{"id":61259,"date":"2019-05-22T11:31:41","date_gmt":"2019-05-22T11:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61259"},"modified":"2019-05-27T08:13:06","modified_gmt":"2019-05-27T08:13:06","slug":"wundballistik-die-armbrust-als-tatwaffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=61259","title":{"rendered":"Wundballistik: Die Armbrust als Tatwaffe"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">In moderner Form eine Pr&auml;zisionswaffe, die keine besonderen Kunstfertigkeiten erfordert<\/div>\n<p class=\"post_description\">Als das Schie&szlig;pulver erfunden wurde, geriet sie fast in Vergessenheit. Heute wird die Armbrust von manchen Fans wieder hervorgeholt. Der aktuelle Fall aus Passau macht den Ermittlern weiterhin zu schaffen.<\/p>\n<style type=\"text\/css\">#tile4adlabel:after{content:\"\"} #tile4adlabel:before{content:\"anzeige\"}<\/style>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">A<\/span>us achtzig Schritt Entfernung sollte Wilhelm Tell den Apfel vom Kopf seines Sohnes schie&szlig;en, so befahl es der tyrannische Landvogt Gessler in Schillers Drama. Dass Tell dabei eine Armbrust in der Hand hielt, war kein Zufall. Die imagin&auml;re Geschichte spielt im Sp&auml;tmittelalter, als die Armbrust die bevorzugte Kriegswaffe war. Immerhin, Tell traf den Apfel und verschonte sein Kind. Daf&uuml;r schoss er sp&auml;ter dem Gessler einen Pfeil zielgenau ins Herz.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Heute wird die Armbrust gelegentlich noch bei der Jagd eingesetzt, im Kampf Mensch gegen Mensch wurde sie bereits Ende des 16. Jahrhunderts von der Schusswaffe abgel&ouml;st. Popul&auml;r geblieben ist die Armbrust als Sportger&auml;t und in der Mittelalterszene. Diese Subkultur geriet vergangene Woche in die Schlagzeilen, weil f&uuml;nf ihrer Anh&auml;nger tot aufgefunden wurden. Zwei Frauen und ein Mann wurden in Passau durch Pfeile get&ouml;tet, teilten die Ermittler mit. Die beiden anderen Frauen starben im nieders&auml;chsischen Wittingen, Armbr&uuml;ste oder Pfeile wurden hier keine gefunden, aber diese beiden Toten standen mit den drei in Passau in Verbindung. Die Polizei geht bislang davon aus, dass es sich um Tod auf Verlangen und Selbstmord gehandelt hat.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Unf&auml;lle mit Mittelalterwaffen nehmen zu<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Mysteri&ouml;s sind die F&auml;lle allemal, vor allem wegen der Tatwaffe. Mehrere Gutachten sind mittlerweile in Auftrag gegeben worden, bis Ergebnisse vorl&auml;gen, k&ouml;nne es Wochen dauern, hei&szlig;t es. Zust&auml;ndig ist &uuml;blicherweise die Ballistik, genauer gesagt die sogenannte Wundballistik. In der Fachliteratur finden sich nur wenige vergleichbare Beispiele. Allerdings beobachten Chirurgen und Rechtsmediziner solche F&auml;lle seit einigen Jahrzehnten wieder etwas h&auml;ufiger. Dabei handelt es sich meist um Sport- und Jagdunf&auml;lle, die infolge der Renaissance solcher Mittelalterwaffen wieder &ouml;fter vorkommen. Doch in der Statistik tauchen durchaus auch Morde, Mordversuche, Suizide und Suizidversuche auf, die mit der Armbrust begangen wurden.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Jedenfalls geht das aus einer Dissertation hervor, die der inzwischen verstorbene Mediziner und Mathematiker Hubert Sudhues an der Universit&auml;t M&uuml;nster im Jahr 2004 verfasst hat. Darin besch&auml;ftigte er sich mit der Wundballistik bei Pfeilverletzungen von B&ouml;gen und Armbr&uuml;sten, die offenbar bis dato nicht systematisch untersucht worden waren. Die Arbeit bietet einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Verletzungsmuster, die Sudhues in eigenen Experimenten untersucht hat. Die vergleichsweise hohe Zahl an Suiziden und T&ouml;tungsdelikten mit der Armbrust erkl&auml;rte er sich damit, dass solche Waffen sehr leicht erh&auml;ltlich sind und dass es &bdquo;keines Trainings und keiner Geschicklichkeit&ldquo; bedarf, um damit zuverl&auml;ssig zu treffen. Hubert Sudhues selbst hatte es ohne &Uuml;bung schon am ersten Tag geschafft, ein Ziel aus 15 Meter Entfernung wiederholt zu treffen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ihre einfache Handhabung war auch der Grund, warum die Armbrust am Ende des Mittelalters den Bogen als Kriegswaffe verdr&auml;ngte. Armbrustsch&uuml;tzen waren leichter auszubilden und somit billiger. Im Vergleich dazu erforderte die sichere Beherrschung des Bogens jahrelanges Training, gute Bogensch&uuml;tzen musste man sich leisten k&ouml;nnen. Erfunden wurde die Armbrust allerdings nicht erst im Mittelalter, sondern schon deutlich fr&uuml;her, etwa 400 Jahre vor Christus in China. Die neue Erfindung muss sich damals schnell ausgebreitet haben, von Nordindien bis nach Europa. Die Griechen nannten die antike Armbrust &bdquo;Gastraphetes&ldquo; (w&ouml;rtlich &bdquo;Bauch-Schleuderer&ldquo;), ihre Weiterentwicklung zur Kriegswaffe scheiterte aber wohl lange an der niedrigen Schussfrequenz. Pfeil und Bogen blieben alles in allem f&uuml;r Jahrtausende die dominierende Distanzwaffe und haben im Laufe der Geschichte wahrscheinlich mehr Menschen get&ouml;tet als jede andere Waffe.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-armbrust-fall-von-passau-wie-pfeile-toeten-16194489.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-armbrust-fall-von-passau-wie-pfeile-toeten-16194489.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als das Schie\u00dfpulver erfunden wurde, geriet sie fast in Vergessenheit. Heute wird die Armbrust von manchen Fans wieder hervorgeholt. 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