{"id":61857,"date":"2019-06-07T10:00:36","date_gmt":"2019-06-07T10:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61857"},"modified":"2019-06-10T08:26:10","modified_gmt":"2019-06-10T08:26:10","slug":"raubs-landgasthof-die-ruckkehr-der-verlorenen-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61857","title":{"rendered":"Raubs Landgasthof: Die R\u00fcckkehr der verlorenen Kinder"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Schluss mit Schnitzel und Schupfnudeln: In &bdquo;Raubs Landgasthof&ldquo; gibt es stattdessen badisch-kosmopolitische Landgasthofk&uuml;che auf Haute-Cuisine-Niveau ohne deren Schn&ouml;rkel und Girlanden.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Passen Landgasthofk&uuml;che und Hochk&uuml;che unter dieselbe Kochm&uuml;tze? Oder bleibt dabei etwas auf der Strecke? Wolfgang Raub aus Kuppenheim in Nordbaden gibt die Antwort. Die Kolumne Geschmackssache.<\/p>\n<style type=\"text\/css\">#tile4adlabel:after{content:\"\"} #tile4adlabel:before{content:\"anzeige\"}<\/style>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">I<\/span>st Wolfgang <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"17555acc4484aaf6a1ffb09b8dd4fd1561552f17\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/raub\">Raub<\/a> ein Gl&uuml;ckspilz oder doch ein Pechvogel? Ein Gl&uuml;ckspilz, weil seine beiden Kinder gl&auml;nzende Spitzengehaltskarrieren h&auml;tten machen k&ouml;nnen, oder ein Pechvogel, weil sie darauf verzichtet und stattdessen nach seinem Vorbild einen idealistischeren, aber auch beschwerlicheren Lebensweg eingeschlagen haben? Sohn Martin, studierter Wirtschaftsinformatiker, hatte eines Tages genug von Algorithmen und steht jetzt gemeinsam mit dem Vater am Herd. Tochter Katharina, Volkswirtin von Hause aus, arbeitet nicht mehr als Controllerin, sondern leitet das elterliche Restaurant und l&auml;sst sich nebenbei zur Sommeli&egrave;re ausbilden. Und da auch Raubs Ehefrau als Fachkraft in der K&uuml;che hilft, w&auml;hrend der Tochter eine Tante im Service zur Hand geht, kann sich &bdquo;Raubs Landgasthof&ldquo; in Kuppenheim bei Rastatt einer Einzigartigkeit sondergleichen r&uuml;hmen: Es ist wohl das einzige Feinschmeckerlokal Deutschlands, in dem ausschlie&szlig;lich Familienangeh&ouml;rige eines direkten Verwandtschaftsgrades besch&auml;ftigt sind.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">So kurios diese Konstellation klingt, so gut passt sie zu dem Haus, das seit 1854 im Familienbesitz ist. Bis vor vierzig Jahren war es ein klassischer badischer Landgasthof, Dorfschenke, Poststation, Bankfiliale, Vereinsheim, Laientheaterb&uuml;hne, Kriegswitwenrentenkasse, Hausmannskosttrutzburg in einem. Doch dann machte Wolfgang Raub Schluss mit Schnitzel und Schupfnudeln. Er hatte seine Wanderjahre unter anderem im Zwei-Sterne-Restaurant von Brenners Parkhotel in Baden-Baden verbracht, kehrte 1979 nach dem fr&uuml;hen Tod des Vaters nach Hause zur&uuml;ck und wollte nun zeigen, wozu er imstande war. Damit stie&szlig; er die D&ouml;rfler nat&uuml;rlich vor den Kopf, blieb aber selbst genauso dickk&ouml;pfig. F&uuml;nfmal habe er seither das Publikum ausgetauscht, sagt Raub, der seit 1989 mit einer kurzen Unterbrechung einen Michelin-Stern h&auml;lt, zeitweise mit achtzehn Gault-Millau-Punkten bewertet war und sich trotzdem von keinem Restaurantf&uuml;hrer seinen Weg vorschreiben l&auml;sst.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Badisch-kosmopolitische Landgasthofk&uuml;che auf Haute-Cuisine-Niveau ohne deren Schn&ouml;rkel und Girlanden: So kann man Wolfgang Raubs K&uuml;che am k&uuml;rzesten umschreiben. Zur Begr&uuml;&szlig;ung legt er einen atlantischen Nagelrochen auf eine Stabmuschel, garniert ihn mit einem Fenchel-Safran-Ragout und nimmt damit seinen G&auml;sten gleich zu Beginn die unberechtigte Furcht vor einem badischen Kulinarnationalismus unter der Fahne des inzwischen epidemisch verbreiteten Radikalregionalismus. Seiner Heimat macht Raub danach mit einem Saibling aus dem nahen Eyachtal und Bruchsaler Biospargel ohne Folien- und W&auml;rmebehandlung die Honneurs, die mit Quinoa und Morcheln zu einem nicht besonders spektakul&auml;ren, aromatisch allerdings vollkommen plausiblen Teller kombiniert werden.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Fr&uuml;chte vom Quittenbaum im Garten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Doch dann zieht es ihn mit einer Gelbflossenmakrele wieder auf die sieben Weltmeere hinaus, wobei dieser Gang ein kluges Geschmacksspiegelbild ist: Einerseits wird die Makrele von gebratenem gr&uuml;nen Spargel und einer Nage aus Blutorangen und Kumquat arrondiert und selbst so sanft gegart, dass sie mit ihrem rosafarbenen Inneren fast schon an Tataki erinnert- andererseits gibt es sie als roh mariniertes Carpaccio mit roh gehobeltem Spargel und Blutorangenfilets, erg&auml;nzt von Brunnenkresse mit Rosmarin-Bl&uuml;ten. So kann man angeregt dar&uuml;ber streiten, in welcher Zubereitung Fisch und Spargel am besten schmecken, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass es kein Entweder-oder gibt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/kolumne-geschmackssache-raubs-landgasthof-16224992.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/kolumne-geschmackssache-raubs-landgasthof-16224992.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passen Landgasthofk\u00fcche und Hochk\u00fcche unter dieselbe Kochm\u00fctze? Oder bleibt dabei etwas auf der Strecke? Wolfgang Raub aus Kuppenheim in Nordbaden gibt die Antwort. 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