{"id":63646,"date":"2019-08-04T19:25:08","date_gmt":"2019-08-04T19:25:08","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63646"},"modified":"2019-08-05T09:28:04","modified_gmt":"2019-08-05T09:28:04","slug":"proteste-in-russland-mit-schlagstocken-gegen-einen-fahrradfahrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63646","title":{"rendered":"Proteste in Russland: Mit Schlagst\u00f6cken gegen einen Fahrradfahrer"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Jenseits des Rechtsstaats: Polizisten gehen am Samstag gewaltsam gegen einen Demonstranten in Moskau vor.<\/div>\n<p class=\"post_description\">In Moskau gehen Sicherheitskr&auml;fte mit gro&szlig;er Brutalit&auml;t gegen Demonstranten vor. Nach Angaben von B&uuml;rgerrechtlern sind 1001 Personen festgenommen worden &ndash; unter ihnen befinden sich auch prominente Oppositionelle.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">A<\/span>m Tag nach den j&uuml;ngsten friedlichen Protesten f&uuml;r freie Wahlen in Moskau machen wieder Bilder von Polizeigewalt die Runde durch Russlands soziale Netze und unabh&auml;ngige Medien. Man sieht, wie ein Fahrradfahrer mit Helm und Signalweste langsam an einer Gruppe Sicherheitsleute vorbeif&auml;hrt- die bringen ihn zu Fall, Polizisten in Schwarz schlagen auf Mann und Rad mit Schlagst&ouml;cken ein. Man sieht, wie ein Vater verzweifelt versucht, seinen Sohn, der zuf&auml;llig am Ort gewesen sei, aus den H&auml;nden der H&auml;scher zu befreien- beide werden festgenommen und in unterschiedliche Arrestbusse gesteckt. Man sieht Einsatzkr&auml;fte, die auf Menschen einschlagen, die wehrlos am Boden liegen, gezielt auf die Beine, und Polizisten in Schwarz mit heruntergelassenem Helmvisier, die in einer Gruppe Herumstehender ausschw&auml;rmen und einen jungen Mann mit Rucksack wegzerren.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Wer am Samstag ins Zentrum Moskaus kam, musste mit Gewalt rechnen: In den Tagen zuvor hat der Machtapparat aus Politik und Medien mobilgemacht gegen angebliche westliche Umsturzversuche. Das Staatsfernsehen zeigt Bilder mehrerer M&auml;nner, die schon wegen des Vorwurfs von &bdquo;Massenunruhen&ldquo; am 27. Juli, als mehr als 1300 Menschen festgenommen wurden, in Untersuchungshaft sitzen: junge Gesichter hinter den Stangen der Gerichtsk&auml;fige. Ihnen drohen mehrere Jahre Lagerhaft.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Einige tausend Menschen auf der Stra&szlig;e<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Keine f&uuml;r Samstag beantragte Protestaktion war erlaubt, vor jeder Aktion ist gewarnt worden. Man musste nicht nur damit rechnen, im Fall der Festnahme bis zu 48 Stunden unter schikan&ouml;sen Bedingungen festgehalten zu werden, mit Geldstrafen und wom&ouml;glich Arrest bis zu 30 Tagen, sondern mit Schlimmerem: Wer angeblich einen Pappbecher geworfen oder eine M&uuml;lltonne umgesto&szlig;en hat oder wer schlicht den Ermittlern ins Profil des auf Abschreckung zielenden Strafverfahrens wegen &bdquo;Massenunruhen&ldquo; passt, muss mehrere Jahre Lagerhaft f&uuml;rchten. Dennoch sollte es einen &bdquo;Spaziergang&ldquo; auf dem Boulevardring geben, einer zehn Kilometer langen Abfolge von Stra&szlig;en und Pl&auml;tzen im Zentrum Moskaus, die mit B&auml;umen und B&auml;nken an guten Tagen tats&auml;chlich zum Flanieren einl&auml;dt. Beobachter sch&auml;tzten die Zahl der Teilnehmer mindestens auf einige tausend.