{"id":63416,"date":"2019-07-30T06:08:22","date_gmt":"2019-07-30T06:08:22","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63416"},"modified":"2019-07-30T07:26:27","modified_gmt":"2019-07-30T07:26:27","slug":"urteil-und-verhandlung-die-euro-rettung-vor-deutschlands-hochstem-gericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=63416","title":{"rendered":"Urteil und Verhandlung: Die Euro-Rettung vor Deutschlands h\u00f6chstem Gericht"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Jetzt hat das Verfassungsgericht das Wort.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Bankenunion und Anleihek&auml;ufe: Das Bundesverfassungsgericht &auml;u&szlig;ert sich in dieser Woche dazu, ob es zentrale Entscheidungen w&auml;hrend der Eurokrise f&uuml;r rechtens h&auml;lt.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">I<\/span>nfolge der Eurokrise haben die Mitgliedsl&auml;nder der W&auml;hrungsunion und die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"336282934f8e902b1bd5c2564a1a9376f25c66fb\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/ezb\">Europ&auml;ische Zentralbank<\/a> Ma&szlig;nahmen ergriffen, die gerade in Deutschland nach wie vor umstritten sind. Die Auseinandersetzung dar&uuml;ber findet teilweise vor Gericht statt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In dieser Woche geben Deutschlands h&ouml;chste Richter nun ihre Sicht auf wichtige damit zusammenh&auml;nge Angelegenheiten bekannt. Am Dienstag verk&uuml;ndet das <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"98a77067226069e563290973588d91632f631b51\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/bundesverfassungsgericht\">Bundesverfassungsgericht<\/a> nicht nur das Urteil zur europ&auml;ischen Bankenunion (Az. 2 BvR 1685\/14 u.a.). Es verhandelt gleich im Anschluss eineinhalb Tage lang (30.\/31. Juli) &uuml;ber die umfangreichen Anleihenk&auml;ufe der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB) (Az. 2 BvR 859\/15 u.a.). Darum geht es:<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Geht die europ&auml;ische Bankenaufsicht zu weit?<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Zum Schutz vor neuen Finanzkrisen werden die gr&ouml;&szlig;ten Banken und Bankengruppen in der W&auml;hrungsunion seit dem Jahr 2014 zentral von Frankfurt aus &uuml;berwacht. Aktuell betrifft das 114 &bdquo;bedeutende&ldquo; Institute, davon 19 in Deutschland. Etwa 1100 Aufseher, die bei der EZB angesiedelt sind, pr&uuml;fen regelm&auml;&szlig;ig den Gesch&auml;ftsbetrieb dieser Geldh&auml;user. F&uuml;r die ungef&auml;hr 1400 &bdquo;weniger bedeutenden&ldquo; deutschen Institute sind nach wie vor die nationale Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank zust&auml;ndig.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Zweite S&auml;ule der Bankenunion ist ein gemeinsamer Fonds, um Geldh&auml;user in Schieflage notfalls abwickeln zu k&ouml;nnen. Er wird von einem Gremium in Br&uuml;ssel verwaltet. Das Geld zahlen die Banken ein. Bis zum Jahr 2024 sollen so sch&auml;tzungsweise 55 Milliarden Euro zusammenkommen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Kl&auml;ger um den Berliner Finanzwissenschaftler Markus Kerber (&bdquo;Europolis&ldquo;-Gruppe) halten beides f&uuml;r verfassungswidrig. Deutschland &uuml;bernehme unkontrollierbare Haftungsrisiken f&uuml;r den Bundeshaushalt, habe aber potentiell nichts mehr zu sagen. F&uuml;r die &Uuml;bertragung derart weitreichender Kompetenzen gebe es keine rechtliche Grundlage.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In der Verhandlung im November hatte der Zweite Senat unter Gerichtspr&auml;sident <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"755621d41f608ef46aed8fd06ab8628e425744ff\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/andreas-vosskuhle\">Andreas Vo&szlig;kuhle<\/a> unter anderem kritisch hinterfragt, ob Geldpolitik und Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB sauber genug getrennt sind. Eine M&ouml;glichkeit w&auml;re gewesen, dass die Richter den Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg einschalten. Darauf verzichten sie aber und verk&uuml;nden nun direkt ihr Urteil.