{"id":62692,"date":"2019-06-11T12:10:43","date_gmt":"2019-06-11T12:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62692"},"modified":"2019-07-01T13:28:54","modified_gmt":"2019-07-01T13:28:54","slug":"die-assel-landkrebs-mit-lowenmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62692","title":{"rendered":"Die Assel: Landkrebs mit L\u00f6wenmut"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Ekel ist bei der Kellerassel eigentlich unangebracht. Die Tierchen sind reinlich und kinderlieb. Hier ein Exemplar unter dem Elektronenmikroskop in 55-facher Vergr&ouml;&szlig;erung.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Asseln werden bei Forschern immer beliebter. Eigentlich sollten die Krustentiere nur vor Umweltschadstoffen warnen. Dann zeigten sie pl&ouml;tzlich Pers&ouml;nlichkeit.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">S<\/span>till liegt der See, inmitten von W&auml;ldern. Wer einen Geigerz&auml;hler mitbringt, der kann ihn aufgeregt klackern h&ouml;ren. Das havarierte Atomkraftwerk von Tschernobyl ist nur zehn Kilometer entfernt. Ein Mann taucht einen kleinen K&auml;scher in das klare Wasser und fischt damit &uuml;ber die alten Bl&auml;tter auf dem Boden. Seine Beute: viele Dutzend gepanzerte Wesen, die auf ihren sieben Beinpaaren erstaunlich schnell flitzen k&ouml;nnen. Aber in dem Eimer k&ouml;nnen sie nicht entkommen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Mann ist Neil Fuller, Doktorand am Institute of Marine Sciences an der Universit&auml;t von Portsmouth. Fuller m&ouml;chte verstehen, wie Lebewesen in radioaktiv verseuchtem Wasser zurechtkommen. Er war auch schon in Fukushima. Was er jetzt in der Ukraine sammelt, das sind Wasserasseln der Art Asellus aquaticus, wie es sie in ganz Europa gibt. Und sie haben die hohe Strahlendosis im Glubokoje-See offenbar erstaunlich unbeschadet &uuml;berstanden. Fuller wird sich die Segmente genau ansehen, aus denen ihr K&ouml;rper zusammengesetzt ist. In diesem See erwartet er Deformationen. Und er wird die Eier der tr&auml;chtigen Weibchen z&auml;hlen, die sie unter ihrem Bauch spazieren tragen. Es werden wohl nicht sehr viele sein. Er begutachtet, z&auml;hlt und findet: nichts. Jedes einzelne der sieben Segmente des Brustpanzers ist wunderbar symmetrisch ausgebildet. Und die Weibchen haben viele, pr&auml;chtig entwickelte Kinder im Gep&auml;ck.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Rund um Tschernobyl ist &uuml;berall Wasser. Aber das meiste davon ist mit dem Fluss Prypjat verbunden. Mit der Zeit hat er die Strahlung abflie&szlig;en lassen. Der Glubokoje-See jedoch geh&ouml;rt zu sechs Seen ohne Flusszugang. Nachdem die kurzlebigen Radioisotope zerfallen sind, haben sich dort heute vor allen noch 137-Caesium und 90-Strontium angereichert. Der Glubokoje-See ist mit 27 Mikrosievert pro Stunde der radioaktivste. Seine strahlende Fracht hat sich vor allem auch am Grund der Gew&auml;sser abgesetzt, wo die Wasserasseln fressen. &bdquo;Wir untersuchten sechs verschiedene Seen mit unterschiedlichen Belastungen. Wir hatten erwartet, dass wir umso mehr Deformationen und umso weniger gut entwickelte Eier finden, je h&ouml;her die Strahlenbelastung ist&ldquo;, schreibt Fuller. &bdquo;Aber das war falsch. Ausgerechnet bei den Asseln gibt es offenbar gar keinen Effekt der Strahlung.&ldquo;<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Ideale Hinweisgeber f&uuml;r die Verschmutzung eines &Ouml;kosystems<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Asseln galten eigentlich als ideale Hinweisgeber f&uuml;r die Verschmutzung eines &Ouml;kosystems. Sie ern&auml;hren sich von den Resten des Lebens, die sich am Boden sammeln. Alte Bl&auml;tter, kleine Kadaver. Sie fressen alles zweimal. Einmal, wenn es in seiner urspr&uuml;nglichen Form herumliegt. Und ein zweites Mal, weil sie auch noch den Kot wieder verputzen, den sie daraus machen. Ob Schwermetalle oder Medikamente &ndash; was auch immer Menschen in die Umwelt gebracht haben, in den Asseln muss es sich anreichern.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Asseln geh&ouml;ren wie Hummer oder Krabben zu den H&ouml;heren Krebsen. Wasserfl&ouml;he geh&ouml;ren ebenfalls in diese Gruppe. Auch bei ihnen gab es Untersuchungen in radioaktivem Milieu. Sie waren ab einer chronischen Strahlenexposition mit 137-Caesium von sieben Mikrogray pro Stunde deutlich beeintr&auml;chtigt. Weniger Weibchen trugen Eier. Und die DNA dieser Embryonen zeigte deutliche Strahlensch&auml;den. Fuller kann noch nicht erkl&auml;ren, was die Wasserasseln anders machen. Er ist sich auch noch nicht sicher, ob Wasserasseln in einem englischen T&uuml;mpel genauso reagiert h&auml;tten wie in dem seit 1986 kontaminierten Glubokoje-See. &bdquo;Es k&ouml;nnte sein, dass sich die Asseln rund um Tschernobyl durch zuf&auml;llige Mutationen an die Radioaktivit&auml;t angepasst haben. Es sind seitdem ja schon drei&szlig;ig Generationen. Es k&ouml;nnte auch sein, dass sie eben einfach damit zurechtkommen.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/landkrebs-mit-loewenmut-was-wissen-sie-ueber-die-assel-16216729.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/landkrebs-mit-loewenmut-was-wissen-sie-ueber-die-assel-16216729.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Asseln werden bei Forschern immer beliebter. Eigentlich sollten die Krustentiere nur vor Umweltschadstoffen warnen. 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