{"id":62099,"date":"2019-06-14T07:16:28","date_gmt":"2019-06-14T07:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62099"},"modified":"2019-06-18T08:29:26","modified_gmt":"2019-06-18T08:29:26","slug":"auktion-in-paris-van-goghs-mutmaslicher-suizidrevolver-wird-versteigert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=62099","title":{"rendered":"Auktion in Paris: Van Goghs \u201emutma\u00dflicher Suizidrevolver\u201c wird versteigert"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Der verrostete Lefaucheux-Revolver, durch den Vincent van Gogh get&ouml;tet worden sein soll.<\/div>\n<p class=\"post_description\">In Paris wird die Waffe versteigert, mit der sich Vincent van Gogh erschossen haben soll. Bis heute steht die Frage im Raum: Wollte der ber&uuml;hmte K&uuml;nstler sterben?<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">S<\/span>p&auml;t am Abend kehrte <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"3b24ea2812b4d26cafe7a7d9af60d6daf70bc421\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/vincent-van-gogh\">Vincent van Gogh<\/a> an jenem 27. Juli von einem Spaziergang in die Auberge Ravoux zur&uuml;ck. Die zw&ouml;lfj&auml;hrige Adeline Ravoux, die van Gogh erst wenige Wochen zuvor gemalt hatte, sah ihn kommen und auf sein Zimmer gehen. &bdquo;Vincent ging gebeugt&ldquo;, erz&auml;hlte sie sp&auml;ter. Merkw&uuml;rdig habe er ausgesehen, als er die Treppe hinaufstieg. Sie und ihr Vater, Arthur-Gustave Ravoux, lauschten eine Weile an der T&uuml;r. Als sie glaubten, ein St&ouml;hnen zu vernehmen, seien sie hineingegangen, erinnerte sich Adeline Ravoux. &bdquo;Was ist los? Sind sie krank?&ldquo;, habe ihr Vater gefragt. Vincent habe nur sein Hemd hochgezogen und ihnen eine kleine Wunde direkt unter seinem Herzen gezeigt. &bdquo;Malheureux, was haben Sie getan?&ldquo; &ndash; &bdquo;Ich habe versucht, mich umzubringen.&ldquo; An seiner Aussage hielt der Schwerverletzte auch am n&auml;chsten Morgen fest, als ihn zwei Polizisten befragten: Man solle blo&szlig; keinen anderen beschuldigen, sagte van Gogh, es sei seine freie Entscheidung gewesen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ob sich Vincent van Gogh tats&auml;chlich selbst in die Brust schoss, ist bis heute nicht eindeutig gekl&auml;rt. Falls er es aber getan hat, dann m&ouml;glicherweise mit einem Revolver, der 1960 auf dem Feld gefunden wurde, &uuml;ber das Van Gogh am 27. Juli 1890 ein letztes Mal gegangen war. Das Kaliber, sieben Millimeter, w&uuml;rde zu der Kugel passen, die in seinem K&ouml;rper steckte. Auch die geringe Feuerkraft der Waffe scheint plausibel: Die Kugel bohrte sich n&auml;mlich nicht tief in den K&ouml;rper ein. Sie prallte stattdessen an einer Rippe ab und wanderte von dort in den Bauchraum. So konnte oder wollte sie der herbeigerufene Arzt Paul Gachet nicht entfernen. Die geringe Feuerkraft w&uuml;rde zudem erkl&auml;ren, warum van Gogh an seinen Verletzungen nicht sofort starb, sondern erst nach gut 30 Stunden.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">&bdquo;Ich wollte, es w&auml;re nun zu Ende.&ldquo;<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">So konnte sich Vincents Bruder <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"b3694310ebf5dd9b79a9f5d5656939445ed0cc90\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/theo-van-gogh\">Theo<\/a> noch von ihm verabschieden. Theo van Gogh war fr&uuml;h am 28. Juli von Paris ins 30 Kilometer entfernte Auvers-sur-Oise gefahren, wo er den Sterbenden friedlich und Pfeife rauchend in seinem Bett vorfand. Die beiden blieben zusammen, bis Vincent am 29. Juli starb. Seine letzten &ndash; &uuml;berlieferten &ndash; Worte: &bdquo;Ich wollte, es w&auml;re nun zu Ende.