{"id":60923,"date":"2019-05-16T10:31:39","date_gmt":"2019-05-16T10:31:39","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=60923"},"modified":"2019-05-20T09:22:18","modified_gmt":"2019-05-20T09:22:18","slug":"jens-weidmann-bundesbankchef-verteidigt-deutsches-export-modell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=60923","title":{"rendered":"Jens Weidmann: Bundesbankchef verteidigt deutsches Export-Modell"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd der &bdquo;Hamburg-Express-Klasse&ldquo; f&auml;hrt die Elbe hoch.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Eine &bdquo;Robinson-Inselwirtschaft&ldquo; sei nicht die L&ouml;sung, sagt Bundesbankpr&auml;sident Weidmann. In seiner Rede beim Sparkassentag wendet er sich gegen jene, die von Deutschland weniger Export fordern.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">E<\/span>rst vor kurzem hat Frankreichs Pr&auml;sident <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"5b642fafe7aefa9008bc1144cf1d21a8323d5a7f\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/emmanuel-macron\">Emmanuel Macron<\/a> das exportorientierte &bdquo;deutsche Wachstumsmodell&ldquo; ger&uuml;gt, weil es von Ungleichgewichten in der Eurozone profitiert habe. International gibt es schon seit l&auml;ngerem viele Kritiker, die Deutschlands &bdquo;Modell&ldquo; f&uuml;r falsch halten. Das Magazin &bdquo;The Economist&ldquo; meinte vor drei Monaten, das Modell sei &bdquo;kaputt&ldquo;.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nun hat Bundesbankpr&auml;sident <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"a1204abd8ac0c948776f5885ecdc82822f743f79\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/jens-weidmann\">Jens Weidmann<\/a> in einer Rede auf dem Sparkassentag in Hamburg das deutsche Wirtschaftsmodell verteidigt. Es sei nicht kaputt. Es sei auch nicht falsch, dass Deutschland viel spare und die Ersparnisse zu einem erheblichen Teil im Ausland investiere &ndash; mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft k&ouml;nne er das gut nachvollziehen, so Weidmann.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Allerdings gab er zu, dass der Leistungsbilanz&uuml;berschuss mit mehr als 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schon sehr hoch sei. &bdquo;Die Frage, inwieweit ein solcher Saldo langfristig tragf&auml;hig ist, ist berechtigt.&ldquo; Nur k&ouml;nne die Wirtschaftspolitik nicht einfach dagegen steuern. &bdquo;Einzelne Ma&szlig;nahmen, etwa Steuersenkungen oder h&ouml;here staatliche Ausgaben w&uuml;rden den Leistungsbilanzsaldo nicht wesentlich verschieben&ldquo;, gab er zu bedenken.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Im vergangenen Jahr hat Deutschland nach Weidmanns Worten f&uuml;r rund 1,6 Billionen Euro Waren du Dienstleistungen in die Welt exportiert. Umgekehrt wurden Waren und Dienstleistungen f&uuml;r etwa 1,4 Billionen Euro importiert. &bdquo;Die Offenheit der deutschen Wirtschaft und ihre internationalen Verflechtungen steigern den Wohlstand unserer Gesellschaft und bieten auch unseren Partnern vielf&auml;ltige Chancen&ldquo;, betonte der Bundesbankchef.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Der Schl&uuml;ssel ist Bildung<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ein gr&ouml;&szlig;erer Kuchen bedeute aber noch nicht, dass jedes St&uuml;ck gr&ouml;&szlig;er werde. Es gebe Verteilungskonflikte und Gewinner und Verlierer der Globalisierung, r&auml;umte Weidmann ein. Mit Verweis auf &ouml;konomische Studien sagte er, dass der &bdquo;China-Schock&ldquo; seit der Jahrtausendwende in den Vereinigten Staaten zu einem erheblichen Abbau von Arbeitspl&auml;tzen in der Industrie gef&uuml;hrt habe. Auch in Deutschland habe der intensivere Handel mit China und Osteuropa in einigen Branchen und Regionen zu Arbeitsplatzverlusten gef&uuml;hrt. Gleichzeitig schuf aber der Zugang zu neuen M&auml;rkten neue Export- und Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Per Saldo entstanden wohl mehr als 400.000 Industriearbeitspl&auml;tze zus&auml;tzlich. Der China-Schock wirkte hierzulande also positiv&ldquo;, betonte Weidmann. Allerdings gab es unterschiedliche Auswirkungen auf Branchen und Regionen, einige Menschen verloren ihre Jobs. Sie m&uuml;ssten umgeschult werden, um neue M&auml;rkte und Technologien zu nutzen. &bdquo;Der Schl&uuml;ssel dazu ist Bildung&ldquo;, so Weidmann.