{"id":64121,"date":"2019-08-03T08:33:13","date_gmt":"2019-08-03T08:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64121"},"modified":"2019-08-12T08:52:01","modified_gmt":"2019-08-12T08:52:01","slug":"soziale-quallen-ein-glibbriges-gastezimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64121","title":{"rendered":"\u201eSoziale\u201c Quallen: Ein glibbriges G\u00e4stezimmer"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Eine Gelbe Haarqualle frisst eine gr&ouml;&szlig;ere Ohrenqualle.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Quallen dienen Jungfischen und anderem Getier als Unterschlupf. Dank dieser Kinderstube wurde f&uuml;r manchen Fisch der Meeresgrund erst zum neuen Lebensraum.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">Q<\/span>uallen haben einen schlechten Ruf. In Strandn&auml;he verschrecken sie die Badeg&auml;ste, und Fischer wollen mit ihren Netzen lieber Fische statt diese gallertigen Meeresbewohner aus dem Wasser holen. Zudem machen Quallen etwa dem Hering das Plankton streitig, von dem er sich ern&auml;hrt. Sie tun sich ferner an frei herumschwimmenden Fischeiern und -larven g&uuml;tlich. Einige dieser Nesseltiere machen sich aber auch n&uuml;tzlich, etwa indem sie Jungfischen einen Schutzraum bieten. Wahrscheinlich haben manche Fischarten den Meeresgrund erst als ihren Lebensraum erobern k&ouml;nnen, als sich ihr Nachwuchs bei Quallen eingenistet hatte. Zu dieser Einsch&auml;tzung sind Wissenschaftler um Donal C. Griffin von der Queen&rsquo;s University of Belfast und Isabella Capellini von der University of Hull gekommen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Um den evolutionsbiologischen Hintergrund zu erkunden, haben die Biologen auf eigene Beobachtungen zur&uuml;ckgegriffen und die wissenschaftliche Literatur durchst&ouml;bert. <a href=\"https:\/\/royalsocietypublishing.org\/doi\/10.1098\/rspb.2018.2325\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie Griffin und seine Kollegen in den in den &bdquo;Proceedings of the Royal Society B&ldquo; berichten<\/a>, stie&szlig;en sie auf 86 Fischarten, die zeitweilig mit Quallen leben. Bei vielen Fischfamilien lie&szlig; sich dieses Ph&auml;nomen nur vereinzelt beobachten, bei anderen wie den Stachelmakrelen (<em>Carangidae<\/em>) dagegen auffallend h&auml;ufig.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Zahl der unfreiwilligen Gastgeber ist gro&szlig;. Als besonders beliebt haben sich Gelbe Haarquallen (<em>Cyanea capillata<\/em>) entpuppt, an Nord- und Ostseestr&auml;nden als &bdquo;Feuerquallen&ldquo; gef&uuml;rchtet, und die f&uuml;r Menschen v&ouml;llig harmlosen Ohrenquallen (<em>Aurelia aurita<\/em>), die an hiesigen K&uuml;sten weitaus zahlreicher herumschwimmen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Die Lebkuchenh&auml;user der Meere<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Wie molekulargenetische Stammb&auml;ume zeigen, haben Fische im Laufe der Entwicklungsgeschichte offenbar mehrmals enge Beziehungen zu Quallen gekn&uuml;pft. Das f&uuml;hrte jeweils zu einer Ver&auml;nderung des Lebensstils: Korrelationsanalysen sprechen daf&uuml;r, dass urspr&uuml;nglich im offenen Meer heimische Fische nach evolutionsbiologischen Ma&szlig;st&auml;ben ziemlich rasch den Kontakt zum Meeresboden aufnahmen, wenn sie sich mit Quallen zusammengetan hatten. Mitunter hat der Nachwuchs seinen gallertigen Begleiter dann wieder verloren. Diese Fischarten sind jedoch nie auf hohe See zur&uuml;ckgekehrt. Ihrem bodennahen Lebensraum treu geblieben, fanden sie mitunter abermals eine Quallen-Spezies, die ihnen als Kinderstube diente.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Um f&uuml;r Jungfische ein passendes Domizil zu sein, m&uuml;ssen mobile Nesseltiere nicht unbedingt so martialisch daherkommen wie die Gelbe Haarqualle. Ohrenquallen, deren Nesselzellen nur winzigen Planktontieren gef&auml;hrlich werden, taugen ebenfalls als Versteck. Schlie&szlig;lich sind Organismen, die wie Quallen zu etwa 99 Prozent aus Wasser bestehen, f&uuml;r die meisten Meeresbewohner eine wenig verlockende Beute.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Unter der gallertigen Glocke sitzen allerdings die Geschlechtsorgane, die nahrhafter sind als der &uuml;brige Quallenk&ouml;rper. Wie eifrig Jungfische an ihrem sehr regenerationsf&auml;higen Gastgeber herumknabbern, ist noch eine offene Frage. Beute, die an den Tentakeln der Qualle h&auml;ngen geblieben ist, k&ouml;nnte ebenfalls als Verpflegung dienen. Wom&ouml;glich kommen die Nesseltiere als eine Art Lebkuchenhaus daher, das nicht nur Unterkunft bietet, sondern auch eine unersch&ouml;pfliche Nahrungsquelle.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">F&uuml;r Jungfische, die gewohnheitsm&auml;&szlig;ig bestimmten Quallen auf den Leib r&uuml;cken, ist das Risiko, von Nesselzellen verletzt oder gar get&ouml;tet zu werden, offensichtlich geringer als das Risiko, ohne solchen R&uuml;ckhalt von einem hungrigen Maul geschnappt zu werden. Quallen spielen somit eine wichtige Rolle bei der Regeneration von Fischbest&auml;nden, auch von wirtschaftlich bedeutsamen. Zur Kategorie der Speisefische geh&ouml;ren laut Griffin und seinen Kollegen mehr als zwei Drittel der Jungfische, die bei Quallen Unterschlupf suchen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/glibbriges-gaestezimmer-quallen-dienen-jungfischen-und-anderem-getier-als-unterschlupf-16308718.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/glibbriges-gaestezimmer-quallen-dienen-jungfischen-und-anderem-getier-als-unterschlupf-16308718.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quallen dienen Jungfischen und anderem Getier als Unterschlupf. Dank dieser Kinderstube wurde f\u00fcr manchen Fisch der Meeresgrund erst zum neuen Lebensraum.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":64122,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5436,429],"tags":[21142,21147,21143,21146,21144,21148,21145],"class_list":["post-64121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leben-gene","category-wissen","tag-donal-c-griffin","tag-gastezimmer","tag-isabella-capellini","tag-qualle","tag-queenrsquo-s-university","tag-strandnahe","tag-university-of-hull"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64121"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64121\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}