{"id":64069,"date":"2019-08-02T12:04:56","date_gmt":"2019-08-02T12:04:56","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64069"},"modified":"2019-08-12T08:49:38","modified_gmt":"2019-08-12T08:49:38","slug":"weingut-ziereisen-mehr-trinken-weniger-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64069","title":{"rendered":"Weingut \u201eZiereisen\u201c: Mehr trinken, weniger denken"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Hanspeter Ziereisen hat sich sein Wissen rund um den Wein selbst angeeignet.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Und immer sch&ouml;n viel Dreck in der Flasche: Das sind die Maximen von Hanspeter Ziereisen aus dem Markgr&auml;flerland, dem m&ouml;glicherweise unorthodoxesten aller deutschen Winzer. Die Kolumne Geschmackssache.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>er Markgr&auml;fler gilt, grob vereinfacht, als bed&auml;chtig, wortkarg, verschlossen, ein Mensch, der am liebsten Gott einen guten Mann sein und die Dinge so l&auml;sst, wie sie eben sind. Der Markgr&auml;fler Weinbauer gilt, gleichfalls stark vergr&ouml;bert, als bodenst&auml;ndig, selbstgen&uuml;gsam, heimattreu, kein Mensch, der vor Ehrgeiz brennt, sondern am liebsten seinen Gutedel bei der Genossenschaft abliefert, um ihn dann in aller Ruhe selbst zu schlotzen. Der Markgr&auml;fler Winzer Hanspeter Ziereisen, jetzt scharf pr&auml;zisiert, muss unter diesen Voraussetzungen als genetische Anomalie gelten, denn er erf&uuml;llt keine einzige der genannten Charaktereigenschaften &ndash; und ist deswegen ein Gl&uuml;cksfall, wenn nicht ein Gottesgeschenk f&uuml;r das Markgr&auml;flerland und seine Winzerschaft.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Jahrhundertelang waren die Ziereisens einfache Bauern in Efringen-Kirchen, und Landwirtschaft betreibt auch Hanspeter Ziereisen noch. Dass aber etwas mit diesem Mann nicht stimmen kann, merkt man sofort, wenn man seinen uralten Gutshof betritt: <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"eb4c1c8040ac5031be0f387779e7ee76b20c7c7a\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/thema\/batterien\">Batterien<\/a> leerer Flaschen stehen dort fl&auml;chendeckend herum, die allerbesten Burgunder, die kostbarsten Jahrgangs-Champagner, stumme Zeugen geselliger Weinproben, die der Chef und seine Frau Edeltraud gerne mit ihren Praktikanten zelebrieren &ndash; nicht nur aus Vergn&uuml;gen, sondern auch als einzig sinnvoller Form der Fortbildung. Denn von der akademischen Winzerlehre h&auml;lt Ziereisen absolut nichts. Einer &bdquo;Gehirnw&auml;sche&ldquo; w&uuml;rden die jungen Leute unterzogen, mit standarisiertem Wissen indoktriniert, um ihnen alle Intuition auszutreiben, einzig mit dem Ziel, vermeintliche Fehler zu vermeiden und viel zu saubere Weine zu machen. &bdquo;Mehr trinken, weniger denken&ldquo;, das sage er immer zu seinen Lehrlingen, und seinen Kindern habe er sowieso verboten, Weinbau zu studieren, hoffe aber dennoch, dass sie eines Tages das Gut &uuml;bern&auml;hmen.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Hanspeter Ziereisen ist das Enfant terrible des Reblandes im &auml;u&szlig;ersten S&uuml;dwestzipfel Deutschlands, ein gelernter M&ouml;belschreiner, der zum autodidaktischen Weinbauern wurde, um sich aus dem Nichts in den Olymp der besten deutschen Winzer zu katapultieren. Dieser Outlaw-Rebenanarchist lebt, seit er 1991 mit einem halben Hektar Weinst&ouml;cken angefangen hat, einzig und allein nach seinen eigenen Gesetzen. Er selektiert die Trauben bei der Lese so streng wie Oxford seine Studenten bei der Aufnahmepr&uuml;fung, verwendet mechanische Hydraulikpressen aus den f&uuml;nfziger Jahren, die mit sechs statt der heute &uuml;blichen anderthalb bar arbeiten, und entrappt das Lesegut nicht, wodurch er einen pechschwarzen Most bekommt, der &bdquo;erst nach Tannenhonig und dann nach Rattengift schmeckt&ldquo;. Er verg&auml;rt warm und ausschlie&szlig;lich spontan, steckt s&auml;mtliche Weine in bis zu siebzig Jahre alte Holzf&auml;sser, in denen er manchmal die Hefe des Vorjahres einfach liegen l&auml;sst, g&ouml;nnt selbst den Basisweinen sechzehn Monate im Fass und seinen besten Gew&auml;chsen bis zu f&uuml;nf Jahre, filtriert nicht und sch&ouml;nt schon gar nicht, weil er aseptisch saubere, klinisch seelenlose Weine verabscheut. &bdquo;Ich brauche Dreck in der Flasche&ldquo;, sagt Ziereisen und lacht dabei so laut und herzhaft, dass man es noch in Basel und Mulhouse h&ouml;rt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/markgraeflerland-ein-aussergewoehnlicher-winzer-aus-deutschland-16313596.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/markgraeflerland-ein-aussergewoehnlicher-winzer-aus-deutschland-16313596.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und immer sch\u00f6n viel Dreck in der Flasche: Das sind die Maximen von Hanspeter Ziereisen aus dem Markgr\u00e4flerland, dem m\u00f6glicherweise unorthodoxesten aller deutschen Winzer. Die Kolumne Geschmackssache.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":64073,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[395,4328],"tags":[9157,266,21095,6800,21093,11163,21094],"class_list":["post-64069","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-essen-trinken","category-stil","tag-batterien","tag-deutschland","tag-efringen-kirchen","tag-geschmackssache","tag-hanspeter-ziereis","tag-wein","tag-ziereisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64069","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64069"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64069\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/64073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}