{"id":63553,"date":"2019-07-29T09:06:01","date_gmt":"2019-07-29T09:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63553"},"modified":"2019-07-30T07:30:45","modified_gmt":"2019-07-30T07:30:45","slug":"pflanzliche-arzneimittel-der-fall-iberogast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63553","title":{"rendered":"Pflanzliche Arzneimittel: Der Fall Iberogast"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Magengrummeln, Sodbrennen und &Uuml;belkeit: Rund 10 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter den Symptomen eines Reizmagens.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Iberogast ist ein altbew&auml;hrtes Pflanzenextrakt gegen Magenbeschwerden. Nun steht es im Verdacht, Lebersch&auml;den zu verursachen. Nach einem Todesfall ermittelt die K&ouml;lner Staatsanwaltschaft.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">A<\/span>m Ende blieb nur eine Transplantation der kaputten Leber. Doch der 56-j&auml;hrigen Patientin der Uniklinik Leipzig half auch das nicht mehr: Sie starb an den Komplikationen der aufwendigen Operation. Ihre &Auml;rzte f&uuml;hrten an dem gesch&auml;digten Organ eine Reihe von Tests durch. Die Ergebnisse ver&ouml;ffentlichten sie Ende Juni im &bdquo;<em>A<\/em>merican Journal of Gastroenterology&ldquo;. Ihr &uuml;berraschendes Fazit: Die Sch&auml;den an der Leber wurden von dem pflanzlichen Magenmittel Iberogast verursacht.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Kr&auml;utertinktur ist nun ein Fall f&uuml;r die K&ouml;lner Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt einem Bericht des &bdquo;Handelsblatts&ldquo; zufolge im Fall Iberogast wegen fahrl&auml;ssiger T&ouml;tung gegen unbekannt. Ob die verstorbene Patientin der Uniklinik Leipzig diese Ermittlungen ausgel&ouml;st hat, l&auml;sst sich nur vermuten &ndash; bisher lehnen die K&ouml;lner Juristen jede Stellungnahme ab. Doch dies ist nur einer von vielen F&auml;llen, die das scheinbar harmlose, da rein pflanzliche Iberogast des Herstellers Bayer ins Zwielicht r&uuml;cken. Ein heikler Verdacht, denn das Magenmittel ist einer der Bestseller unter den apothekenpflichtigen Arzneien mit einem gesch&auml;tzten Jahresumsatz von 120 Millionen Euro.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Das gef&auml;hrliche Sch&ouml;llkraut<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Iberogast ist ein Gemisch von Extrakten aus neun verschiedenen Heilpflanzen. Problematisch ist vor allem das darin enthaltene Sch&ouml;llkraut <em>Chelidonium majus<\/em>. Das Gew&auml;chs ist seit der Antike f&uuml;r seine heilende Wirkung bekannt. In Mitteleuropa findet man das Kraut mit den gelben Bl&uuml;ten heute an Stra&szlig;enr&auml;ndern, Schuttpl&auml;tzen oder in Mauerspalten. Typisch ist der gelbe, extrem bittere Milchsaft, der aus abgebrochenen Stengeln tritt. Er enth&auml;lt mehr als 20 Verbindungen aus der wirkungsstarken Stoffgruppe der Alkaloide. Sie werden zusammenfassend als Chelidonin bezeichnet und verursachen in hohen Dosen, etwa nach dem Verschlucken des Krauts, schwere Vergiftungserscheinungen wie Kreislaufst&ouml;rungen und Erbrechen. Die Dosis macht jedoch bekanntlich das Gift, und so ist das Chelidonin eben auch f&uuml;r die traditionell zugeschriebenen und teilweise auch belegten Heilwirkungen des Sch&ouml;llkrauts verantwortlich, etwa als Tinktur gegen Warzen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Doch auch geringe Dosen von Chelidonin stehen schon l&auml;nger im Verdacht, in Einzelf&auml;llen schwere Lebersch&auml;den zu verursachen. Aus diesem Grund widerrief das Bundesinstitut f&uuml;r Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM, bereits 2008 die Zulassung f&uuml;r Arzneimittel mit einer Tagesdosis Chelidonin von mehr als 2,5 Milligramm. Ab einem Tausendstel davon, also 2,5 Mikrogramm, verlangte das BfArM zumindest die Aufnahme von Warnhinweisen auf eine m&ouml;gliche Lebertoxizit&auml;t in den Beipackzettel. Wie viel Chelidonin genau in Iberogast enthalten ist, wird in den Produktinformationen nicht aufgef&uuml;hrt. Nach Angaben von Bayer liegt die Tagesdosis bei rund 0,3 Milligramm &ndash; und somit deutlich &uuml;ber der verweisfreien Menge.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Pharmakonzern legte Widerspruch gegen die <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/bfarm\" title=\"BfArM\">BfArM<\/a>-Auflagen ein. Das Verfahren stockte zehn Jahre lang, in der Zwischenzeit durfte Bayer sein Produkt weiterhin ohne die geforderten Warnhinweise verkaufen. Bayer argumentiert, dass Iberogast schlie&szlig;lich schon seit 1961 auf dem Markt ist. 80 Millionen zufriedene Kunden spr&auml;chen f&uuml;r den Nutzen der Kr&auml;utertropfen. Das Sch&ouml;llkraut-Extrakt sei so niedrig dosiert, dass es keine Risiken mit sich bringe, Warnhinweise seien demnach unbegr&uuml;ndet.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/iberogast-verdacht-auf-verursachung-von-leberschaeden-16305466.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/iberogast-verdacht-auf-verursachung-von-leberschaeden-16305466.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iberogast ist ein altbew\u00e4hrtes Pflanzenextrakt gegen Magenbeschwerden. Nun steht es im Verdacht, Lebersch\u00e4den zu verursachen. 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