{"id":63527,"date":"2019-07-22T15:17:06","date_gmt":"2019-07-22T15:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63527"},"modified":"2019-07-30T07:29:46","modified_gmt":"2019-07-30T07:29:46","slug":"geschmackssache-lieber-calamaretti-als-kompressoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63527","title":{"rendered":"Geschmackssache: Lieber Calamaretti als Kompressoren"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">K&uuml;chenchef des &bdquo;Esszimmer&ldquo; Bobby Br&auml;uer<\/div>\n<p class=\"post_description\">Freude am Fahren liegt den Deutschen im Blut. Viel Spa&szlig; am Essen k&ouml;nnen sie aber auch haben, wenn sie nur wollen &ndash; und besonders ausgiebig in Bobby Br&auml;uers &bdquo;Esszimmer&ldquo; in der M&uuml;nchner BMW-Welt.<\/p>\n<style type=\"text\/css\">#tile4adlabel:after{content:\"\"} #tile4adlabel:before{content:\"anzeige\"}<\/style>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">I<\/span>st es einer Kulturnation wie der bayerischen angemessen, dass ihre beliebteste Sehensw&uuml;rdigkeit keine Pinakothek und auch kein M&auml;rchenk&ouml;nigsschloss, sondern das Repr&auml;sentationsgeb&auml;ude eines Automobilherstellers ist? Ist es Anlass zum Kulturpessimismus, dass sich nur ein Bruchteil der 3,2 Millionen Besucher von M&uuml;nchens <a href=\"https:\/\/www.bmw-welt.com\/de.html\">BMW-Welt<\/a> f&uuml;r deren gr&ouml;&szlig;te Attraktion, n&auml;mlich das &bdquo;Esszimmer&ldquo;, interessieren, weil sie die dort geschaffenen Werke nicht als Teil ihrer Kultur begreifen? Nein, das ist es nicht, denn wir sind nun einmal ein Volk, das keine Bouillon, sondern Benzin im Blut hat und f&uuml;r eine Flasche <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"3a35274fc2f40ffb8f52a642d0a8b29c2fe244aa\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/thema\/wein\">Wein<\/a> im Durchschnitt kaum mehr als f&uuml;r einen Liter Sprit ausgibt. Und dar&uuml;ber zu klagen w&auml;re das m&uuml;&szlig;ige Lamento &uuml;ber die Unver&auml;nderbarkeit des Unver&auml;nderlichen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bobby Br&auml;uer hat ohnehin keinen Grund zur Klage. Er verantwortet alle acht Restaurants des BMW-Kosmos, k&uuml;mmert sich noch um jeden vertrockneten Blumenk&uuml;bel, hat aber auch Zeit und Mu&szlig;e genug f&uuml;r das Herz- und Lieblingsst&uuml;ck seines kulinarischen Kleinimperiums: das &bdquo;Esszimmer&ldquo;, das wie eine Kaiserloge auf einer verglasten Empore mitten in dem Luxusautohaus thront und der technizistisch k&uuml;hnen K&uuml;hle des Baus eine Atmosph&auml;re zwischen Lounge und Wohnzimmer entgegensetzt. Die Teppiche sind flauschig, vor einem offenen Kamin stehen Lounge Chairs von Charles Eames, auf Holzregalen B&uuml;cher, Vasen, Karaffen und ein Jugendbildnis des Chefs, der in seiner Schulzeit der &bdquo;Bravo&ldquo; Modell stand. Und auf den Tisch kommt eine K&uuml;che, die ihren G&auml;sten nichts anderes als Freude am Essen verschaffen will.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Geschmack frei von stilistischen Grenzen<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Von der ersten Sekunde an l&auml;sst Bobby Br&auml;uer keinen Zweifel daran, dass er ein Alter erreicht hat, in dem man sich keinen Dogmen mehr unterwerfen muss, weder geographischen noch stilistischen und schon gar keinen modischen. Von dieser Unbek&uuml;mmertheit der Weisheit des Alters zeugen ein gr&uuml;nes Gazpacho und eine Sobrassada-Creme mit schwarzem Knoblauch oder eine Renke mit Saiblingskaviar und eine Gelbschwanzmakrele mit Mango, Buttermilch und Brunnenkresse als vier Miniaturen ohne den minimalsten technischen Makel, die sich unter keinem anderen Etikett als der k&uuml;nstlerischen Kochfreiheit subsumieren lassen.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Schubladen vermisst man bei Br&auml;uer auch nicht, solange man sein T&auml;ubchen aus Anjou mit Miso, Mispel und Mair&uuml;bchen essen darf, ein Wunderwesen von solcher Zartheit, solcher Weichheit, solchem Sanftmut, als habe der Chef Picassos Friedenstaube in die Pfanne gehauen. Das mag keine kulinarische Gegenwartskunst sein, doch manchmal ist die klassische Moderne eben nicht zu &uuml;bertreffen. Und dass Br&auml;uer die Klassik auch virtuos variieren kann, zeigt er gleich danach mit seiner G&auml;nseleber: Sie wird pochiert und schwimmt als eine Art extrem verfeinertes Luxusmarkkl&ouml;&szlig;chen in einer Erbsenessenz mit frischen Erbsen, leicht aromatisiert mit Birne und Kardamom. Und statt des traditionellen, backsteinschweren Brioche gibt es eine federleichte Variante mit Dattel, auf die eine roh marinierte G&auml;nseleber fein wie S&auml;gesp&auml;ne gehobelt ist.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/bobby-braeuer-ist-koch-im-esszimmer-der-bmw-welt-16291766.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/bobby-braeuer-ist-koch-im-esszimmer-der-bmw-welt-16291766.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freude am Fahren liegt den Deutschen im Blut. 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