{"id":62954,"date":"2019-07-03T15:05:29","date_gmt":"2019-07-03T15:05:29","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62954"},"modified":"2019-07-08T09:41:12","modified_gmt":"2019-07-08T09:41:12","slug":"durch-bundesgerichtshof-freispruch-fur-arzte-in-zwei-sterbehilfe-fallen-bestatigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62954","title":{"rendered":"Durch Bundesgerichtshof: Freispruch f\u00fcr \u00c4rzte in zwei Sterbehilfe-F\u00e4llen best\u00e4tigt"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Zwei &Auml;rzte, eine Haltung: Friedrich Spittler (links) und Christoph Turowski vor Gericht<\/div>\n<p class=\"post_description\">Ein Arzt, der einen Patienten nicht vom Suizid abh&auml;lt, kann daf&uuml;r nicht strafrechtlich belangt werden. Das hat der Bundesgerichtshof am Mittwoch in Leipzig entschieden. Es ging um zwei konkrete F&auml;lle.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>er Bundesgerichtshof (BGH) hat am Mittwoch den Freispruch von zwei &Auml;rzten aus Berlin und Hamburg best&auml;tigt, die Selbstt&ouml;tungen begleitet sowie Ma&szlig;nahmen zur Rettung unterlassen haben. Das Gericht st&auml;rkte zugleich das Selbstbestimmungsrecht von Menschen, die Suizid begehen. Der Vorsitzende Richter des in Leipzig ans&auml;ssigen f&uuml;nften BGH-Strafsenats erkl&auml;rte: &bdquo;Bei einem freiverantwortlichen Suizid kann der Arzt, der die Umst&auml;nde kennt, nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen verpflichtet werden, gegen den Willen des Suizidenten zu handeln.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Richter betonte, dass in beiden F&auml;llen weder das &auml;rztliche Standesrecht noch die in Ungl&uuml;cksf&auml;llen jedermann obliegende Hilfspflicht in strafbarer Weise verletzt worden sei. &bdquo;Da die Suizide, wie die Angeklagten wussten, sich jeweils als Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der sterbewilligen Frauen darstellten, waren Rettungsma&szlig;nahmen entgegen ihrem Willen nicht geboten&ldquo;, so die Begr&uuml;ndung.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich entt&auml;uscht von dem Urteil. &bdquo;Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs macht &uuml;berdeutlich, wie wichtig das Verbot der gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;igen F&ouml;rderung der Selbstt&ouml;tung ist&ldquo;, sagte Vorstand Eugen Brysch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Blick auf das anh&auml;ngige Verfahren beim Bundesverfassungsgericht. &Uuml;berdies sei der Freispruch f&uuml;r den Berliner Hausarzt &bdquo;unverst&auml;ndlich&ldquo;, der seiner Patientin ein Suizidmittel &uuml;berlassen hatte. &bdquo;Tagelanges Ringen mit dem Tod, Hausbesuche zur Todesfeststellung und aktive medizinische Hilfestellung sind keine Sterbebegleitung oder palliative Therapie&ldquo;, so Brysch.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Verein &bdquo;Sterbehilfe Deutschland&ldquo; wertete das Urteil als &bdquo;epochale Abkehr&ldquo; von fr&uuml;heren Entscheidungen des BGH. 1984 hatte das Gericht entschieden, dass der Sterbehelfer zur Lebensrettung verpflichtet ist, sobald der Suizident bewusstlos geworden ist. &bdquo;Mit dieser unw&uuml;rdigen Situation ist nun Schluss. Sterbehelfer d&uuml;rfen k&uuml;nftig beim Sterbenden bleiben, weil dessen Sterbewunsch auch nach Eintritt der Bewusstlosigkeit beachtlich bleibt.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Hamburger Fall war der Arzt 2012 vereinbarungsgem&auml;&szlig; anwesend, als sich zwei 85 und 81 Jahre alte Frauen mittels von ihm empfohlener Medikamente selbst das Leben nahmen. Beide litten an mehreren nicht lebensbedrohlichen, aber ihre Lebensqualit&auml;t und Handlungsm&ouml;glichkeiten zunehmend einschr&auml;nkenden Krankheiten und hatten sich das Mittel zur Selbstt&ouml;tung selbst besorgt. Der Arzt beobachtete die Einnahme der Medikamente und protokollierte den Sterbevorgang. Nach Eintritt der Bewusstlosigkeit leitete er dem Wunsch beider Frauen entsprechend keine Rettungsbem&uuml;hungen ein, stellte dann den Tod fest und rief die Feuerwehr.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Berliner Fall hatte der Angeklagte 2013 einer Patientin Zugang zu einem Medikament zur Selbstt&ouml;tung verschafft. Die 44-j&auml;hrige Frau litt seit ihrem 16. Lebensjahr an einer nicht lebensbedrohlichen, aber starke krampfartige Schmerzen verursachenden Erkrankung und hatte ihren langj&auml;hriger Hausarzt um Hilfe beim Sterben gebeten. Nachdem sie das Medikament eingenommen hatte, besuchte er die Bewusstlose regelm&auml;&szlig;ig, wie von ihr zuvor gew&uuml;nscht, w&auml;hrend des drei Tage dauernden Sterbens. Lebensrettende Ma&szlig;nahmen unterlie&szlig; er.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/bgh-bestaetigt-freispruch-fuer-aerzte-in-zwei-sterbehilfe-faellen-16266942.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/bgh-bestaetigt-freispruch-fuer-aerzte-in-zwei-sterbehilfe-faellen-16266942.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Arzt, der einen Patienten nicht vom Suizid abh\u00e4lt, kann daf\u00fcr nicht strafrechtlich belangt werden. Das hat der Bundesgerichtshof am Mittwoch in Leipzig entschieden. 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