{"id":61876,"date":"2019-06-08T17:52:52","date_gmt":"2019-06-08T17:52:52","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61876"},"modified":"2019-06-10T08:27:18","modified_gmt":"2019-06-10T08:27:18","slug":"fremde-sonnensysteme-im-schatten-des-kometenschweifs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61876","title":{"rendered":"Fremde Sonnensysteme: Im Schatten des Kometenschweifs"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Verraten hat sich der Exokomet lediglich in Lichtkurven &ndash; F&uuml;r eine solche dreidimensionale Darstellung braucht es daher k&uuml;nstlerische Phantasie.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Exoplaneten kennt man inzwischen Tausende, aber &bdquo;Exokometen&ldquo;? Gleich drei davon fanden Astronomen nun mit einem neuen Weltraumteleskop. Die Auswertung der Daten ist schwierig, macht aber Hoffnung auf weitere Funde.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">K<\/span>ometen k&ouml;nnen faszinierende Himmelserscheinungen sein. Ihre hellen, langgezogenen Schweife und ihr pl&ouml;tzliches Erscheinen sorgten einst f&uuml;r Angst und Schrecken: Vom Altertum bis ins Mittelalter wurden sie nicht selten als Vorboten von Ungl&uuml;ck und Katastrophen gedeutet. Heute interessieren sich Astronomen aus rein wissenschaftlichen Gr&uuml;nden f&uuml;r die Himmelsk&ouml;rper, denn sie enthalten oft unver&auml;ndertes Material aus der Fr&uuml;hzeit des Sonnensystems.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Aber nicht nur dort erforschen Astronomen die Schweifsterne: Mit dem im April 2018 gestarteten Weltraumobservatorium Tess haben Wissenschaftler aus &Ouml;sterreich, Gro&szlig;britannien und den Niederlanden drei Kometen in der N&auml;he des 64 Lichtjahre entfernten Sterns Beta Pictoris entdeckt. Der au&szlig;ergew&ouml;hnliche Fund gelang mit demselben Verfahren, mit dem Astronomen normalerweise Exoplaneten im Umlauf um ferne Sterne aufsp&uuml;ren: der Transitmethode.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Minimale Verdunkelung des Sternenlichts<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bei dieser Methode messen die Forscher vor&uuml;bergehende, minimale Verdunklungen des Sterns. Diese entstehen, wenn ein Planet oder ein anderer Himmelsk&ouml;rper aus Sicht der Erde vor ihm vorbeizieht und ihn dabei teilweise bedeckt. Im Falle der jetzt gefundenen Exokometen betrug die Verdunklung des Sternenlichts gerade einmal 0,2 Prozent &ndash; ein Planet dunkelt das vom Stern empfangene Licht normalerweise um ein bis zwei Prozent ab.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Entdeckung der Kometen erforderte deshalb eine besonders pr&auml;zise Analyse der Messdaten, bei der zum Beispiel die nat&uuml;rlichen Helligkeitsschwankungen des Sterns selbst herausgerechnet werden mussten, berichten die Astronomen um Sebastian Zieba und Konstanze Zwintz von der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"8807507559dfd1439bb1df2e3730f489cd8fe779\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/beruf-chance\/thema\/universitaet-innsbruck\">Universit&auml;t Innsbruck<\/a> <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/pdf\/1903.11071.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in der Zeitschrift &bdquo;Astronomy &amp; Astrophysics&ldquo;<\/a>. Dabei kam ihnen der technische Fortschritt zu Hilfe: Das von der Nasa betriebene Weltraumteleskop Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) ist Nachfolger der sehr erfolgreichen Mission &bdquo;Kepler&ldquo;, mit der bisher mehr als 2500 Exoplaneten aufgesp&uuml;rt werden konnten.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Eindeutig ein Komet<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im Vergleich zu Planeten sind Kometen sehr kleine Himmelsk&ouml;rper. Ihr Durchmesser variiert zwischen einigen hundert Metern bis zu wenigen Kilometern. Das ist selbst f&uuml;r Tess zu klein, um eine messbare Verdunklung des Sterns zu erzeugen. &bdquo;Was wir sehen, ist nicht der Kometenkern selbst, sondern das Material, das vom Kometen abgeht&ldquo;, erkl&auml;rt Konstanze Zwintz. N&auml;hert sich ein Komet seinem Stern, dann erhitzt sich das fl&uuml;chtige Material in seinem Innern &ndash; ein Millionen Kilometer langer Schweif aus Staub und Gas entsteht.