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In seiner Rede in Hamburg verwies der Bundesbankpr&auml;sident auf den vor 300 Jahren erstmals erschienenen Roman &bdquo;Robinson Crusoe&ldquo; von Daniel Defoe. <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"bf66f0cba8bbb1dc1e3364b6d6ca42200f729c25\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/robinson-crusoe\">Robinson<\/a> wird darin als norddeutscher Kaufmannssohn vorgestellt, den es auf eine einsame Insel verschl&auml;gt. Aber erst durch Arbeitsteilung mit dem Eingeborenen &bdquo;Freitag&ldquo; kann Robinson seine Lage deutlich verbessern.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Weidmanns Botschaft: Eine isolierte Insel-Wirtschaft k&ouml;nne wirklich nicht die L&ouml;sung der Zukunft sein. Auch wenn die Globalisierung manchen &auml;ngstigt: &bdquo;Abschottung statt Offenheit w&auml;re die schlechteste Reaktion auf die &ouml;konomischen Herausforderungen und Umw&auml;lzungen&ldquo;, so Weidmann.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Besorgt zeigte er sich &uuml;ber eine m&ouml;gliche Eskalation der Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie auch mit Europa. W&uuml;rde Pr&auml;sident Donald Trump seine Drohungen wahr machen und einen Importzoll auf deutsche Autos erheben, &bdquo;w&uuml;rde dies die deutschen Hersteller hart treffen, die 2018 Kfz und Kfz-Teile im Wert von 27 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportierten&ldquo;, warnte Weidmann.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Zinswende nicht unn&ouml;tig verschieben<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Verst&auml;ndnis zeigte Weidmann in seiner Rede vor dem Sparkassentag &uuml;ber den &Auml;rger vieler &uuml;ber die schon lange sehr niedrigen Zinsen. &bdquo;Den Unmut vieler Sparer &uuml;ber dieses Niedrigzinsumfeld kann ich gut verstehen&ldquo;, so Weidmann, der einer der Kandidaten f&uuml;r die Nachfolge von EZB-Pr&auml;sident Mario Draghi ist, wenn der Italiener Ende Oktober die Europ&auml;ische Zentralbank verl&auml;sst.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Weidmann warnte abermals davor, dass eine lange Phase sehr niedriger Zinsen dazu f&uuml;hren k&ouml;nne, dass Investoren auf der Suche nach Renditen zu gro&szlig;e Risiken eingehen und dies die Finanzstabilit&auml;t bedrohen k&ouml;nne. Stark steigende Immobilienpreise und deren Kreditfinanzierung k&ouml;nnten zum Problem werden.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Sparneigung sei indes durch die Niedrigzinsen nicht erlahmt. Auch die finanzielle Ungleichheit zwischen Armen und Reichen habe das billige Geld der EZB wohl nicht erh&ouml;ht. Fragen nach der Verteilungswirkung m&uuml;sse man zwar &bdquo;sehr ernst&ldquo; nehmen, doch wissenschaftliche Studien h&auml;tten die These einer deshalb steigenden Ungleichheit &bdquo;nicht erh&auml;rtet&ldquo;.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Von der EZB forderte Weidmann, auch angesichts der schwachen Inflation &bdquo;die geldpolitische Normalisierung weiter zu verfolgen und nicht unn&ouml;tig hinauszuschieben, wenn die Preisaussichten es zulassen&ldquo;.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/konjunktur\/bundesbankchef-verteidigt-deutsches-export-modell-16190240.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/konjunktur\/bundesbankchef-verteidigt-deutsches-export-modell-16190240.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine \u201eRobinson-Inselwirtschaft\u201c sei nicht die L\u00f6sung, sagt Bundesbankpr\u00e4sident Weidmann. 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