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Nimmt sich die EZB zu viele Freiheiten heraus?<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Brisanter als der Urteil zur Bankenunion d&uuml;rfte das Verfahren zu den milliardenschweren Staatsanleihen-K&auml;ufen der EZB werden. Denn die Verfassungsrichter hatten schon im Sommer 2017 ernste Bedenken gegen die Geldpolitik der Euro-W&auml;hrungsh&uuml;ter angemeldet. In einer Vorlage an den <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"4199423f2037348dacd6478f65f221054d353704\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/europaeischer-gerichtshof\">EuGH<\/a> legten sie dar, wo sie &uuml;berall Schwierigkeiten sehen. Davon unbeeindruckt urteilten die Luxemburger Richter im Dezember 2018, dass die K&auml;ufe rechtens seien.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die spannende Frage ist, ob Karlsruhe das so hinnimmt. In der Tendenz haben sich die deutschen Richter zwar mehr und mehr zur&uuml;ckgenommen. In gravierenden F&auml;llen behalten sie sich aber vor einzuschreiten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Zur Ankurbelung von Inflation und Konjunktur hat die EZB seit M&auml;rz 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 2,6 Billionen Euro erworben. Seit Januar 2019 wird daf&uuml;r kein frisches Geld mehr ausgegeben. Die Mittel aus auslaufenden Staats- und Unternehmenspapieren investiert die Notenbank aber wieder. Und EZB-Pr&auml;sident Mario Draghi hat nun schon mehrfach gesagt, dass neue Anleihenk&auml;ufe denkbar w&auml;ren.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Richter hegen den Verdacht, dass die EZB damit das Verbot der Staatsfinanzierung unterl&auml;uft. Au&szlig;erdem &uuml;berspannt sie m&ouml;glicherweise ihr Mandat, indem sie mehr wirtschafts- als w&auml;hrungspolitisch agiert. Das ist in der EU den nationalen Regierungen vorbehalten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Verhandelt wird &uuml;ber vier Verfassungsbeschwerden. Unter den Kl&auml;gern ist wiederum Kerber, au&szlig;erdem der fr&uuml;here CSU-Vize Peter Gauweiler und AfD-Mitbegr&uuml;nder Bernd Lucke. Sie sehen sich als W&auml;hler und Steuerzahler in ihren Mitbestimmungsrechten verletzt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im &auml;u&szlig;ersten Fall k&ouml;nnten die Richter eine deutsche Beteiligung an Anleihenk&auml;ufen der EZB untersagen. Bundesregierung und Bundestag k&ouml;nnten sie verpflichten, auf eine Anpassung oder Beendigung hinzuwirken. Das Urteil wird vielleicht noch dieses Jahr verk&uuml;ndet.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/konjunktur\/die-euro-rettung-vor-deutschlands-hoechstem-gericht-16306453.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/konjunktur\/die-euro-rettung-vor-deutschlands-hoechstem-gericht-16306453.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bankenunion und Anleihek\u00e4ufe: Das Bundesverfassungsgericht \u00e4u\u00dfert sich in dieser Woche dazu, ob es zentrale Entscheidungen w\u00e4hrend der Eurokrise f\u00fcr rechtens h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":63441,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[329],"tags":[784,298,1000,6654,1397,501,15050],"class_list":["post-63416","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-finanzen","tag-bundesanstalt-fur-finanzdienstleistungsaufsicht","tag-bundesverfassungsgericht","tag-deutsche-bundesbank","tag-eugh","tag-euro-rettung","tag-ezb","tag-markus-kerber"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63416\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}