischen anderswo Angebote von Eizellspende oder Leihmutterschaft in Anspruch, die hierzulande verboten seien.<\/p>\n<p><strong>In den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sind Eizellspenden erlaubt<\/strong><\/p>\n<p>Eizell- und Embryonenspenden sollten k\u00fcnftig auch in Deutschland legal sein, fordert Helling-Plahr. Rechtlich sollten sich diese M\u00f6glichkeiten an der bestehenden Regelung f\u00fcr Samenspenden orientieren. Hei\u00dft: Es m\u00fcssten auch f\u00fcr diese Spenden Zentralregister geschaffen werden, in denen betroffene Kinder erfahren k\u00f6nnen, wer ihre leiblichen Eltern sind.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist Deutschland neben der Schweiz, Norwegen und Luxemburg mittlerweile das einzige Land Europas, das die Eizellspende verbietet. Und auch f\u00fcr eine Leihmutterschaft sollte keiner mehr \u201eins Ausland, wo teilweise auch Frauen in Notlage ausgebeutet werden, ausweichen m\u00fcssen\u201c, meint die FDP-Politikerin: \u201eWenn beispielsweise eine Frau ein Kind f\u00fcr ihre Schwester oder ihre beste Freundin austragen m\u00f6chte, weil diese sich zwar ein Kind w\u00fcnscht, aber selbst keines bekommen kann, wollen wir das erm\u00f6glichen.\u201c Eine solche Leihmutterschaft d\u00fcrfe aber \u201eselbstverst\u00e4ndlich nur dann legal sein, wenn diese aus rein altruistischen Motiven und somit (&#8230;) nicht gegen Zahlung eines Entgelts stattfindet\u201c.<\/p>\n<p><strong>Kinder sollen bis zu vier Elternteile haben d\u00fcrfen<\/strong><\/p>\n<p>Daneben gebe es gro\u00dfen Reformbedarf im Familienrecht, dr\u00e4ngt die Abgeordnete. Durch die \u00fcberf\u00e4llige \u00d6ffnung der Ehe auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare sei \u201eeine auch verfassungsrechtlich untragbare Situation entstanden\u201c: Kinder w\u00fcrden \u201eunterschiedlich gestellt, je nachdem, ob sie in eine gleichgeschlechtliche oder verschiedengeschlechtliche Ehe hineingeboren werden\u201c. Im Ergebnis, so Henning-Plahr, sollten \u201emaximal vier Elternteile gemeinsam elternschaftliche Verantwortung f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen d\u00fcrfen\u201c. Es k\u00f6nne nicht angehen, \u201edie verschiedenen Elternteile auf dem R\u00fccken der Kinder gegeneinander auszuspielen\u201c.<\/p>\n<p>Deutschland m\u00fcsse \u201eVorreiter f\u00fcr progressive Entwicklungen\u201c werden, fordert die FDP-Politikerin. In Frankreich sei k\u00fcrzlich etwa die Kinderwunschbehandlung f\u00fcr Alleinstehende und lesbische Paare erm\u00f6glicht worden. Und in Spanien h\u00e4tten Frauen ab 18 schon l\u00e4nger das Recht, durch Samenspenden schwanger zu werden \u2013 egal, ob sie alleinstehend, homo- oder heterosexuell seien. \u201eWir m\u00fcssen hierzulande gew\u00e4hrleisten, dass der Zugang zu solchen Methoden nicht vom Geldbeutel abh\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Auch Wissenschaftler dr\u00e4ngen auf Liberalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der Wissenschaft werde Reformbedarf gesehen, betont Helling-Plahr. Vor wenigen Monaten erst habe sich die Nationale Akademie der Wissenschaften an der Leopoldina f\u00fcr eine umfassende Reform der Gesetzgebung zur Reproduktionsmedizin ausgesprochen. Und bereits vor sechs Jahren h\u00e4tten renommierte Juristen einen Vorschlag f\u00fcr ein modernes Fortpflanzungsmedizingesetz vorgelegt. Dabei handelt es sich um Empfehlungen von sechs Medizin- und Gesundheitsrechtlern der Universit\u00e4ten Augsburg und M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Sie fordern ebenfalls eine Legalisierung von Eizellspenden und Leihmutterschaft, weil es keinen Anhaltspunkt gebe, dass das Kindeswohl bei \u201egespaltener Mutterschaft\u201c Schaden nehme. Auch der Embryonentransfer solle zugelassen werden, weil \u00fcberz\u00e4hlig produzierte Embryonen der Reproduktionsmedizin auf diese Weise nicht verworfen werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Spenderkinder&#8220; warnen vor Erlaubnis f\u00fcr Leihmutterschaft<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem Verein \u201eSpenderkinder\u201c st\u00f6\u00dft der FDP-Vorsto\u00df und insbesondere die Forderung nach Legalisierung der Leihmutterschaft auf harsche Kritik. \u201eEs gibt kein Recht auf ein Kind oder einen Rechtsanspruch, Eltern zu werden\u201c, sagte Sprecherin Anne Meier-Credner der Nachrichtenagentur KNA. Unter Psychologen bestehe Konsens dar\u00fcber, dass \u201eeine willk\u00fcrliche Trennung eines S\u00e4uglings von seiner engsten Vertrauten, die er an Geruch und Stimme von anderen unterscheiden kann, extrem belastend ist\u201c. Daher stelle sich die Frage, ob es zu rechtfertigen sei, \u201eeinen S\u00e4ugling gezielt diesen Belastungen auszusetzen, damit sich Erwachsene einen Wunsch erf\u00fcllen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Kinder, die von einer Frau ausgetragen und dann von einem anderen Paar adoptiert werden, d\u00fcrften nicht als \u201ehandelbares Objekt\u201c angesehen werden, warnt die Sprecherin. Auch die Leopoldina-Expertise formuliere nur einseitig die Interessen von Wunscheltern und Fortpflanzungsmedizinern. Der Verein vertritt die Interessen von mehr als 100 durch Samenspende gezeugten Erwachsenen. Angeblich gibt es davon in Deutschland mehr als 100.000. Die meisten w\u00fcssten aber nichts von ihrer Zeugungsweise.<\/p>\n<p><em><strong>Quellen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/vorstoss-fuer-paare-mit-kinderwunsch-fdp-expertin-will-leihmutterschaft-ermoeglichen\/24892348.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">dpa<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/vorstoss-fuer-paare-mit-kinderwunsch-fdp-expertin-will-leihmutterschaft-ermoeglichen\/24892348.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/vorstoss-fuer-paare-mit-kinderwunsch-fdp-expertin-will-leihmutterschaft-ermoeglichen\/24892348.html<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FDP will Embryonenspende und Leihmutterschaft in Deutschland legalisieren. Zudem sollen bis zu vier Personen Verantwortung f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen d\u00fcrfen. 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