{"id":64000,"date":"2019-08-11T16:14:38","date_gmt":"2019-08-11T16:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64000"},"modified":"2019-08-12T08:47:14","modified_gmt":"2019-08-12T08:47:14","slug":"metoo-und-upskirting-immer-noch-in-der-grauzone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=64000","title":{"rendered":"#MeToo und Upskirting: Immer noch in der Grauzone"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Initiatorinnen der Petition &bdquo;Verbietet #Upskirting in Deutschland&ldquo;: Ida Marie Sassenberg (links) und Hanna Seidel<\/div>\n<p class=\"post_description\">Zwei junge Frauen fordern, dass in Deutschland endlich das Fotografieren oder Filmen unter den Rock unter Strafe gestellt wird. Mit Juristen haben sie dar&uuml;ber diskutiert, wie das umgesetzt werden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">E<\/span>indeutige Blicke, platte Spr&uuml;che, missgl&uuml;ckte Flirtversuche, bewusste Herabw&uuml;rdigungen oder gar gewaltt&auml;tige Angriffe. Das Spektrum der sexuellen Bel&auml;stigung ist breit. Wie umgehen mit Frauen, Grenzen und Grenzverletzungen &ndash; diese Fragen stehen auch im dritten Jahr seit #MeToo im Fokus der &ouml;ffentlichen Debatte. Als Schauspielerin <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"5b7a22c548f5715f80b923a364330f6cd7919820\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/alyssa-milano\">Alyssa Milano<\/a> 2017 auf Twitter Opfer sexueller Gewalt dazu aufrief, ihre Geschichten zu teilen, war das Echo gewaltig. Fast 90 Frauen werfen dem prominentesten Ziel der Kampagne, Hollywood-Produzent Harvey Weinstein, vor, sie bel&auml;stigt, missbraucht oder vergewaltigt zu haben. Viele Vorw&uuml;rfe sind verj&auml;hrt, nach etlichen Pannen bei der juristischen Aufarbeitung der F&auml;lle wird der Produzent erst im September in New York vor Gericht stehen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Doch die gesellschaftliche Debatte dar&uuml;ber, welches Verhalten die Intimsph&auml;re insbesondere von Frauen verletzt, wird weiterhin gef&uuml;hrt. Wie gut sch&uuml;tzt das deutsche Rechtssystem Opfer sexueller &Uuml;bergriffe? Diese Frage diskutierten am Samstag Wissenschaftler und Juristen im Kriminalhistorischen Museum in Rothenburg ob der Tauber. Obwohl das Sexualstrafrecht 2016 einer gro&szlig;z&uuml;gigen Reform unterzogen wurde &ndash; ein Sexualdelikt kann seitdem auch geahndet werden, wenn es kein Gewaltelement enth&auml;lt, sondern &bdquo;nur&ldquo; gegen den Willen des Opfers geschieht (&bdquo;Nein hei&szlig;t Nein&ldquo;) &ndash; gibt es dennoch Formen sexueller Bel&auml;stigung, die sich immer noch in einer Grauzone befinden.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Mit einer dieser relativ neuen Formen sexueller Grenz&uuml;berschreitung besch&auml;ftigen sich Ida Marie Sassenberg und Hanna Seidel, die an diesem Nachmittag als Ehreng&auml;ste zu dem Symposion geladen sind. Ihre Online-Petition zum Verbot des sogenannten &bdquo;Upskirtings&ldquo; startete im April und hat bereits &uuml;ber 86.000 Unterst&uuml;tzer. &bdquo;Upskirting&ldquo; beschreibt das unerlaubte Fotografieren oder Filmen unter den Rock, meist mithilfe eines Smartphones. In England setzte die Britin Gina Martin nach einem fast zweij&auml;hrigen Kampf eine Gesetzesreform durch. Dort drohen T&auml;tern nun bis zu zwei Jahre Haft.