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Damit schien alles gesagt. Ein Lebensm&uuml;der hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Doch Vincent van Gogh hatte die schlimmsten Monate eigentlich schon hinter sich, war wieder zu Kr&auml;ften gekommen. Im Oktober 1888 hatte er sich im Wahn sein linkes Ohr abgeschnitten (oder hatte es ihm <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"4d6fd1f97e182caaace444180bd76bf99865feff\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/paul-gauguin\">Paul Gauguin<\/a> etwa mit einem S&auml;bel abgeschlagen?), danach folgten f&uuml;r den offensichtlich psychisch kranken und depressiven K&uuml;nstler Aufenthalte in Krankenhaus und Nervenheilanstalt. Erst im Fr&uuml;hjahr 1890 kam van Gogh wieder frei: Der Arzt Gachet, der sich als Freund der Kunst verstand und unter anderen Paul C&eacute;zanne und Claude Monet kannte, erkl&auml;rte sich bereit, sich in Auvers-sur-Oise um van Gogh zu k&uuml;mmern. Dort kehrte wieder Ruhe in das Leben des 37 Jahre alten K&uuml;nstlers ein.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Und dennoch soll er sich umgebracht haben. Warum? Eine Erkl&auml;rung k&ouml;nnte sein, dass er es gut mit seinem Bruder und dessen Familie meinte. Im Juli 1889 war das Gem&auml;lde &bdquo;Angelusl&auml;uten&ldquo; von Jean-Fran&ccedil;ois Millet f&uuml;r eine halbe Million Francs versteigert worden, zu seinen Lebzeiten hatte der franz&ouml;sische Maler gerade einmal 1000 Francs daf&uuml;r bekommen. In seinem Abschiedsbrief schreibt Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo, den bisher wenig erfolgreichen Kunsth&auml;ndler, vom gro&szlig;en Anteil, den der J&uuml;ngere an seinem Schaffen und seinen Bildern habe. Und davon, dass es im Augenblick eine sehr gespannte Lage gebe &bdquo;zwischen H&auml;ndlern mit Bildern toter K&uuml;nstler und H&auml;ndlern mit Bildern lebender K&uuml;nstler&ldquo;. Sein Tod, so hoffte Vincent van Gogh wom&ouml;glich, w&uuml;rde seinen Bruder von allen Sorgen und finanziellen N&ouml;ten befreien. Das glaubte der bisher weitgehend brotlose K&uuml;nstler wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil er vor seiner Zeit in Auvers-sur-Oise trotz aller Widrigkeiten in knapp 16 Monaten 187 Gem&auml;lde fertiggestellt hatte.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Griff Vincent van Gogh also aus Liebe zu seinem Bruder, aus Pflicht- oder Schuldgef&uuml;hl gegen&uuml;ber dem vier Jahre j&uuml;ngeren Theo zum letzten Mittel und dem Revolver? Oder war es doch eher ein Unfall oder vielleicht sogar ein Mord? Zwei Jungen k&ouml;nnten, ob absichtlich oder nicht, van Gogh angeschossen haben, mit einem Revolver, der ihnen geh&ouml;rte, wie einer der beiden, Ren&eacute; Secretan, sp&auml;ter zugab. Der Maler aber habe ihn ihnen gestohlen, sie selbst seien an dem Abend auch gar nicht in Auvers-sur-Oise gewesen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Woher die Waffe stammte, mit der van Gogh t&ouml;dlich getroffen wurde, konnte bis heute nicht zweifelsfrei gekl&auml;rt werden. Die vielen Wenns und Abers, die sich um den verrosteten Lefaucheux-Revolver ranken, d&uuml;rften auch der Grund sein, warum das Auktionshaus Drouot in Paris den eher bescheidenen Sch&auml;tzpreis von 40.000 bis 60.000 Euro f&uuml;r die Waffe zugrunde legt. Der &bdquo;mutma&szlig;liche Suizidrevolver&ldquo; soll am kommenden Mittwoch versteigert werden. Seine Provenienz aber ist d&uuml;rftig, viel weniger &uuml;berzeugend als bei anderen zeithistorischen Waffen. Der Smith-&amp;-Wesson-Revolver etwa, mit dem der amerikanische Bandit Jesse James 1888 erschossen wurde, was sich fast l&uuml;ckenlos beweisen l&auml;sst, sollte 2013 bei einer Versteigerung in Dallas gesch&auml;tzte 1,6 Millionen Dollar bringen. Doch der Revolver wechselte nicht seinen Besitzer.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Vincent van Gogh ist heute Millionen wert. Das &bdquo;Portr&auml;t des Dr. Gachet&ldquo;, das der Niederl&auml;nder kurz vor seinem Tod gemalt hatte, erzielte bei einer Auktion 1990 mehr als 80 Millionen Dollar. Theo van Gogh jedoch brachte der vorzeitige Tod des Bruder nichts ein: Er starb ein halbes Jahr nach Vincent wohl an den Folgen einer Syphiliserkrankung. Vincent und Theo liegen heute Seit&rsquo; an Seit&rsquo; auf dem Friedhof in Auvers-sur-Oise.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/mutmassliche-mordwaffe-von-van-gogh-versteigerung-in-paris-16233437.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/mutmassliche-mordwaffe-von-van-gogh-versteigerung-in-paris-16233437.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Paris wird die Waffe versteigert, mit der sich Vincent van Gogh erschossen haben soll. 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