{"id":62680,"date":"2019-06-17T06:28:10","date_gmt":"2019-06-17T06:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62680"},"modified":"2019-07-01T13:27:58","modified_gmt":"2019-07-01T13:27:58","slug":"neurologie-musik-verandert-die-chemie-des-hirns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62680","title":{"rendered":"Neurologie: \u201eMusik ver\u00e4ndert die Chemie des Hirns\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Stefan K&ouml;lsch h&auml;lt nichts von Stradivaris. Unsere Neuronen gaukeln uns nur vor, dass sie besser klingen, weil sie so wahnsinnig teuer sind.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Der Geiger und Neurowissenschaftler Stefan K&ouml;lsch &uuml;ber Walges&auml;nge, die ersten Instrumente der Weltgeschichte, Parkinson-Patienten, die Walzer tanzen, und seine kindliche Liebe zur Marschmusik.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><strong>Herr Professor K&ouml;lsch, Sie behaupten, Musik &ndash; Ihr zentrales Forschungsgebiet &ndash; habe &bdquo;heilende Kraft&ldquo;. Wogegen denn?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Insbesondere nach Schlaganf&auml;llen, bei Parkinson, Alzheimer und Depressionen sind positive Effekte durch Musik gut belegt. Und es gibt sogar Hinweise, dass Musikh&ouml;ren das Leben generell verl&auml;ngert.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Steven Pinker, ein Psychologieprofessor in Harvard, hat Musik einmal als &bdquo;auditory cheesecake&ldquo; bezeichnet &ndash; &bdquo;K&auml;sekuchen f&uuml;r die Ohren&ldquo;. Angenehm, aber unwichtig.<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Pinker blickt nicht &uuml;ber den Tellerrand seiner &uuml;bers&auml;ttigten amerikanischen Kultur hinaus. Dadurch entgeht ihm das Wesentliche. Auch f&uuml;r Bildungsb&uuml;rger in Mitteleuropa mag ein Besuch im Konzertsaal Luxus sein. Ber&uuml;cksichtigt man, was Musik in Extremsituationen zu leisten vermag, relativiert sich Steven Pinkers Aussage.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Denken Sie etwa an die legend&auml;re Endurance-Expedition: Im Januar 1915 froren Ernest Shackleton und seine M&auml;nner mit ihrem Forschungsschiff in der Eish&ouml;lle der Antarktis fest. Die Temperaturen sinken dort auf bis zu minus 90 Grad. Das Schiff wurde vom Eis zerquetscht. Den M&auml;nnern froren Zehen ab. Sie schrien vor Schmerzen, wollten nur noch sterben. Da holte ein Mitglied von Shackletons Team sein Banjo heraus und stimmte Lieder an. Alle sangen gemeinsam &ndash; und sch&ouml;pften neuen Mut. Immer wieder. Wochenlang. Ohne Musik h&auml;tten etliche aus seiner Mannschaft diese Expedition nicht &uuml;berlebt, schrieb Shackleton sp&auml;ter.<\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Stimmt es, dass regelm&auml;&szlig;iges Musizieren das Gehirn ver&auml;ndert?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Schon beim Musikh&ouml;ren werden hilfreiche Botenstoffe im Hirn freigesetzt. Die ganze Gehirn-Chemie ver&auml;ndert sich. Singt oder musiziert man aktiv, sind diese Effekte noch deutlich st&auml;rker. Mit der Zeit &auml;ndert sich sogar die Anatomie des Gehirns: Neue neuronale Verkn&uuml;pfungen bilden sich. Die Nervenleitungen werden dicker und k&ouml;nnen Informationen schneller &uuml;bermitteln.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Gibt es im Gehirn denn so etwas wie ein &bdquo;Musik-Zentrum&ldquo;?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das wurde lange vermutet. In Wirklichkeit aber sind sowohl beim Musizieren als auch beim Musikh&ouml;ren sehr viele unterschiedliche neuronale Netzwerke beteiligt. Die Aktivierung des Neokortex in der rechten Hirnh&auml;lfte ist bei Musik allerdings st&auml;rker als diejenige in der linken &ndash; bei Sprache verh&auml;lt es sich genau umgekehrt. Es f&auml;llt aber auch auf, dass die komplexen Gehirnstrukturen f&uuml;r Sprache und Musik einander &uuml;berlappen. Das bietet f&uuml;r Schlaganfallpatienten mit Sprachst&ouml;rungen Chancen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Weshalb?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nach einem Schlaganfall in der linken Hirnh&auml;lfte sind die Sprachf&auml;higkeiten meist stark beeintr&auml;chtigt. Die rechte Hirnh&auml;lfte aber funktioniert weiter normal, und man kann etwa Lieder wie &bdquo;Fuchs, du hast die Gans gestohlen&ldquo; noch abrufen. Und zwar sowohl Melodie als auch Text. Trainiert man das gezielt, regenerieren sich mit der Zeit meist auch allgemeine Sprachf&auml;higkeiten. Die Musik hilft der Sprache also gleichsam wieder auf die Spr&uuml;nge. Betroffene beginnen im Alltag einfache Mitteilungen wie: &bdquo;Ich geh einkaufen&ldquo; &ndash; die sie nicht aussprechen k&ouml;nnen &ndash; zu singen. Und &uuml;ber diesen Umweg lernen nicht wenige mit der Zeit wieder, recht flie&szlig;end &bdquo;normal&ldquo; zu sprechen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\"><strong>Sie haben Geige studiert. Doch am ersten Tag nach Ihrem Abschlusskonzert am Konservatorium schrieben Sie sich an der Uni f&uuml;r Psychologie und Soziologie ein. Zu viel Lampenfieber f&uuml;r eine Karriere als Musiker?<\/strong><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nein. W&auml;hrend des Musikstudiums kollabierte mein rechter Lungenfl&uuml;gel. Ein ganzes Jahr lang musste ich mich schonen und durfte nur wenig &uuml;ben. Um mich zu besch&auml;ftigen, besuchte ich an der Uni alle m&ouml;glichen Vorlesungen: Philosophie, Sprachwissenschaft, Psychologie. Eine neue Welt tat sich f&uuml;r mich auf. Und der Wissensdrang lie&szlig; mich nie mehr los. Besonders begann mich die Frage zu interessieren, was Musik im Gehirn ausl&ouml;st &ndash; der sp&auml;tere Hauptschwerpunkt meiner Forschung.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-geiger-und-neurowissenschaftler-stefan-koelsch-16228466.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-geiger-und-neurowissenschaftler-stefan-koelsch-16228466.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Geiger und Neurowissenschaftler Stefan K\u00f6lsch \u00fcber Walges\u00e4nge, die ersten Instrumente der Weltgeschichte, Parkinson-Patienten, die Walzer tanzen, und seine kindliche Liebe zur Marschmusik.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":62685,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5435,429],"tags":[19868,925,8182,5267,4035,19869,19867],"class_list":["post-62680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin-ernahrung","category-wissen","tag-ernest-shackleton","tag-harvard","tag-hirn","tag-neurowissenschaften","tag-parkinson","tag-stefan-kolsch","tag-steven-pinker"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62680"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62680\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}