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Studentin Seidel und die Journalistin Sassenberg wollen das Fotografieren unter den Rock oder in die Bluse auch im deutschen Strafgesetzbuch verankern &ndash; und eine generelle Debatte &uuml;ber das Thema ansto&szlig;en. Seidel, die selbst bereits zweimal Opfer von &bdquo;Upskirting&ldquo; wurde, berichtet an diesem Nachmittag von ihren Erlebnissen. Die heute 28 Jahre alte Werberegiestudentin war 16 Jahre alt, als man ihr auf einem Festival unter den Minirock filmte. Als sie bemerkte, was ihr geschehen war, stellte sie den Mann zu Rede &ndash; der reagierte aggressiv und beschimpfte sie. Seidel wandte sich an die Polizei, man wies sie ab, wollte und konnte ihr in diesem Fall nicht weiterhelfen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Straftatbestand der &bdquo;Beleidigung&ldquo;?<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Eric Hilgendorf, Ordinarius f&uuml;r Strafrecht an der Julius-Maximilians-Universit&auml;t W&uuml;rzburg, verortet Vergehen wie &bdquo;Upskirting&ldquo; im Straftatbestand der &bdquo;Beleidigung&ldquo; und schl&auml;gt vor, den entsprechenden Paragraphen weiter zu fassen. Das geht den Initiatorinnen der Petition nicht weit genug. Zahlreiche Gespr&auml;che mit Betroffenen h&auml;tten gezeigt, dass &bdquo;Upskirting&ldquo; eine tiefe Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung darstelle. Viele Opfer k&auml;mpften mit Scham- und Schuldgef&uuml;hlen &ndash; auch Seidel selbst. &bdquo;Ich frage mich bis heute, wer diese Aufnahmen hat, ob sich M&auml;nner dazu befriedigt haben oder es vielleicht immer noch tun.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Auch Gloria Bergh&auml;user, Juristin an der Universit&auml;t Erlangen-N&uuml;rnberg, formuliert Vorschl&auml;ge, wie die Aufnahmen strafrechtlich verfolgt werden k&ouml;nnten &ndash; und sagt, woran das bisher scheitert. &bdquo;Damit eine Handlung als sexuelle Bel&auml;stigung geahndet werden kann, muss der T&auml;ter das Opfer ber&uuml;hren. Wenn Ihnen jemand in der U-Bahn das Handy unter den Rock h&auml;lt, muss das nicht zwangsl&auml;ufig der Fall sein.&ldquo; Au&szlig;erdem bemerkten viele Frauen die Tat gar nicht. Die Dunkelziffer der &Uuml;bergriffe sei sehr hoch. Bergh&auml;user h&auml;lt das Anliegen der Frauen f&uuml;r grunds&auml;tzlich berechtigt, f&uuml;r die Juristin wirft die &bdquo;Upskirting&ldquo;-Petition aber noch mehr Fragen als Antworten auf. Sollten die Anforderungen bereits existierender Straftatbest&auml;nde herabgesetzt werden? Muss ein eigener Paragraph her?<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Am ehesten diskutiert wird eine Erweiterung des Paragraphen 201a (Schutz vor unbefugten Bildaufnahmen im h&ouml;chstpers&ouml;nlichen Lebensbereich). Das Gesetz sch&uuml;tzt Opfer davor, nackt fotografiert zu werden, wenn sie in der Umkleidekabine den Vorhang zuziehen und dadurch anzeigen, dass sie nicht fotografiert werden wollen. Es sch&uuml;tzt sie aber nicht vor heimlichen Aufnahmen unter Kleidungsst&uuml;cke &ndash; bisher.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Mit Blick auf die #MeToo-Debatte sprechen sich insbesondere die anwesenden Juristen an diesem Tag daf&uuml;r aus, die Unschuldsvermutung nicht zu vernachl&auml;ssigen. Ansonsten solle man den Blick weg von T&auml;tern, hin zu den Opfern richten. Seidel sagt: &bdquo;Was wirklich z&auml;hlt, ist den Opfern zuzuh&ouml;ren. Nicht ernst genommen zu werden, das ist einfach schei&szlig;e.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/metoo-und-upskirting-immer-noch-in-der-grauzone-16328332.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/metoo-und-upskirting-immer-noch-in-der-grauzone-16328332.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei junge Frauen fordern, dass in Deutschland endlich das Fotografieren oder Filmen unter den Rock unter Strafe gestellt wird. 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