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Offiziell sollen es nur 1500 gewesen sein, aber sogar in polizeilichen Festnahmeprotokollen war von 5000 Teilnehmern die Rede. In der Menge der Spazierg&auml;nger sah man kaum politische Erkennungszeichen, auch Sprechch&ouml;re fehlten zu Beginn. Sp&auml;ter erklangen nur die &uuml;blichen &bdquo;Schande&ldquo;-Rufe, wenn die Sicherheitskr&auml;fte jemanden wegschleppten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Wer die Menschen fragte, warum sie es wagten, an diesem Tag hier spazieren zu gehen, h&ouml;rte von der B&uuml;rgerpflicht, sich gegen Willk&uuml;r zu stemmen, von Rechten und der Verfassung, die &uuml;ber schikan&ouml;sen Gesetzen stehe. Das Internet funktionierte im ganzen Zentrum extrem schlecht, auch wenn die Anbieter Ma&szlig;nahmen bestritten. Die Sicherheitskr&auml;fte sperrten Stra&szlig;en und zeitweise U-Bahn-Stationen. Laut Polizei wurden rund 600, laut den B&uuml;rgerrechtlern von OWD-Info 1001 Menschen festgenommen, unter ihnen 14 Journalisten und 81 Minderj&auml;hrige. Die meisten davon seien jedoch nach kurzer Zeit wieder freigelassen worden. Etwa zwei Dutzend h&auml;tten die Nacht auf der Wache verbracht.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Auch Oppositionelle unter den Verhafteten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Festgenommen wurden auch Kommunalabgeordnete und zur Wahl der Moskauer Stadtverordnetenversammlung am 8. September zugelassene Kandidaten, die sich mit dem Anliegen der Oppositionskandidaten solidarisiert haben, die wegen angeblich fehlerhafter W&auml;hlerunterschriften ausgeschlossen wurden. Als eine der Ersten wurde Ljubow Sobol abgef&uuml;hrt, eine der wenigen ausgeschlossenen Kandidaten, die derzeit keine Arreststrafe absitzen. Die Mitstreiterin des Antikorruptionsk&auml;mpfers Alexej Nawalnyj wurde dann wegen einer Protestaktion von Mitte Juli zu der h&ouml;chstm&ouml;glichen Geldbu&szlig;e verurteilt, umgerechnet gut 4100 Euro. Dann wurde Sobol, die nach drei Wochen Hungerstreik geschw&auml;cht wirkte, vom Ermittlungskomitee bis in die Nacht im Verfahren wegen angeblicher &bdquo;Massenunruhen&ldquo; am 27. Juli verh&ouml;rt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bisher gilt Sobol dabei als Zeugin, aber das kann sich schnell &auml;ndern. Auch viele andere jetzt Festgenommene wurden nach den angeblichen &bdquo;Massenunruhen&ldquo; befragt, ohne Beistand von Anw&auml;lten. Auch wurde berichtet, dass den Leuten Essen und Trinken vorenthalten wurde. Laut der Nachrichtenagentur Interfax erlitt ein Nationalgardist w&auml;hrend der Protestaktion eine Schulterzerrung und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Gegen einen 23 Jahre alten Demonstranten wurde deswegen ein Strafverfahren er&ouml;ffnet.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">An einer anderen Stelle des Moskauer Zentrums forderte am Samstag eine gro&szlig;e Gruppe den R&uuml;cktritt von B&uuml;rgermeister Sergej Sobjanin, dem der Ausschluss der Kandidaten angelastet wird, und warf Pr&auml;sident Wladimir Putin in Sprechch&ouml;ren vor, ein &bdquo;Dieb&ldquo; zu sein. F&auml;lle von Korruption und G&uuml;nstlingswirtschaft im Machtapparat zu enth&uuml;llen d&uuml;rfte nun noch gef&auml;hrlicher werden: Am Samstag gab das Ermittlungskomitee bekannt, gegen Nawalnyjs Stiftung zum Kampf gegen Korruption wegen des Verdachts der Geldw&auml;sche zu ermitteln. Stiftungsmitarbeiter vermuteten, es gehe um die Spenden, mit denen sie ihre Arbeit finanzieren.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In Sankt Petersburg versammelten sich am Samstag nach offiziellen Angaben tausend, laut Beobachtern doppelt so viele Menschen zu einer Solidarit&auml;tsdemonstration mit den von der Stadtverordnetenwahl in Moskau ausgeschlossenen Kandidaten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/wie-brutal-sicherheitskraefte-in-russland-gegen-demonstranten-vorgehen-16317810.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/wie-brutal-sicherheitskraefte-in-russland-gegen-demonstranten-vorgehen-16317810.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Moskau gehen Sicherheitskr\u00e4fte mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t gegen Demonstranten vor. 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