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Schweif ist zwar nicht v&ouml;llig lichtundurchl&auml;ssig wie ein Planet, aber wesentlich gr&ouml;&szlig;er &ndash; das Verdunkelungsereignis dauert entsprechend l&auml;nger. Bei dem gr&ouml;&szlig;ten der drei von Zieba, Zwintz und ihren Kollegen entdeckten Kometen zog es sich &uuml;ber knapp zwei Tage. &bdquo;Die Schwankungen aufgrund der Verdunkelung durch ein Objekt im Orbit des Sterns k&ouml;nnen eindeutig auf einen Kometen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden&ldquo;, best&auml;tigen die Astronomen.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Leider lassen sich aus den Daten nur wenige Informationen &uuml;ber die Kometen selbst herauslesen. Wie aus unserem eigenen Sonnensystem bekannt, bewegen sich die meisten Kometen auf langgestreckten Bahnen mit Umlaufzeiten von Jahrzehnten, Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden. Manche l&ouml;sen sich sogar vollst&auml;ndig auf oder st&uuml;rzen in die Sonne &ndash; beziehungsweise in den Stern, um den sie kreisen. Die drei beobachteten Transits waren daher wohl einmalige Ereignisse. Selbst die Gr&ouml;&szlig;e der Schweife ist nicht eindeutig bestimmbar, wie Zwintz berichtet: &bdquo;Das Ausma&szlig; des Staubschweifes k&ouml;nnte sehr gro&szlig; und nicht sehr dicht oder aber weniger gro&szlig; und daf&uuml;r dichter sein. Beide Situationen w&uuml;rden die gleiche Lichtkurve ergeben.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Wenn sie auch ihre Kometen bei Beta Pictoris nicht wiedersehen werden, hoffen Zwintz und ihre Kollegen auf weitere Funde. Anders als Kepler hat Tess nicht nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels im Blick, sondern rund 200&#8198;000 &uuml;ber den ganzen Himmel verteilte Sterne. Darunter sind sehr viele junge Sterne, die vermutlich noch von Staub- und Tr&uuml;mmerwolken umgeben sind und damit viele Kometen besitzen sollten.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Jugendlicher Stern umgeben von Staub<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ein solches Exemplar ist auch Beta Pictoris. Mit einem Alter von etwa 23 Millionen Jahren gilt der Stern im s&uuml;dlichen Sternbild Bildhauer als jugendlich: Die Sonne ist mehr als 200 Mal &auml;lter. Schon lange bevor der erste Exoplanet entdeckt war, wussten Astronomen, dass Beta Pictoris von einer dichten Staubscheibe umgeben ist. In dieser Scheibe bildet sich sehr wahrscheinlich ein Planetensystem. Einen Planeten, Beta Pictoris b, fanden Forscher im Jahr 2010 anhand von Beobachtungen im nahen Infrarotbereich mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europ&auml;ischen S&uuml;dsternwarte.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Fund von Zieba, Zwintz und ihrem Team ist der erste direkte Nachweis von Kometen mit Tess &ndash; aber nicht der ersten Exokometen &uuml;berhaupt. Erste Hinweise auf Kometen bei Beta Pictoris fanden Astronomen schon 1987, allerdings auf spektroskopischem Wege und damit indirekt. Die ersten direkten Nachweise mit der beschriebenen Transitmethode gelangen vor wenigen Jahren mit Kepler, jedoch bei weiter entfernten Sternen. Beta Pictoris gilt wegen seiner relativen N&auml;he und seiner Staubscheibe als ideales Studienobjekt zur Erforschung entstehender Planetensysteme.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/weltraum\/fremde-sonnensysteme-im-schatten-des-kometenschweifs-16219910.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/weltraum\/fremde-sonnensysteme-im-schatten-des-kometenschweifs-16219910.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exoplaneten kennt man inzwischen Tausende, aber \u201eExokometen\u201c? Gleich drei davon fanden Astronomen nun mit einem neuen Weltraumteleskop. 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